Mit einem Klick zum großen Glück?

Online verlieben: Partnerbörsen im Test

Bis einem die große Liebe zufällig über den Weg läuft, kann es dauern. Im Internet kann man die Sache beschleunigen, sofern man den Versprechen der Online-Partnervermittlungen glaubt. Welche Datingplattform ist die beste und was kostet der Spaß?

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Partnerbörsen im Test

Online die große Liebe finden? Der Test verrät, ob es wirklich mit ein paar Klick getan ist.

Wenn man in der richtigen Welt einfach kein Glück hat, zu schüchtern ist oder die Flirt-Sprüche nicht richtig zünden, setzen viele ihre Hoffnungen in eine Partner-Vermittlung. Die Branche boomt, die Werbung ist allgegenwärtig. Kritiker sprechen bereits vom Geschäft mit dem Liebeskummer. Im Netz buhlen dutzende Anbieter um die Gunst der Kunden, die bereit sind, stattliche Summen in die Partnersuche zu investieren. Aber welcher Anbieter macht die besten Partnervorschläge? Wie schnell und wie einfach kommen ernsthafte sowie ehrliche Kontakte zustande? Außerdem nicht zuletzt: Was kostet der Spaß überhaupt?

Erst einmal Profil zeigen

Wir wollten es ganz genau wissen: Mit Julia (24) und Wilfried (58) schickte die Redaktion zwei einsame Herzen aufs Gefühlskarussell. Dazu erstellten die beiden auf fünf der größten kostenpflichtigen Partnerbörsen und auf einem Gratis-Portal detaillierte Profile. Anschließend stürzten sich die Test-Experten in das Abenteuer der virtuellen Partnersuche, wobei sie die Anbieter auf Herz und Nieren prüften.

Viel Arbeit vor dem ersten Date

Der griffige Spruch „per Klick zum Glück“ erweist sich schnell als deftige Übertreibung: Bevor es zum ersten Mailkontakt oder gar aufregenden Dates mit potenziellen Partnern kommt, ist jede Menge Arbeit angesagt. Man hat erst einmal gut zu tun, sein sichtbares Profil mit den üblichen Infos über Alter, Wohnort, Hobbys, expliziten Partnerwünschen sowie Fotos zu füttern. Bei den meisten Portalen reicht das allerdings noch nicht aus, denn sie nutzen weitere Methoden zur Partnervermittlung.
  • Persönlichkeits-Matching: Bei ElitePartner, Parship, eDarling und Partner.de durchlaufen Nutzer vor der Erstellung ihres sichtbaren Portal-Profils eine Persönlichkeitsanalyse. Dafür müssen sie Dutzende von Fragen beantworten, was eine halbe Stunde oder auch länger dauert. Auf Basis der Analyse stellt das Portal anschließend die Übereinstimmung der eigenen Person mit anderen Nutzern dar, in Form von Matching-Punkten: Je höher diese Kennzahl ausfällt, desto besser passen zwei Menschen zusammen – zumindest in der Theorie. Für solche Matching-Punkte muss der Nutzer viel von sich preisgeben. Die Palette reicht von Fragen zur Bedeutung von Treue, Ehrlichkeit und Humor in der Partnerschaft über Ansichten zu Religion, Politik und Gesellschaft – bis hin zu intimen Angaben zu eigenen sexuellen Aktivitäten und erotischen Vorlieben. Diese Antworten tauchen aber später im sichtbaren Profil nicht wieder auf, es ließe sich also schummeln. Doch offene und ehrliche Antworten bei dieser Persönlichkeitsanalyse sind Voraussetzung für Partnervorschläge, die den eigenen Wünschen weitestgehend entsprechen.
  • Profil-Übereinstimmung:
    Bei allen Portalen erstellen Nutzer eine Art persönlichen Steckbrief – ihr sichtbares Profil. Finya und LoveScout24 nutzen nur die Angaben daraus für Empfehlungen.

Galerie: Online verlieben: Sechs Partnerbörsen im Test

Ein gutes Profil ist die halbe Miete

Das vielleicht wichtigste Kriterium für Erfolg in Partnerbörsen: Die Optik muss stimmen. Wer den erstbesten Zufalls- Schnappschuss als Profilfoto wählt, sollte sich über mangelnden Zuspruch nicht wundern. Stattdessen sollte das Bild etwas von der Persönlichkeit vermitteln – ebenso wie das Profil. Zugegeben: Es erfordert mitunter etwas Mut, zum Teil sehr Persönliches in eine Internet-Datenbank einzutippen. Das sichtbare Profil ist aber die Visitenkarte in den Partnerbörsen. Deshalb sollten einsame Herzen hier wirklich Mühe investieren. „Ganz wichtig ist, dass das Profil immer etwas Positives in Bezug auf die gewünschte Partnerschaft vermittelt“, erklärt Verena Lauer, Flirt- und Beziehungscoach aus München (www.entsingelung.de). „Vermeiden Sie deshalb Beschreibungen von sich und Ihrem Leben, die den Eindruck erwecken, dass dort eigentlich kein Platz mehr für einen Partner mit seinen Bedürfnissen ist.“ Für eVivam überprüfte Verena Lauer die Profile der beiden Kandidaten und entdeckte auch dort ein paar Fehler.

