Formschön und praktisch?

Withings Steel HR im Test: Alltagstauglich und smart

Die Withings Steel HR ist der Nachfolger von der Activité Steel. Was kann das neue Modell, wie schlägt es sich in der Praxis und lohnt der Aufpreis zur Activité Steel? Der Test zeigt, für wen die Hybrid-Smartwatch infrage kommt.

Datum:
Withings Steel HR

Cornelia Diedrichs testete das 40-mm-Modell.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Mit der Steel HR ist Withings eine formschöne Modernisierung und Erweiterung der Activté Steel gelungen. Die Akkulaufzeit ist erfreulich hoch. Die OLED-Anzeige stellt eine kluge Entscheidung dar. Man verzichtet hierbei auf eine nervige Flut an Smartphone-Hinweisen (z.B. WhatsApp-Nachrichten) und hat mit dem Pulsmesser als Zusatzsensor eine wichtige Lücke geschlossen, die der Activité Steel fehlte. Preislich hat Withings rund 60 Euro zur Activité Steel aufgeschlagen: 190 Euro möchte Withings für die neue Steel HR haben. Für eine trés-chic Uhr ohne allzuviel Schischi und sensorischer Intelligenz ein fairer Preis!

Pro

  • Schönes Design
  • Wasserdicht bis 50 m
  • Top Akkulaufzeit mit bis zu 25 Tagen
  • Smarte Weckfunktion
  • Klares OLED
  • Gute Informationsverknappung
  • Gutes Preis-Leistungsverhältnis

Kontra

  • Fummeliges Akkuladen
  • Teilweise schlechte Ablesbarkeit der analogen Zeitanzeige

Withings Steel HR

Der französische Hersteller Withings bringt die Steel HR auf den Markt und erweitert damit seine Produktpalette. Seit längerer Zeit sind bereits die Acitvité Steel und die Activité Pop im Angebot. Die Activité Steel haben wir bereits getestet und konnten einen sehr positiven Eindruck gewinnen. Nun landete die Steel HR an unserem Handgelenk.

Aufbau der Steel HR

Es werden zwei Größen und Farben angeboten:
  • 36-mm-Modell wiegt 39 Gramm und ist den Farben Schwarz und Weiß erhältlich. Das Modell ist für Handgelenke bis zu 20 cm geeignet und hat ein 18 mm breites Armband.
  • 40-mm-Modell wiegt 49 Gramm und ist nur in der Farbe Schwarz erhältlich. Das Modell ist für Handgelenke bis 23 cm geeignet und hat ein 20 mm breites Armband.
Das Gehäuse ist Edelstahl ummantelt, das bis zu einer Wassertiefe von 50 Metern wasserdicht bleibt. Damit ist bereits die Frage geklärt, ob die Steel HR zum Schwimmen oder zum Laufen bei Regen geeignet ist. Das Mineralglas ist kratzfest und weist eine angenehme, leichte Wölbung auf. Das Ziffernblatt ist typisch für Withings und wie bei der Activité Steel sehr schlicht gehalten. Ich finde es jedenfalls sehr formschön – was naturgemäß immer eine Geschmacksfrage ist, wenn es um Design geht. Einen Sekundenanzeiger gibt es nicht.
Anstelle einer Schrittanzeige, wird das Schrittziel in Prozent im unteren Ziffernblatt mechanisch angezeigt. Wer beispielsweise 10.000 Schritte als Tagesziel eingestellt hat, dem werden 50 % auf einem vollen Kreis angezeigt sobald er 5.000 Schritte zurückgelegt hat. Das ist ein kleiner Unterschied zur Activité Steel, die mit einem dreiviertel %-Kreis arbeitet. Es ist eben keine handelsübliche Uhr, sondern läuft unter dem Begriff „Smart Tracker“ oder auch „Smart Watch“ genannt. Mit dem Umschalter – der sich rechts am Uhrengehäuse befindet – aktiviert man die auf der oberen Ziffernblatthälfte befindliche OLED-Anzeige. Prinzipiell bleibt die OLED-Anzeige ausgeschaltet und spart somit Energie.
Withings Steel HR

Für mein schmales Frauenhandgelenk wäre das 36mm Modell die bessere Wahl.

