Liebe mit Hindernissen

Garmin Forerunner 735XT im Test

Die Forerunner 735XT ist die neuste Fitnessuhr von Marktführer Garmin. Autor Nils Matthiesen will sie kaum noch ausziehen. Hundertprozentig überzeugt ist er trotzdem nicht.

Datum:
Garmin Forerunner 735XT

Die Garmin Forerunner 735XT hat trotz kleiner Mängel im Test überzeugt.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die Forerunner 735XT ist unterm Strich eine tolle Uhr. Von Perfektion ist sie aber so weit entfernt, wie ich von einem Dreistunden-Marathon. Was ich Garmin zugutehalten muss: regelmäßig erscheinen Updates, die Fehler ausbügeln. Die Dinge, die mich stören, werden auf diese Weise hoffentlich auch bald der Vergangenheit angehören.

Pro

  • Ausführliche Statistiken
  • Umfangreiches Zubehör
  • Langfristige Datenerhebung
  • Simple Bedienung ohne Touchscreen
  • Leichtgewicht

Kontra

  • Fehlendes Barometer
  • Inaktivitätsalarm störend
  • Stolzer Preis

Garmin Forerunner 735XT

Ja, ich liebe meine neue Garmin-Fitnessuhr Forerunner 735XT. Seit dem ersten Auspacken hat sie sogar meine Schweizer Markenuhr in die Schublade verdrängt. Und wenn ich sie einmal die Woche für eine Stunde aufladen muss, fühle ich mich fast nackt.

Tausendsassa mit kleinen Macken

Wie sie das geschafft hat? Alle Funktionen dieser tollen Fitnessuhr aufzuzählen, dafür reicht der Platz an dieser Stelle nicht. Ich versuche mich kurz zu fassen: Die 735XT ist die neuste Sportuhr von US-Hersteller Garmin. Sie ist Fahrradcomputer, GPS-Lauf- und Schwimmuhr in einem und richtet sich damit speziell an Triathleten. Das Besondere: Zwischen den einzelnen Sportarten kann sie per Knopfdruck nahtlos umschalten und alle Ergebnisse in einer „Session“ speichern. Zugegeben – die Schwimm- und Fahrradfunktionen habe ich bisher nicht so viel genutzt, offiziell liegt’s am schlechten Wetter. Dafür bin ich umso mehr mit ihr gelaufen.
Garmin Forerunner 735XT

Das Ziffernblatt lässt sich dem persönlichen Geschmack anpassen, auf dem Bild das „ActiFace“ aus dem Connect IQ-Shop.

Klasse Begleiter für viele Sportarten

Dabei registriert die smarte Sportuhr neben Zeit, Geschwindigkeit und Distanz auch den Puls. Währenddessen zeigt der Bildschirm die zur Sportart passenden Daten an. Beim Laufen beispielsweise die zurückgelegte Strecke, die aktuelle „Pace, also die voraussichtliche Zeit für den nächsten Kilometer und die aktuelle Herzfrequenz. Wer nicht die ganze Zeit hinschauen will, bekommt jeden Kilometer zusammen mit einem akustischen Signal eine kurze Zusammenfassung. Wirklich klasse dabei ist das flott zur Verfügung stehende GPS-Signal für die Positionsbestimmung. Bei mir auf dem platten Land steht das meist in einer Sekunde bereit, in der Stadt kann es ein wenig länger dauern. Minutenlanges Warten, wie bei älteren Laufuhren, muss man nicht befürchten.

Positiv

Weitere Gründe, warum ich die Uhr nicht mehr ausziehen möchte:

Für Statistikfetischisten

Spannend wird’s nach dem Lauf, wenn sich die Uhr automatisch per Bluetooth mit der App „Garmin Connect“ verbindet. Ich als Statistik-Fan komme an dieser Stelle voll auf meine Kosten. Egal ob Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, Schrittlänge oder -Frequenz, der 735XT bleibt nichts verborgen. Die 735XT berechnet darüber hinaus spezielle Werte wie V02max, also die maximale Sauerstoffaufnahme, empfohlene Erholungszeiten, Trainingsintensität und sogar eine Art Schmerz-Wert.
Garmin Forerunner 735XT Stats App

Wer mehr über Fortschritte und Aktivitäten wissen will, findet in der Garmin Connect-App die passenden Antworten.

Viel Zubehör

Wer es noch genauer wissen will, beispielsweise die persönliche Laktatschwelle, ergänzt die Forerunner mit weiterem Zubehör wie einem Brustgurt für die Herzfrequenzmessung beim Schwimmen oder speziellen Pedalen, für die Messung von Leistung und Pedalumdrehungen beim Radfahren. Wem die vielen Standardfunktionen nicht genügen, kann die Uhr im Garmin iQ-Store mit weiteren Apps, Ziffernblättern und Widgets bestücken. In seiner Funktion als Smartwatch informiert die Forerunner über eingehende Nachrichten und Anrufe.

Auf dem Laufenden

Besonders interessant sind natürlich auch langfristige Erhebungen. Etwa, wie viele Kilometer ich täglich oder wöchentlich im Schnitt abspule oder wie sich mein Ruhepuls im Laufe der Zeit verändert. Obwohl ich die Uhr inzwischen seit knapp drei Monaten trage, stöbere ich immer noch ausgiebig in den entsprechenden Menüs.