Partnersuche: Ein teurer Spaß

Ist das Profil vollständig, geht es zur Kasse, denn mit Ausnahme von Finya sind alle getesteten Portale kostenpflichtig. Das geht mitunter ganz schön ins Geld – teils vor allem dann, wenn der Kunde zu den Besserverdienern gehört. Die Kosten für die Mitgliedschaft bei ElitePartner und Parship richten sich nämlich nach der Höhe des Einkommens, das der Bewerber in seinem Profil angegeben hat. Hier sind einsame Herzen zwar versucht zu schummeln, erhalten dann aber auch nur Vorschläge aus ähnlich niedrigen Gehaltsstufen. Das will nicht jeder, zumal materielle Sicherheit für viele eine große Rolle in der Partnerschaft spielt. Zutritt zum Premium-Bereich gibt es (außer bei Finya) nur im Abo mit Laufzeiten bis zu 24 Monaten. LoveScout24 bietet ein monatliches Abo, eDarling sogar einen Wochentarif. Der ist aber mit rund 90 Euro alles andere als günstig. Bei den anderen Anbietern muss sich der Kunde in der Regel für mindestens drei Monate (Partner.de) beziehungsweise sechs (Parship und ElitePartner) binden.
LoveScout24 Speedmatching

Lust auf ein spontanes Date? Viele Portale bieten eine schnelle Matching-Funktion wie Tinder.

Die Portale arbeiten mit vielen Tricks

Perfider noch als die teils lange Zwangsverpflichtung ist der schwierige Ausstieg: Wer die Kündigungsfrist verpasst, schlittert automatisch ins nächste Abo und das läuft bei allen außer LoveScout24 immer ein Jahr – egal, wie lange man vorher gebucht hat. Auch trickreich: Die Kosten sind zwar als „monatlich“ beworben, aber standardmäßig sofort komplett fällig. Fürs Zwei-Jahres-Abo bucht Parship also knapp 840 Euro ab. Wer das nicht aufbringen will und lieber monatlich zahlt, muss Aufschläge bis zu 8 Euro pro Monat akzeptieren; einzig LoveScout24 bietet die monatliche Abrechnung ohne Zuschläge an. Wer erst einmal nur schnuppern möchte, hat die Option, sich kostenlos anzumelden – dann sind die Portale aber kaum nutzbar, Fotos meist nicht sichtbar, und der Versand oder die Beantwortung von (mehreren) Anfragen ist nicht möglich.

Bedienung ohne Fehl und Tadel

In ihrer Bedienung unterscheiden sich die getesteten Anbieter nur gering voneinander: Bis auf Finya, wo es an Bedienkomfort fehlt, gibt es an den Menüs und an der Benutzerführung der Portale kaum etwas auszusetzen. Auch mit ihrem Funktionsumfang sammeln die Kandidaten gute Noten: Die Kontaktaufnahme klappte reibungslos und mit pfiffigen Spielereien à la Instant-Matching-Funktionen wie bei der Dating-App Tinder („Hot or not?“) machen LoveScout, Partner.de und eDarling das Anbändeln leicht und sogar spaßig. Damit es keinen Stress bei der Partnersuche gibt, lassen sich nervige Nutzer sperren. Weiterhin löschen die Betreiber Profile, die durch anrüchige Mails auffallen. Aber selbst wenn Bedienkomfort und Funktionsumfang stimmen, ist der Weg ins Glück eventuell etwas holprig: Während Parship auch aufgrund der Matching-Points ziemlich treffsicher Partner auswählte, gab es etwa bei Partner.de den ein oder anderen Fehlgriff, weil zugeordnete Profile oft nicht den Suchkriterien entsprachen.
Partner.de Fotos freigeben

Einige Portale ermöglichen Nutzern, ihre Fotos verschwommen anzuzeigen und sie nur bestimmten Mitglieder freizugeben.

Sicherheit ist Pflicht

Wer im Internet sein Innerstes nach außen kehrt, erwartet zu Recht, dass der Anbieter auch sorgsam mit den intimen Details umgeht. So sind gerade die Profildaten bei allen Anbietern vor dem Zugriff durch Google geschützt. Doch lückenlose Sicherheit bei der Verschlüsselung auf der Website und beim Datenversand attestierte das eVivam-Labor nur eDarling. Alle anderen Plattformen wiesen einige Lücken auf, wobei diese nur bei Finya so kritische Ausmaße annahmen, dass es am Ende zur Abwertung führte.

Zusammenfassung der Dienste

Alle getesteten Portale möchten ihren Kunden – angeblich – Glück in der Liebe verschaffen. Im Bedienkomfort unterscheiden sich die Anbieter kaum, lediglich Finya fällt ab. Kritik verdienen die teils deftigen Preise und fragwürdigen Abo-Modelle. Die Betreiber scheinen darauf zu spekulieren, dass liebeshungrige Kunden bei Vertragsabschluss nicht so genau hinsehen und knebelartige Aboverträge eingehen. Testsieger Lovescout24 ist zwar von allen noch am besten, aber vom „sehr gut“ viel weiter weg als vom „befriedigend“, mit dem sich alle Konkurrenten begnügen müssen. Kurzum: Das persönliche Glück ist eine emotionale Angelegenheit, aber bevor Sie ein Abo abschließen, sollten Sie ganz nüchtern die Kosten im Blick haben.

Fazit: Praktisches Werkzeug, keine Erfolgsgarantie

Mit Matching-Techniken und vielfältigen Kontaktfunktionen machen es die Kandidatenihren Nutzern recht einfach, potenzielle Partner zu finden und in geschützter Atmosphäre auf Tuchfühlung zu gehen. Doch ob es am Ende funkt, weiß keiner. Denn die Qualität der Dates, die man schlussendlich hat – die lässt sich von keinem noch so cleveren Algorithmus messen und vorhersagen. Schlussendlich sind also alle Partnerbörsen höchstens praktische Werkzeuge. Das haben auch Julia und Wilfried erfahren: Die beiden haben mittlerweile zwar emsig Dates gesammelt, aber ihren Traumpartner noch nicht gefunden.

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