Infografik

Die Entwicklung des Milchpreises: Ursachen und Gründe

In den Jahren 2015 und 2016 stagnierten die Erzeugerpreise für Kuhmilch auf dem historischen Tiefststand von 30 Cent je Kilogramm. Die Gründe für den Preisverfall und die damit verbundene Milchkrise sind vielschichtig. Die folgende Infografik bietet einen Überblick zu dieser erschreckenden Entwicklung und zeigt, wie Verbraucher zu einer positiven Wende beitragen können.

Datum:

Dumpingpreise in der Milchwirtschaft

Der Milchpreis

Der niedrige Milchpreis bedroht immer mehr Milchbauern. Von dem Erzeugerpreis, der Anteil, den der Bauer erhält, müssen dessen Tiere versorgt und seine Milchproduktion aufrechterhalten werden. Geld für das eigene Leben bleibt nicht übrig, viele produzieren mit Verlusten und fürchten um ihre Existenz.

Wie setzt sich der Milchpreis zusammen?

40% Einkaufspreis beim Landwirt

Bei einem Marktpreis von 0,50€ enspricht dies ungefähr 0,20€

17% Produktionskosten Molkerei
13% Karton / Verpackung
12% Handelsspanne
7% Mehrwertsteuer
4% Grüner Punkt
3% Transport zur Molkerei
2% Logistik
2% Verwaltung & Molkereimage

Wer verhandelt über den Milchpreis?
Die Molkereien verhandeln zweimal jährlich mit dem Einzelhandel über den Einkaufspreis von Milch & Milchprodukten.

Milchpreisentwicklung

Verlauf des Milchpreises von 2013 - 2016

Die deutschen Milchbauern bekommen derzeit für einen Liter konventionell erzeugte Milch im Durchschnitt 23,88 Cent. In einigen Regionen ist der Erzeugerpreis sogar erstmals unter die 20-Cent-Marke gefallen.

Ursachen für den Preisverfall

Auf dem Milchmarkt gibt es ein enormes Überangebot an Milch. Durch die freie Marktstruktur führt dies zu Preisabschlägen bei den Produkten. Dadurch erhalten Milcherzeuger weniger Geld. Die Ursachen für das Überangebot sind vielschichtig.

Massives Überangebot an Milch auf dem Markt.

Hauptgründe für das Überangebot sind: Die Stockende Nachfrage in China, Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte in Russland sowie ein weltweites Überangebot.

Ebenfalls haben viele Bauern, aufgrund hoher Erzeugerpreise in den Jahren 2013 und 2014, ihre Bestände ausgeweitet und die Milchproduktion vergrößert.

Mit dem Auslaufen der Milchquote 2015, haben Bauern die Möglichkeit, grenzenlos Milch zu produzieren.

Was ist eigentlich die Milchquote?
Die Milchquote wurde 1984 von der Europäischen Gemeinschaft eingeführt, um die damalige Überproduktion von Milch zu stoppen. Im Grunde nur für 5 Jahre geplant, wurde sie stetig verlängert. Zunächst wurde eine globale Menge der EG zugeteilt, welche diese dann auf die Mitgliedsstaaten weiter aufgeteilt hat.
Die anschließende weitere Verteilung auf die einzelnen Erzeuger war dann die Aufgabe des jeweiligen Mitgliedstaates. Die Erzeuger wiederum, konnten die erhaltenen Anteile an der Quote zuerst nur weiter verleasen oder verpachten, später fand dann an sogenannten Milchbörsen ein Handel mit den Milchquoten statt. Letztendlich wurde die Quote als erfolglos angesehen, da trotz der Einführung der Milchpreis weiter fleißig schwankte und die Anzahl der Milchbauern in Deutschland um rund 80% zurückgegangen ist.
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Folgen für die deutschen Milchbauern

Rund 71.000 Milchbauern gibt es in Deutschland, im Jahr 2000 waren es noch etwa 135.000. Zwei Drittel davon halten weniger als 50 Kühe und sind besonders von dem niedrigen Preis bedroht. Der Trend geht zu Großproduktionen mit "Super-Kühen".

Die kleinen Betriebe sind kaum noch wettbewerbsfähig, geben ihren Betrieb auf oder werden von den Großen übernommen.

Wie wird bereits geholfen?

Die Europäische Union, inklusive Deutschland als größter Milchproduzent, haben nun bereits zum zweiten Mal ein Hilfspaket zur Verfügung gestellt. Hierbei geht es jedoch lediglich um kurzfristige Hilfe und nicht um den Aufbau fester zukünftiger Marktstrukturen.

Die Finanzspritze soll Anreize zur Verminderung der produzierten Menge schaffen. Dies ist für die Bauern allerdings wenig lukrativ, da sie ihre Kapazitäten dann nicht ausschöpfen können und sich langfristig keine Besserung einstellt.

Gibt es Unterschiede bei Heu-/Weide- oder Alpenmilch?

Auf vielen Verpackungen finden wir fettgedruckte, wohlklingende Begriffe. Wir assoziieren damit direkt die Herkunft der Milch sowie deren Qualität. Doch was genau steckt hinter den Begriffen? Und wie unterscheidet sich die im Handel dadurch wesentlich teurer verkaufte Milch von der herkömmlichen?

Weidemilch unterliegt keinen Richtlinien, da der Begriff nicht geschützt ist. Etwaige Angaben stammen vom Hersteller.

Biomilch hat festgelegte Regelungen, diese sorgen für bessere Haltungs- bedingungen sowie artgerechtes Futter.

Bio Milch tüte

Heumilch unterliegt verbindlichen EU-Standards, welche sich ausschließlich auf das Futter der Tiere beziehen.

Alpenmilch ist kein geschützter Begriff, dadurch gibt es keine Normen zur genauen Eingrenzung des Alpenlandes.

Landmilch bietet keinerlei Abgrenzungen, da jede Milch vom Land kommt. Der Begriff ist ebenfalls nicht geschützt.

Heumilch

Biomilch

Was kann ich als Verbraucher tun?

Die Verbraucher in Deutschland sind mehrheitlich dazu bereit, mehr Geld auszugeben, wenn dies auch den Erzeugern zugute kommt. Die Marktstrukturen können wir als Käufer nicht verändern, aber wir können durch den gezielten Kauf von speziellen Produkten unseren Teil zum Wohlwollen der Milchbauern beitragen.

Quellen: NDR | AGRARHEUTE | WWW.MEINE-MILCH.DE | STATISTA | Grafik: Sara Gerdes