Mein kauziger Coach am Handgelenk

Garmin Fenix 5 im Test: Sportuhr mit einigen Schwächen

Trainingszustand, Belastung und Fortschritt – all das soll die Garmin Fenix 5 erkennen. Nils Matthiesen hat die neuen Funktionen der Sportuhr in einem Test auf die Probe gestellt.

Datum:
Garmin Fenix 5 Höchstform

Geschafft: Nach wochenlanger Nutzung attestiert mir die Fenix 5 erstmals „Höchstform”. Außerordentlich fit fühle ich mich aber nicht.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die neue Fenix 5 ist zweifellos eine gute, umfangreich ausgestattete Sportuhr mit ordentlicher Ausdauer und guter Bedienung. Allerdings bietet sie im Vergleich zum Vorgänger nur dezente Verbesserungen und ist ziemlich teurer. Die neue Funktion „Trainingszustand”, einer Art Coach fürs Handgelenk, konnte nicht überzeugen.

Pro

  • Großer Funktionsumfang
  • Ausführliche Statistiken
  • Lange Akkulaufzeit
  • Einfache Bedienung
  • Scharfer Bildschirm

Kontra

  • Akku nicht wechselbar

Garmin Fenix 5

„Überbelastung”, „Unproduktiv”, „Formverlust”: Das waren die ersten Kommentare, die mein neuer Coach zu meinem Training zum Besten gab. Nicht gerade motivierend. Dabei habe ich mich zu dieser Zeit alles andere als faul auf dem Sofa gelümmelt. Doch der Reihe nach: Der „Trainingszustand” ist die größte Neuerung des neuen Fitness-Flaggschiffs von Garmin, der Sportuhr Fenix 5. Er soll alle Informationen an einem Ort bündeln, um das persönliche Fitnesslevel besser im Auge zu behalten und effizienter zu trainieren. Das klappte in meinem Fall eher schlecht als recht.

Garmin Fenix 5: Neue Sportuhr – neue Probleme

Denn nach dem Wechsel von einer Forerunner 735 XT, legte der ausgewiesene „Trainingseffekt” trotz ähnlicher Belastung erst einmal rapide zu. Statt einen durchschnittlichen Wert von 3 bis 4 auszuweisen („Erhalt der Fitness” beziehungsweise „Fortschritt”) bewegte ich mich laut der Fenix 5 stets am Limit. Selbst vergleichsweise moderate Laufdistanzen ergaben plötzlich einen aeroben Trainingseffekt von 5 – gleichbedeutend mit totaler Überlastung. Mein Körper signalisierte derweil etwas anderes.

Die Fenix 5 wirft Rätsel auf

Gleichzeitig würdigte die Garmin Fenix 5 meine Bemühungen reihenweise mit negativem Feedback beim Trainingszustand: „Formverlust”, „Unproduktiv” – trotz vier bis fünf mal Sport pro Woche und laut Uhr idealer Trainingsbelastung. Frustrierend! Warum die Uhr zu diesem Urteil kommt, sagt sie einem leider nicht. Dazu muss man schon das Internet bemühen. Einige aufschlussreiche Infos gibt es etwa auf Garmins Webseite. Persönlich half mir die Definition von „Unproduktiv” allerdings nicht weiter. Ich fühlte mich zu der Zeit weder besonders gestresst noch hatte ich mich schlecht ernährt.
Ebenso wenig konnte ich anfangs mit den Pfeilen zu Fitnesszustand und Belastung anfangen. Bedeutet ein nach oben weisender Belastungspfeil nun „gut” oder „zu viel”? Erst nach einem klärenden Gespräch mit Garmin kam heraus: Nach oben meint „hoch”, nach rechts „mittel” und nach unten „schwach”.
Garmin Fenix 5 Widerspruch

Das verwirrt: Die Fenix 5 zeigt als Trainingszustand „Unproduktiv“ an, gleichzeitig meldet sie eine optimale Trainingsbelastung.