Die Armbänder sind entweder aus Silikon (in acht Farben erhältlich, je 30 Euro / Schwarz, Weiß, Hellblau, Gelb, Rot, Hell- und Dunkelbraun, Dunkelgrün) oder aus Leder (in Braun und Schwarz, je 80 Euro). Wir haben ein Silikonarmband, das sich zu Beginn etwas sperrig verschließen ließ, mit der Zeit aber immer leichter fiel.
Beim Tragekomfort gibt es nichts zu meckern, sowohl vom Gewicht als auch dem einfach verstellbarem Armband. Jedoch fiel auf, dass sich je nach Lichtverhältnissen die analogen Zeitanzeiger nicht gut ablesen lassen. Nachts hat man sowieso keine Chance mehr, sollte man sich nicht für das weiße Ziffernblatt entschieden haben. Da bleibt nur die OLED-Anzeige, um die Uhrzeit digital abzulesen. Das OLED-Informationsfeld selbst ist stets klar ablesbar. Withings hat hierzu eine prima Schriftart ausgesucht. Dusch- und Badevorgänge haben der Withings bisher nicht geschadet, es war kein Beschlagen von Innen zu erkennen. Ob und wie gut die Steel HR Meerwasser verträgt, haben ich noch nicht getestet.
Withings Steel HR

Bei der Lieferung ist eine kleine USB-Ladestation mit zwei magnetische Arretierungspunkten dabei.

Akkulaufzeit

Ein wichtiger Punkt bei den modernen Digitaluhren bzw. Smart Watches ist stets die Akkulaufzeit. Hier punktet die Withings Steel HR. Auch wenn man sie tagelang ohne Nachzuladen trägt, rührt sich kaum etwas an der Laufzeit. Im Schnitt kamen wir auf 1-2% pro Tag. Withings selbst gibt 25 Tage Laufzeit an, die nochmals durch einen Energiepsarmodus um weitere 20 Tage verlängert werden kann (der Trick ist, dass Withings die Tracking-Funktionen deaktiviert). Bei der Lieferung ist eine kleine USB-Ladestation dabei, die zwei magnetische Arretierungspunkte hat. Die erweisen sich leider als kontaktschwach, so dass ein Aufladevorgang unterbrochen wird, wenn man die Steel HR versehentlich berührt. Ein kleiner Tipp und Trick am Rande: Legt nicht die Uhr auf die Ladestation, sondern lasst sie leicht über den Kontakten schweben, bis es „klack“ macht. Der Magnet tut sein Übriges.
Withings Steel HR

Der Ladekontakt hält nur bedingt. Bei Berührung wird die Aufladung häufig unterbrochen.

Features, Funktionen und Hauptzielgruppe

So wie die Activité Steel, kann die Steel HR die Schritte zählen und einigermaßen den Schlaf überwachen. Letzteres ist in der Tat bei allen Smart Watches eine sehr grobe Überwachungsfunktion, die allein auf den Bewegungssensoren basiert. Kein Modell kann den Schlaf und vor allen Dingen die diversen Schlafphasen genau überwachen. Hierzu muss man schon ins Schlaflabor, um sich komplett verkabeln zu lassen. Jedoch verweisen Schlafforscher auf die ungefähren Messungen, die man durchaus einem Arzt zeigen könnte. Es sind eben Anhaltspunkte, mehr aber auch nicht. Withings meint, dass man über Algorithmen die wesentlichen Schlafphasen – Leicht- und Tiefschlaf sowie die Aufwachphase – erkennen kann. Der „Smart Wake-Up“ der Steel HR dient dazu, in der Aufwachphase den Träger über einen Vibrationsalarm sanft zu wecken. Ob das gut funktioniert, lässt sich schwer nachvollziehen.

Die OLED-Anzeige zeigt folgende Werte an:

  • Uhrzeit und Datum
  • Puls
  • Schritte
  • zurückgelegte Strecke
  • Weckzeit
  • Akkuladezustand
Die Puls- und Schrittmessung funktioniert gut. Gegenüber der Activité Steel ist die Pulsmessung ein neues Feature, um sportliche Aktivitäten mit der üblichen Herzfrequenzmessung zu koppeln. Die Abweichungen liegen im üblichen Rahmen (wir haben verschiedene Puls- und Schrittmesser zum Vergleich genutzt). Auch hier gilt: Es ist kein medizinisches Gerät, das Sportwissenschaftlern erlauben würde, einen Hochleistungssportler hochpräzise zu tracken. Es ist eine Uhr für Normalsterbliche mit Sport als Hobby, die etwas mehr als nur die Zeit ablesen wollen. Withings verspricht, dass die üblichen Aktivitätsarten mit der Zeit erkannt werden. Es ist demnach eine lernende Uhr. Hierzu muss in der passenden Smartphone-App (siehe unten) die Aktivität zugeordnet werden, damit die Steel HR später die Bewegungsmuster wiedererkennt.
Die zurückgelegte Strecke wird in Schritten und Metern auf dem OLED angezeigt. Ein einfacher Druck auf den Seitenknopf genügt. Ebenso verhält es sich mit dem Pulsmesser. Dieser misst alle 10 Minuten, solange man die Uhr trägt. Wer möchte, kann die Pulsmessung auf Dauermodus umschalten, was natürlich die Akkulaufzeit erheblich reduziert.

