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Elektrische Zahnbürsten im Test – welche putzt am besten?

Viele Zahnärzte empfehlen elektrische Zahnbürsten. Die Tester haben geprüft, wie gut teure und billige Modelle wirklich reinigen und worauf man beim Kauf achten muss.

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Elektrische Zahnbürsten Test

Elektrische Zahnbürsten im Test. Wie gut reinigen sie wirklich?

Nein, Spaß macht Zähneputzen eigentlich nicht. Aber wer gerade eine Wurzelbehandlung hinter sich hat, findet die Prozedur dagegen richtig angenehm. Wenn dann noch komfortable Technik assistiert – umso besser! Und so stehen mittlerweile in vielen deutschen Badezimmern elektrische Zahnbürsten. Aber welche Modelle reinigen gründlich und schonend? Muss es eine Schallzahnbürste oder eine Rotationsbürste sein? Die Antwort gibt der Test, für den sechs elektrische Zahnbürsten im Labor und im harten Putz-Einsatz verglichen wurden.

Riesige Preisunterschiede

Gerade weil ungenügende oder schlechte Zahnpflege so schmerzhafte und obendrein teure Folgen haben kann, zahlen viele Kunden für teure Modelle mit vielen Extras bis zu 200 Euro – ist ja immer noch billiger als eine neue Brücke. Aber putzt eine 10-Euro-Bürste vom Discounter wirklich schlechter? Zumal es mit der Anschaffung der elektrischen Zahnbürste ja nicht getan ist: Wer die mitgelieferten Bürstenköpfe nach ein paar Monaten verschlissen hat, muss neue kaufen – und die sind teilweise richtig teuer. Darüber hinaus haben elektrische Zahnbürsten kein besonders langes Leben, denn obwohl es technisch durchaus möglich wäre, lassen sich ihre Akkus nicht wechseln. Nach ein paar Jahren ist der Stromspeicher hinüber, und eine neue Bürste muss her. Manchmal dringt im Laufe der Zeit Wasser ein und legt die Elektronik lahm. Gern nach Ablauf der Garantie. Gerade bei teureren Bürsten jenseits von 100 Euro ärgerlich.

Galerie: Elektrische Zahnbürsten im Test

Zähneputzen mit medizinischer Begleitung

Um Ausstattung, Putzwirkung, Technik und Handhabung der Zahnbürsten zu prüfen, arbeitete man mit dem renommierten Stuttgarter Institut IPI zusammen. Teil des aufwendigen Prüfparcours war ein Test mit 20 Probanden und medizinischer Begleitung. Für eine zusätzliche, unabhängige Beurteilung der Ergebnisse holte man sich fachlichen Rat bei Dr. Katy Düsterhöft. Die Ärztin arbeitet beim MVZ Dentologicum in Hamburg, dem größten zahnmedizinischen Versorgungszentrum für Zahn-Mund-Kieferheilkunde in Norddeutschland.

Rotation oder Schall?

Elektrische Zahnbürsten gibt es in zwei Varianten:
  • Rotationsbürste: Sie wird auch elektrische Rundkopf-Zahnbürste genannt und schwenkt ihren runden Bürstenkopf etwa 4400-mal pro Minute hin und her. Bei einigen Modellen pulsiert der Bürstenkopf zudem leicht vor und zurück, im Test machten das die beiden Oral-B-Modelle von Braun.
  • Schallzahnbürste: Diese Variante geht noch rasanter zu Werke, denn sie arbeitet mit 15.000 bis 40.000 Schwingungen pro Minute. Die Bezeichnung Schallzahnbürste ist jedoch irreführend, denn natürlich reinigt nicht der Schall, sondern die damit verbundene Vibration des ovalen Bürstenkopfs.
Elektrische Zahnbürsten Test

Zweimal zwei Minuten pro Tag – damit ihr nicht zu kurz oder zu viel schrubbt, haben alle Bürsten im Test einen Timer.

Gefahr fürs Zahnfleisch

Putzt nun eine dieser Varianten besser die Zähne? Nein! Wie die Ergebnisse des Tests zeigen, folgt auf den Rotations-Testsieger von Braun eine Schallzahnbürste von Philips mit nahezu identischer Putzwirkung. Allerdings kommen manche Menschen mit einer Rotationsbürste besser zurecht. Zudem spielt das individuelle Putzverhalten eine Rolle: Mit einer Rundkopfbürste müssen Sie jeden Zahn einzeln reinigen. Schallzahnbürsten säubern mit ihren länglichen Köpfen eine größere Fläche auf einmal – das kann sinnvoll sein für Menschen, die sich mit etwas weniger Hingabe der Zahnhygiene widmen.

Borstig?