Flotte Bedienung

Kein Touchscreen? Umso besser! So muss ich nicht mit schweißnassen Fingern auf dem Bildschirm herumtippen. Aktivitäten sind blitzschnell gestartet – dazu reichen in der Regel drei Knopfdrücke.

Federleicht

Zugegeben – einen besonders hochwertigen Eindruck hinterlässt die 735XT mit ihrem Kunststoffgehäuse nicht gerade. Dafür wiegt sie aber auch nur 40 Gramm. Beim Sport ist das ideal.
Garmin Forerunner 735XT Lauf App

Egal ob Strecke, Geschwindigkeit, Puls oder Schrittlänge: Ohne Zusatzgerätschaften protokolliert die 735XT nahezu alles, was Sportler wissen müssen.

Ausdauernder als ich

Selbst, wenn ich drei bis viermal pro Woche Sport treibe, muss ich die 735XT nur einmal pro Woche für rund eine Stunde aufladen. Das ist für eine Smartwatch spitze.

Zwei Paar Schuhe

Ich kann der 735XT mitteilen, welche Ausrüstung ich einsetze. Das ist sinnvoll. So kann ich etwa sehen, wie viele Kilometer ich mit einem Paar Laufschuhe bereits zurückgelegt habe. Dazu muss ich nach dem Lauf in der App einfach angeben, welches Paar ich getragen habe.

Negativ

Die Liebe hat im Laufe der Zeit trotzdem ein wenig nachgelassen. Wie das nun einmal so ist, gehen mir einige Eigenheiten der Uhr mittlerweile gehörig auf den Zeiger.

735XT als Nervensäge

Eigentlich eine lobenswerte Sache. Da der Durchschnittsdeutsche seine Zeit zum Großteil sitzend oder liegend verbringt, macht die 735XT ihren Träger einmal die Stunde darauf aufmerksam, doch bitteschön den Hintern in Bewegung zu setzen. Der Uhr ist es dabei aber herzlich egal, ob man gerade einen Triathlon absolviert hat und noch japsend in der Ecke liegt. Der Inaktivitätsalarm ertönt unabhängig davon, was man zuvor abgespult hat. Das nervt. Ich habe ihn daher abgeschaltet.
Garmin Forerunner 735XT App Insights

Der persönliche Trainer gibt in unregelmäßigen Abständen über „Insights“ Tipps. In der Regel ist das aber nur unnötiges Zeug.

Schlauberger an Bord

Apropos nerven. Die Insights, personalisierte Empfehlungen, sollen mich eigentlich zum Verbessern meiner Fitness motivieren. Oft belästigen sie mich einfach nur. Einige Beispiele: Garmin meldet, das Montag mein ruhigster Tag sei und ich doch öfter einen Spaziergang einlegen sollte. Das ich montags regelmäßig schwimme und daher weniger Schritte zurücklege, sollte die Logik dahinter eigentlich kapieren. Schließlich zeichne ich meine Schwimmaktivitäten mit der Uhr auf. Anderes Beispiel: Ich gehe Sonntagsmorgen oft laufen. Nur einmal nicht, da es in Strömen regnete. Prompt meldet sich ein Insight mit der Mahnung, dass ich mich gewöhnlich mehr bewege. Was soll das?

Fauler Zauber

Die 735XT misst nicht nur, sie will auch generell beim Training helfen. Das ist in meinen Augen aber oft nur Hokuspokus oder einfach nicht zu Ende gedacht. Beispiel Erholungsratgeber: Der sagt an, wie lang die Pause nach einer Aktivität ausfallen sollte. Passt in der Regel auch ganz gut. Nur: Wenn ich mich nicht an die Empfehlung halte, und etwa einen Erholungslauf einschiebe, vergisst er die Vorherige. Oder die Laufprognose. Die gibt an, welche Zeit ich unter Wettkampfbedingungen packen soll. Demnach laufe ich den Marathon in knapp 3 Stunden. Schön wär’s.

Bedienungsverwirrung

Ok, aufgrund der vielen Funktionen verfranze ich mich öfter in den Untermenüs. Das ist aber nicht mein Problem. Vielmehr frage ich mich, warum Garmin Daten und Funktionen auf Uhr, App und Webportal verteilt. So ist etwa der Erholungsratgeber nur in der Uhr zu finden, Trainingspläne lassen sich ausschließlich über das Portal anlegen. Warum sind diese Funktionen nicht in der App? Oder zumindest alle im Portal?
Garmin Forerunner 735XT Webportal

Nur über das Webportal von Garmin lassen sich Trainingspläne einrichten und direkt auf die Uhr schicken.

Warum kein Barometer?

Warum Garmin bei der 735XT ausgerechnet auf ein Barometer verzichtet hat, dass Höhenmeter misst, bleibt für mich ein Rätsel. So registriert die Uhr kein Treppensteigen. Außerdem leidet darunter die Genauigkeit bei Bewegung in hügeligem Terrain.

Schlafstörung

Wenn ich die Uhr über Nacht auflade, erkennt sie das als Tiefschlaf. Sie sollte schon unterscheiden können, ob ich die Uhr anhabe oder nicht.

Sportliche Preisgestaltung

Der Preis von rund 430 Euro ist sportlich. Wer in erster Linie Laufen geht, ist mit der günstigeren Forerunner 630 HR für 350 Euro besser beraten. Schmerzhaft ist auch der Kurs fürs Ersatzarmbänder: Die schlagen mit satten 30 Euro zu Buche.

Galerie: Die beliebtesten Sportuhren mit GPS

Garmin Forerunner 735XT

Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.

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