Fitnesstracker für Kids

Test Garmin Vivofit jr.: Fitnessarmband für Kinder

Ein Fitnesstracker für Kinder? Was für ein Unsinn, könnte man denken. Soll man jetzt etwa schon die Schritte und den Herzschlag der Kleinen überwachen? Ja und nein. Denn der Vivofit jr ist vielmehr ein Erziehungs- als ein klassisches Fitnessarmband.

Datum:
Garmin Vivofit jr.

Test Garmin Vivofit jr.: Die Ein-Tasten-Bedienung haben Kinder schnell drauf. Die Synchronisierung mit der Smartphone-App erfolgt per Bluetooth.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Tester Kalle wollte die Vivofit jr. nach dem Test auf jeden Fall nicht mehr hergeben. Das hat aber nicht viel zu sagen, denn das gleiche gilt auch für alte, löchrige Socken und im Wald gefundene, halb verfaulte Stöcke. Objektiv betrachtet bietet das Fitnessarmband für Kinder einige nützliche Funktionen, die sich allerdings aus unserer Sicht an vielen Stellen noch besser realisieren ließen. Angesichts des stolzen Preises von 99 Euro (Internetpreis ab 82 Euro) darf man mehr erwarten, als nur eine Uhr samt Schrittzähler und passabler Motivationsfunktion.

Pro

  • Optik gefällt den Kindern
  • Uhr, Stoppuhr und Timer an Bord
  • Wechselbare Batterie (Laufzeit: bis 1 Jahr)
  • Unempfindlich und wasserdicht
  • Belohnungssystem

Kontra

  • Viele Funktionen lieblos umgesetzt
  • Kein Wecker
  • Überzogener Preis

Garmin Vivofit jr.

Hersteller Garmin bezeichnet das Armband zwar als „Fitness-Tracker für Kinder“, richtig viele Fitnessfunktionen stecken allerdings nicht drin. Im Endeffekt zählt der Vivofit jr. lediglich die Schritte, erfasst den Schlaf und überprüft, ob der kindliche Träger sich mindestens eine Stunde pro Tag bewegt. Warum ausgerechnet 60 Minuten? Keine Ahnung, mein „Testobjekt“ namens Kalle (8 Jahre, 3. Klasse) absolvierte an einem durchschnittlichen Tag auf jeden Fall locker die zwei- bis dreifache Zeit. Praktisch: Das wasserdichte Armband muss nicht regelmäßig ans Ladegerät: Die Knopfzelle hält laut Hersteller bis zu einem Jahr durch.
Garmin Vivofit jr.

Der Abenteuerpfad löste bei den Testkindern keine Begeisterung aus.

Nur abgespeckte Fitnessfunktionen

Als Belohnung für viel Aktivität schaltet Garmin in der App neue Abschnitte eines „Abenteuerpfads“ frei. Dabei handelt es sich um eine Art animiertes Lexikon, mit eher drögen präsentierten Fakten rund um Tiere des Dschungels. Kalle interessierte das nicht die Bohne, vielleicht ist er mit seinen acht Jahren schon zu alt. Garmin empfiehlt für die Vivofit jr. ein Alter zwischen 4 und 9. Die Bewegungsauswertung erfolgt ausschließlich über die „Vivofit jr.“-App, Garmin untypisch komplett ohne Statistiken. Nicht einmal die Auswertung der wöchentlichen oder monatlichen Schritte beziehungsweise aktiven Minuten bietet die App.
Garmin Vivofit jr.

Bewegungen erfasst die Vivofit jr. nur tageweise. Die App zeigt: Bewegungsdauer, stündlichen Aktivitätsgrad und Schlafdauer.