Wichtiger als die Antriebstechnik des Geräts ist die Qualität der Borsten. Und hier stellte das Institut IPI deutliche Unterschiede fest: Nur gut gerundete Borstenenden wie beim Testsieger putzen die Zähne gründlich und schonend – dagegen können scharfkantige oder gebrochene Spitzen das Zahnfleisch verletzen.

Die Zahnbürste als Gadget

Im Wortsinn weniger gravierend sind die Unterschiede in der Ausstattung. Alle Testkandidaten haben einen Timer, der das Ende der zweiminütigen Putzarbeit meldet. Hilfreich kann auch ein Drucksensor sein; im Testfeld warnen aber nur die beiden Geräte von Braun, wenn der Bürstenkopf zu fest aufdrückt und so das Zahnfleisch strapaziert. Wer nicht aufs Geld schauen muss, kann seine Sammlung smarter Gadgets um eine elektrische Zahnbürste erweitern, die Putzdaten zum Smartphone funkt.

Teuer wird es nach dem Kauf

Lassen Sie sich aber nicht beeindrucken von einem Bürsten-Trio oder -Quartett, das der Zahnbürste beiliegt. Achtet stattdessen auf den Preis der Ersatz-Bürstenköpfe, denn da gibt es deutliche Unterschiede: So kosten die Standard-Bürstenköpfe für Geräte von Braun und Panasonic je 5 Euro, Philips verlangt sogar 7,50 Euro – wer alle zwei Monate den Aufsatz wechselt, zahlt im Jahr 45 Euro für neue Bürsten! Dass es günstiger geht, zeigen die Geräte der großen Drogeriemärkte: Bei Müller kostet eine Bürste 2 Euro, bei Rossmann sogar nur 1,60 Euro.
Vergleich Rotation Schall Zahnbürste

Ein rotierender Bürstenkopf (links) ist meistens etwas dicker als der von Schallzahnbürsten (rechts).

Stromverbrauch und Akkulaufzeit

Kaum Kosten verursacht dagegen der Stromverbrauch der elektrischen Zahnbürsten. Die Akkulaufzeiten der Testkandidaten schwanken zwar extrem aber in der Praxis spielt es keine Rolle, ob das Gerät mit einer Ladung nun 50 Minuten oder fast 4 Stunden putzt – nach 2 Minuten ist eh Schluss. Wie steht es um die Ladezeit? Die Tester haben geprüft, ob 5 Minuten Ladezeit für einen Putzvorgang reichen – das schafften aber nur die Modelle von Philips und Panasonic.
Tipp: Weil sich der Akku nicht wechseln lässt, sollten Sie ihn gut pflegen, das heißt: Lassen Sie die neu gekaufte Bürste im Ladegerät, bis der Akku komplett geladen ist. Danach sollte die Zahnbürste erst wieder aufs Ladegerät, wenn der Akku fast leer ist. Wiederholen Sie diese Prozedur etwa einmal pro Monat, ansonsten können Sie die Zahnbürste nach jedem Putzen auf das Ladegerät stellen.

Pause für die elektrische Bürste

Doch komplett elektrisch sollten Sie Ihre Zähne nicht reinigen. „Ich empfehle, immer mal wieder mit der Hand zu putzen, damit man es nicht verlernt“, rät Zahnärztin Dr. Katy Düsterhöft. „So verlernt man nicht die motorische Fähigkeit und kann zum Beispiel im Urlaub einfach mal wieder die normale Zahnbürste einstecken.“

Galerie: Mit diesen Tipps strahlen deine Zähne

Fazit: Elektrische Zahnbürsten im Test

Keine der getesteten elektrischen Zahnbürsten ist ein Fehlkauf. Nachdem man sich für ein Funktionsprinzip – Rotations- oder Schallbürste – entschieden hat, findet man unter den Modellen auf den Plätzen 1 bis 4 nur Geräte mit guter oder gar sehr guter Putzwirkung. Der Testsieger Oral-B Genius 9000 von Braun ist allerdings mit einer UVP von 299,99 Euro extrem teuer. Am anderen Ende des Spektrums liegt mit circa 25 Euro der Preis-Leistungs-Sieger von Müller, seine Putzwirkung ist jedoch nur „befriedigend“. Zwischen diesen beiden preislichen Extremen finden Sie drei gute Modelle zwischen 40 und 100 Euro. Ärgerlich: Bei keiner der getesteten Zahnbürsten lässt sich der Akku wechseln, im Falle eines Defekts nach Ablauf der Gewährleistung bleibt also nur die Mülltonne. Hier sollte die Industrie nachbessern! Wer gerne öfter den Bürstenaufsatz wechselt, aber Folgekosten scheut, kann mit der Braun Oral-B 1000 sparen – ein Standard-Aufsatz kostet hier nur 2,50 Euro.

Elektrische Zahnbürsten