Test: Tageslinsen

Kontaklinsen im Test: Augen auf beim Linsenkauf

Tageslinsen versprechen hohen Tragekomfort, selbst bei stundenlangem Tragen vor dem Monitor oder beim Autofahren mit Klimaanlage. In diesem Test mussten zehn populäre Kontaktlinsen im Labor und im Auge zeigen, wie gut sie sind.

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Kontaktlinsen Test

Viele Brillenträger scheuen sich vor dem Einsetzen der Kontaktlinsen. Mit der richtigen Technik ist das aber kein Problem.

Sie wollen gut sehen, aber keine Brille tragen? Das Gestell auf der Nase und beschlagene Gläser stören Sie nicht nur beim Sport? Millionen Menschen, die eigentlich eine Brille bräuchen, sind aus diesen und anderen Gründen bereits auf Kontaktlinsen umgestiegen. Und immer mehr Kontaktlinsenträger nutzen Tageslinsen. Die sind im Vergleich zu Monatslinsen zwar teurer, aber wer zwischen 20 und 30 Euro pro Monat übrig hat, spart sich immerhin das Geld für zusätzliche Pflegemittel, denn Tageslinsen wandern nach dem Tragen einfach in den Mülleimer.

Tageslinsen im Blick der Experten

Doch wie hoch ist der Tragekomfort der Tageslinsen? Sind sie steril und zuverlässig bei der Sichtkorrektur? Die Tester schickten zehn Tageslinsen der Hersteller Alcon, Johnson & Johnson, Bausch + Lomb und CooperVision sowie Eigenmarken von Optiker Apollo und Internetanbieter Lensbest ins Labor von JenVis Research, einem auf Augenoptik spezialisierten Forschungslabor in Jena. Als Experten standen die Kontaktlinsen-Spezialisten Dr. Gudrun Bischoff und Isabell Neuhaus aus Hamburg zur Seite.

Galerie: Testergebnisse: Kontaktlinsen

Vor dem Kauf zum Spezialisten

Wer Tageslinsen mit optimalem Tragekomfort will, braucht Zeit – und einen Spezialisten. Klar, Sie können die Stärke der Brillengläser nehmen und sich Tageslinsen im Drogeriemarkt oder im Internet kaufen. Denn anders als in den USA müssen Sie in Europa beim Kauf keine Bescheinigung vom Augenarzt oder vom Optiometristen vorlegen, dass Sie Kontaktlinsen tragen können. Aber dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre Augen gereizt reagieren: Nur angepasste Tageslinsen sitzen richtig. Gehen Sie deshalb zunächst zum Kontaktlinsen-Spezialisten. Ein Augenarzt oder auch ein Optiker prüft Ihre Sehstärke, untersucht die Hornhaut, vermisst die Augen, analysiert den Tränenfilm und sagt, ob das Tragen unbedenklich ist. Er berät auch bei der Wahl der Tageslinsen und übt mit Ihnen das Einsetzen und Entfernen, wenn Sie noch nie Kontaktlinsen getragen haben. Bei Apollo ist die Anpassung gratis, Fielmann verlangt 20 Euro. Bei Optikern und Ärzten kostet der Service zwischen 50 und 150 Euro, im Preis sind meist Testlinsen enthalten.

Hoher Wassergehalt bei trockenen Augen?

Wie gut und wie lange Sie die Linsen tragen können, hängt auch vom Material ab. Alle Tageslinsen sind aus weichem Kunststoff hergestellt, aus Hydrogel oder aus Silicon-Hydrogel. Aber: „Die Materialmischung ist von Hersteller zu Hersteller verschieden“, sagt Augenärztin Dr. Gudrun Bischoff. Deshalb unterscheiden sich Tageslinsen bei Wassergehalt, Benetzungsverhalten und Sauerstoffdurchlässigkeit, also darin, wie flexibel sie sind und wie gut das Auge beim Tragen mit Sauerstoff versorgt wird.
Kontaktlinsen rote Augen

Wer zu lange Kontaktlinsen trägt, die zu wenig Sauerstoff zum Auge durchlassen, bekommt rote Augen.