Erziehungskick durch Belohnungssystem

Mangelnde Bewegung ist in diesem Alter in der Regel auch nicht das große Thema, dafür umso mehr lästige Aufgaben wie Bett machen, Tisch abräumen und Hausaufgaben erledigen. Genau hier schlägt die große Stunde des Vivofit jr. Über die Smartphone-App legen die Eltern Aufgaben an, und bemessen diesen eine bestimmte Belohnung in Form virtueller Münzen zu. Beispielsweise für eine 1 in der Mathearbeit 10, fürs Hundekacke im Garten entsorgen 5 und für eine Extraschicht Deutsch lernen 2 Münzen (manch einer mag andere Prioritäten setzen). Erledigt diese das Kind gewissenhaft, tippen Papa und Mama in der App auf „Erledigt“ und die Münzen landen, auf dem Tracker durch eine ins Sparschwein fallenden Groschen hübsch animiert, auf dem virtuellen Konto. Der Clou an der Sache: Die Familie kann vorher festlegen, was beim Erreichen eines bestimmten Punktestands passiert. Das Kind kann dann etwa entscheiden, ob es 50 Punkte für eine Stunde iPad zocken einlöst, oder weiter auf einen neuen Tischtennisschläger für 300 Münzen spart.
Garmin Vivofit jr.

Eine Auswahl typischer Aufgaben bringt die App mit, es lassen sich aber auch eigene anlegen. Das Sammeln einer bestimmten Anzahl von Münzen war insbesondere dann ein Anreiz, wenn der Kleine sich dafür eine Belohnung aussuchen durfte.

Schwächen im Detail

Ob das pädagogisch wertvoll ist? Keine Ahnung, bei Kalle funktioniert das System auf jeden Fall ordentlich. Wie bei Kindern üblich, ebbt die Euphorie zwar nach den ersten Tagen merklich ab, aber selbst nach mehreren Wochen wird noch fleißig daran erinnert, doch bitte schon die fälligen Münzen freizuschalten. Noch besser würden tägliche Aufgaben wie „Bett machen“ und „Klamotten wegräumen“ wohl klappen, wenn der Tracker die Kinder daran erinnern würde. Das ist aber entgegen der Beschreibung auf der Garminseite leider nicht der Fall. Das Armband zeigt lediglich die Anzahl der noch zu erledigenden Aufgaben in Form einer kleinen Zahl an. Deutlich effektiver wäre es, zu bestimmten Zeitpunkten eine Art Erinnerung/Alarm mit einem entsprechenden Text oder Symbol auslösen zu können. Damit hätten überdies auch die typischen „Hab‘ ich vergessen“-Ausreden endlich ein Ende.

Galerie: Die 20 beliebtesten Fitness-Armbänder

Timer als Gedächtnisstütze

Gut klappt dagegen der Einsatz des Timers. Damit kann das Kind in Sekunden einen Countdown starten, der sich nach Ablauf durch eine Melodie bemerkbar macht. Der gnadenlose Alarm funktionierte zum Beenden von Spielen, Fernsehen oder generell vorm ins Bett gehen auf jeden Fall besser, als das elterliche „Noch 10 Minuten, dann ist Schluss“ mit anschließenden Diskussionen. Absolut unverständlich ist aber, warum der Vivofit jr. keinen Wecker bietet und darüber hinaus mit 2, 5, 10, 15, 20 und 30 Minuten lediglich feste Zeiten zur Verfügung stellt. Überdies lassen sich Timer nicht mit Aufgaben verknüpfen, etwa „30 Minuten Englisch lernen“.
Das sind beileibe nicht die einzigen Schwächen:
  • Das Armband lässt sich nicht verstellen. Für Kinder mit dünnen Handgelenken ist es daher ungeeignet.
  • Die Garmin vivofit jr. zeigt die Uhrzeit nur im 12 Stundenformat an.
  • Die Stoppuhr zählt maximal bis 99 Minuten. Zehntelsekunden werden dabei nicht berücksichtigt.
  • GPS ist nicht an Bord. Kinder lassen sich nicht tracken.
  • Die Schlafauswertung ist, wie bei den meisten anderen Fitnesstrackern, eher rudimentär. Echte Rückschlüsse auf die Schlafqualität sind nicht möglich.
Garmin Vivofit jr.

Die wasserdichte Garmin Vivofit jr. gibt es in drei Farben. Die auswechselbare Batterie soll bis zu einem Jahr durchhalten.

Garmin Vivofit jr.

Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.

Sonderangebote

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.