Health Mate App

Um eine Historie der Messungen anzuzeigen, greifen wir auf die bereits bekannte „Health Mate“-App von Withings zu, die es für iOS und Android kostenlos zum Herunterladen gibt. Sie entspricht hinsichtlich der Funktionen der Activité Steel, mit dem Zusatz der Herzfrequenzmessung:
  • Aktivität und Aktivitätstypen-Anzeige sowie Schrittzähleranzeige (Tag/Woche), wobei die Schritte als Tagesziel in der App voreingestellt werden. Die Aktivitätsanzeige unterscheidet hierbei zwischen unterschiedlichen Aktivitäten (Schwimmen, Laufen, Joggen, …).
  • Es werden die Herzfrequenz-Bereiche und der Verlauf dargestellt. Die Daten werden im Informationsbereich der Aktivitäts- und Schlafmessung zusätzlich angezeigt.
  • Schlafaktivität messen: Wer die Uhr nachts trägt, kann sich in der App die Anteile aus Tief- und Leichtschlaf anzeigen lassen. Mittels Smart Wake-Up soll die Aufwachphase erkannt werden und somit der Schlafende zum richtigen Zeitpunkt geweckt werden.
  • Weckzeit einstellen: Ein sanftes Vibrieren, das wenige Sekunden andauert, weckt den Träger aus dem Schlaf. Das hat in der Praxis wunderbar funktioniert, Klingeln adé!
Am Rande sei die soziale Funktion erwähnt: Man kann andere Withings-User einladen, um die Werte miteinander in einem „Leaderboard“ zu vergleichen. Zudem versucht Withings mittels virtuellen Erfolgsorden und Informationshäppchen den Träger zu motivieren, sich regelmäßig zu bewegen und bewusst zu ernähren. Eine genaue auf die Messwerte bezogene Analyse existiert zur Zeit noch nicht. Was nicht ist, kann ja noch werden, wenn die Software dank „Artificial Intelligence“ – ein neuer Trend aus der IT – schlauer wird!
Wichtig: Die App wird benötigt, um die Uhr erstmalig einzurichten. Wer bereits die Activité Steel besitzt, muss seine Uhr entkoppeln, um die Steel HR anzuzeigen. Leider ist kein Parallelbetrieb möglich. Die Erstinstallation ist erfreulich einfach und zügig. Dem User wird hierbei in einzelnen Schritten die Funktionsweise der Uhr und der App erklärt. Großes Lob für diese Benutzerführung! Natürlich erfolgen auch Updates für die Uhr über die App. Einfach mit Bluetooth verbinden, den Rest erledigt die App. Ach ja, während uns noch die Activité Steel immer wieder Probleme bereitete, die Daten via Bluetooth zu übertragen, lief das bei der Steel HR absolut problemlos.
Withings Steel HR

Mit der Steel HR ist Withings eine formschöne Modernisierung und Erweiterung der Activté Steel gelungen.

OLED Hinweise

Was wir zum Abschluss nicht unerwähnt lassen wollen: Eine smarte Uhr ohne sogenannte „Notifications“ ist eher die Ausnahme. Die Steel HR beherrscht die Anzeige von Informationsbröckchen, die über das Smartphone bezogen werden. Und fokussiert sich auf das Wesentliche. Im OLED-Dsiplay werden der Name des Anrufers, eingehende SMS und Terminhinweise auf Basis der Kalendereinträge anzeigt. Facebook oder Whatsapp werden nicht angezapft.

Withings Steel HR

Cornelia Diedrichs

von

Das Thema Gesundheit beschäftigt mich seit meiner Kindheit. Sie wird schmerzlich vermisst, wenn sie abhanden kommt. Ich beschäftige mich intensiv mit ihrer Bewahrung.