Fünf Hydrogel-Linsen und fünf Silicon-Hydrogel-Linsen kamen für den Test ins Labor. Alle Hydrogel-Linsen hatten einen deutlich höheren Wassergehalt, am höchsten war er in der Biotrue OneDay von Bausch + Lomb: Mit 78 Prozent hat sie etwa den gleichen Wassergehalt wie die Hornhaut des Auges. Sind Hydrogel-Linsen deshalb besser für trockene Augen? Im Gegenteil, sie können Probleme verursachen. Denn dank des hohen Wassergehalts sind die Linsen zwar sehr flexibel und fühlen sich unmittelbar nach dem Einsetzen frisch an. Aber bei Kontaktlinsen mit hohem Wasseranteil verdunstet die Feuchtigkeit schneller. Um diesen Verlust auszugleichen, greifen die Linsen auf die Tränenflüssigkeit zurück. Ergebnis: Die Augen können sich schneller trocken anfühlen.

Längere Tragezeit durch mehr Sauerstoff

Das Hydrogel lässt zudem weniger Sauerstoff ans Auge, was bei längerem Tragen zu roten Augen führen kann. Als Faustregel gilt zwar bei Hydrogel-Linsen: Je höher der Wassergehalt des Hydrogels, desto höher ist die Sauerstoffdurchlässigkeit der Linse. Doch seit einigen Jahren fertigen Hersteller Linsen aus Silicon-Hydrogel. Und dieses Material spielt mit seiner Sauerstoffdurchlässigkeit in einer anderen Liga, was auch der Test zeigt. „Eine höhere Sauerstoffdurchlässigkeit führt in der Regel zu einer längeren komfortablen Tragezeit und Verträglichkeit. Dies ist langfristig gesünder für das Auge“, erklärt Prof. Wolfgang Sickenberger von JenVis Research.
Kontaktlinsen-Träger können die Durchlässigkeit anhand des sogenannten DK/t-Werts vergleichen. Die entsprechenden Herstellerangaben beziehen sich nur auf Kontaktlinsen in der Stärke -3 Dioptrien, der Wert wird in der Mitte der Linse gemessen. Die Experten von JenVis Research halten diesen Wert für wenig aussagekräftig. Deshalb schickte man jeden Testkandidaten in den Stärken -3, -5 und +2,5 Dioptrien ins Labor und ließ die Durchlässigkeit in der Mitte und am Rand der Tageslinsen messen.

Hersteller arbeiten an der Materialdicke

Die Tests zeigen, dass nicht nur das Material, sondern auch die Dioptrien-Zahl und damit die Dicke der Linse die Sauerstoffdurchlässigkeit beeinflussen. Linsen im höheren Minus-Bereich ließen weniger Sauerstoff durch als Linsen im niedrigen Minus-Bereich. Im Labor fiel zudem auf, dass die Linsenränder nicht immer einheitlich gefertigt wurden. Bei der Biotrue OneDay von Bausch + Lomb zeigten sich bei -3 und bei -5 Dioptrien dickere Ränder auf einer Seite der Linse – eine Produktionsungenauigkeit.
Prof. Wolfgang Sickenberger Kontaktlinsen Test

Prof. Wolfgang Sickenberger bei der Überprüfung der angegebenen Dioptrien-Zahl der Tageslinsen.

Auch beim Vergleich von Plus- und Minus-Werten zeigten die Tests Unterschiede. So sind Linsen mit Plus-Werten zur Korrektur von Weitsichtigkeit in der Mitte dicker als Linsen mit vergleichbaren Minus-Werten. Um die Sauerstoffdurchlässigkeit der Plus-Linsen zu erhöhen, verringerten die Hersteller der Testkandidaten die Mittendicke mit einem Lentikularschliff. Nur bei den Gel-System Tageslinsen von Lenscare fehlte der Schliff, sie waren deshalb deutlich dicker.
Zudem bestimmt die Benetzbarkeit den Tragekomfort. Gut benetzende Linsen trocknen zwischen Lidschlägen kaum ab. „Sie sind bei Computerarbeit oder tendenziell trockeneren Augen zu bevorzugen“, rät Wolfgang Sickenberger. Im Test wurde gemessen, wie lange es dauert, bis 20 Prozent der Linsenoberfläche getrocknet sind. In diesem Stadium haben Träger das Gefühl, dass sie mit der Linse nicht mehr gut sehen. Zu den am besten benetzenden Linsen gehört der Testsieger Dailies Total 1 von Alcon.