Garmin Fenix 5 für passende Resultate austricksen

Nach einigen Wochen bekam ich die Fenix 5 besser in den Griff. Allerdings musste ich die Uhr dazu austricksen. Wie mir die umfangreichen Statistiken signalisierten, bewegte ich mich beim Training offenbar allzu oft in zu hohen Herzfrequenzbereichen. Die Fenix 5 sollte das nach einer gewissen Zeit zwar adaptieren, der Effekt stellte sich aber nicht ein. Deshalb setzte ich in einem Untermenü einfach meine maximale Herzfrequenz um fünf Schläge nach oben. Ab sofort entsprachen die ausgewiesenen Belastungen aus meiner Sicht viel mehr der Realität. Eines Tages schaffte ich es sogar, dem Trainer ein „Höchstform” zu entlocken. Richtig zufrieden bin im mit meinem virtuellen Trainer von Garmin dennoch nicht.
Garmin Fenix 5 App

Klasse: Die Garmin-App bietet Statistiken zuhauf. Was allerdings der bunte Strich links im Bild genau bedeutet, erklärt mir die App nicht.

Anzeigen der Fenix 5 weiterhin rätselhaft

Es fällt mir weiterhin schwer nachzuvollziehen, was die Uhr da gerade anzeigt. Nur ein Beispiel: Nach einer intensiven, zweistündigen Mountainbike-Tour, weist die Garmin Fenix 5 daraufhin direkt den Status „Erholung” aus, also „geringe Belastung”. Ebenfalls suboptimal: Schwimmen wird nicht als Training gewertet. Als ich also Mitte Juni bei 35 Grad lieber im See meine Bahnen zog, statt schwitzend durch die Gegend zu laufen, war das für meinen „Trainingszustand” fatal. Da die Garmin Fenix 5 mein Training nicht erkannte, wertete sie meine „Inaktivität” als „Formverlust”. Mein Fazit zum „Trainingszustand” nicht nur deswegen: Kaum nachvollziehbare Vodoo-Technik, die einem nur wenig weiterhilft.
Garmin Fenix 5 Modelle

Erstklassige Verarbeitung, top Akku, viele Funktionen – trotzdem ist Garmin mit der Fenix 5 nicht der ganz große Wurf gelangen.

Garmin Fenix 5: Grundsätzlich gut, aber ...

Nicht falsch verstehen: Die Fenix 5 ist grundsätzlich eine gute Sportuhr. Sie bietet unzählige, sinnvolle Sportfunktionen, lässt sich klasse bedienen und hält bis zu zwei Wochen durch. Nur – das meiste davon lässt sich auch über viele andere Garmin-Sportuhren sagen. Im direkten Vergleich zum Vorgänger Fenix 3 sind die Verbesserungen überschaubar: Der Bildschirm ist ein wenig schärfer, das Gehäuse etwas flacher, der Akku hält länger und es gibt neue, schnell wechselbare Armbänder. Dazu gekommen sind einige Software-Funktionen wie der erwähnte „Trainingszustand”. Überdies haben Käufer die Wahl aus drei verschiedenen Größen, wobei die große Fenix 5 x sogar ein Navi eingebaut hat. Gleichzeitig hat Garmin aber die Preise massiv angezogen und beim Standardmodell das WLAN-Modul gestrichen. Los geht es offiziell bei 600 Euro. Wer das Topmodell bestellt, kann sogar 900 Euro auf den Tisch legen.

Galerie: Die beliebtesten Sportuhren mit GPS

Garmin Fenix 5 nur mit begrenzter Lebenszeit

Eine Menge Holz für eine Sportuhr – die zudem noch einige Schwächen aufweist:
  • Ohne zusätzlichen Brustgurt lassen sich einige Funktionen, wie die Ermittlung der Laktatschwelle, Herzfrequenzvariabilität, Stresslevel nicht nutzen. Das ist zwar technisch bedingt, aber trotzdem ärgerlich.
  • Die Messung der gelaufenen Treppen hat im Test überhaupt nicht funktioniert. Der Wert entpuppte sich stets als viel zu niedrig.
  • Der eingebaute Lithium-Ionen-Akku lässt sich offiziell nicht wechseln. Das bedeutet, dass die Uhr nach drei bis vier Jahren ein Fall für die Mülltonne ist. Möglich ist allenfalls ein inoffizieller Tausch über versierte Spezialisten. Zwar ist das bei allen Garmin-Uhren der Fall, speziell für Modelle in diesem Preisbereich halte ich das allerdings für eine Schande.

Garmin Fenix 5

Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.