Schummeln beim UV-Schutz

Sieben Marken im Test werben zudem mit einem UV-Schutz, doch das Labor entlarvte zwei Schummler: Sowohl die Lenscare Gel-System Tageslinsen als auch die CooperVision clariti 1 day ließen bei den Minus-Linsen 100 Prozent der UV-Strahlung durch – trotz versprochenen UV-Schutzes. Experten sehen den Nutzwert eines UV-Schutzes aber ohnehin kritisch. Da Tageslinsen nur einen Teil der Bindehaut bedecken, sind auch Produkte mit sehr gutem UV-Schutz wie die 1-Day Acuvue TruEye von Johnson & Johnson kein Ersatz für eine Sonnenbrille.

Schwankungen erlaubt

Viel wichtiger: Alle Testkandidaten waren frei von Krankheitserregern. Sie sind keimfrei, schwimmen in einer sterilen Lösung und erfüllen alle gesetzlichen Kennzeichnungspflichten mit Sterilitäts-Symbol, Verfallsdatum und CE-Zeichen. Was für den Kunden nicht sichtbar ist: Die Linsen unterscheiden sich in Durchmesser, Krümmung und Dioptrien-Zahl. Eine europäische Norm erlaubt den Herstellern bei der Fertigung Schwankungen von bis zu 0,2 Millimetern bei Krümmung und Durchmesser und von bis zu 0,25 Dioptrien bei der Sehschärfe. Im Test entsprachen fast alle Linsen der Norm. Doch auch wenn Sie solche Unterschiede nicht sehen, beim Tragen der Linsen können Sie an manchen Tagen das Gefühl haben, die Linsen sitzen anders oder Sie sehen nicht so scharf damit. Dann wissen Sie ja jetzt, woran das liegen könnte.

Galerie: Wo wohnen die Kontaktlinsenfans?

Fazit: Kontaktlinsen im Test

Wenn Sie keine Zeit in die Pflege von Wochen- oder Monatslinsen investieren wollen, finden Sie in Tageslinsen eine hygienische Alternative, für die Sie keine zusätzlichen Pflegemittel benötigen. In den vergangenen Jahren haben die Hersteller sehr viel am Tragekomfort der Tageslinsen getüftelt. Allerdings bietet jeder Hersteller für jede Marke ein anderes Material an, und das sorgt für Verwirrung beim Kunden. Wenn Sie Tageslinsen täglich viele Stunden tragen wollen, sollten Sie deshalb bei der Auswahl darauf achten, ob es sich um eine Linse aus Hydrogel oder Silicon-Hydrogel handelt. Linsen aus Silicon-Hydrogel sind moderner und gesünder, weil ihre Sauerstoffdurchlässigkeit größer ist. So lässt der Testsieger Alcon Dailies Total 1 bei -3 Dioptrien in der Linsenmitte sechs- mal mehr Sauerstoff zum Auge als die beste Hydrogel-Linse im Test, die Alcon Dailies AquaComfort Plus auf Platz drei.
Kontaktlinsen Test

Überprüfung der Benetzungseigenschaften der Tageslinsen.

Wenn Sie die Linse bei der Arbeit am Computer tragen, darf sie zudem zwischen den einzelnen Lidschlägen nicht zu schnell trocknen, Fachleute sprechen von der Benetzbarkeit der Linse. Ist die Benetzbarkeit schlecht, haben Sie schnell das Gefühl, mit der Linse nicht mehr so gut sehen zu können. Der Testsieger Alcon Dailies Total 1 holte auch mit seiner Benetzbarkeit gute Noten, allerdings ist er vergleichsweise teuer. Wenn Sie eine günstigere Linse mit gutem Tragekomfort suchen, können Sie den Preis-Leistungs-Sieger ausprobieren, die Apollo iWear harmony. Die Optiker-Kette verkauft die Linse unter Eigenlabel in ihren Filialen und mit dem Lieferservice iWear direct. Gefertigt wird die iWear harmony von CooperVision, einem renommierten Kontaktlinsen-Hersteller. Die Apollo-Linse ist übrigens identisch mit der CooperVision MyDay daily disposable, aber günstiger. Im Test boten beide Tageslinsen guten Tragekomfort und ließen sich – abgesehen von kleinen Problemen mit dem flexiblen Material – gut ins Auge einsetzen.

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