Brecher am Handgelenk

Microsoft Band: Das kantige Fitness-Armband im Test

Nach langem Warten ist es endlich da: das Microsoft Band. eVivam hat sich eines geschnappt und auf Herz und Nieren getestet.

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Microsoft Band

Das Microsoft Band ist Smartwatch und Fitness-Tracker in einem Gerät.

Das Microsoft Band ist alles andere als ein unauffälliger Begleiter: Mit 63 Gramm und seinen sehr kantigen Formen, die man permanent am Handgelenk spürt, ist es ein ziemlicher Brecher. Und das soll die Käufer überzeugen? Anscheinend hat es geklappt, die erste Produktions-Charge war trotz des hohen Preises von 199 US-Dollar schnell ausverkauft. eVivam hat ein Microsoft Band aus den USA entführt und ausprobiert.

Was kann das Microsoft Band?

Das Fitness-Armband soll rund um die Uhr am Handgelenk bleiben und dabei Schritte zählen, den Puls messen und den Schlaf analysieren. Auf Basis des Herzschlags zeigt es die verbrannten Kalorien an. Klarer Pluspunkt: Per GPS misst das Microsoft Band auch die zurückgelegte Strecke sehr präzise. Das kann sonst kein Fitness-Armband.
Die Informationen werden per Stromspar-Bluetooth LE auf dein Smartphone und von dort aus in die Microsoft Health Cloud übertragen. Dazu brauchst du eines der gängigen Betriebssysteme: Windows Phone 8.1, Android (ab 4.3) oder iOS (ab iOS 7.1). Zudem musst du die Microsoft Health App installieren, die es kostenfrei im Windows Store, Apple AppStore und Google Play Store gibt. Wenn du lieber alles auf dem Desktop hast, kannst du auch die Software für Windows 7/8 oder Mac OS X (ab 10.9) nutzen und die Daten per USB mit dem Band austauschen. Voraussetzung ist ein Microsoft-Konto.

Band und Smartphone arbeiten Hand in Hand

Das Zusammenspiel von Band und Smartphone funktionierte im Test reibungslos und schnell, auch der Datenaustausch klappte problemlos. Wenn du beispielsweise über die Health App die Display-Farbe des Bands (15 Farben) oder den Hintergrund (zwölf Wallpaper) veränderst, dauert es nur wenige Sekunden, bis das Band reagiert. Auch zwischendurch synchronisiert das Band permanent, beispielsweise die Schrittzahl.

Galerie: Microsoft Band: Funktionen und Details

Mit Ecken und Kanten, aber nicht ganz unbequem

Mit den beiden massiven Plastikeinsätzen an der Seite macht das Tragen nicht wirklich Spaß. Auch der klobige Pulsmesser auf der Innenseite des Bandes stört, etwa wenn der Nutzer die Hand auf einen Tisch legt. Zudem passt das Band nicht unter das Hemd, weil es sehr starr ist. Dennoch: Nach ein paar unbequemen Stunden gewöhnt man sich an das Microsoft Band, dann erinnert es eher an eine dicke mechanische Uhr mit Thermoplastik-Band.

Alles wird getrackt

Das Microsoft Band protzt mit neun Sensoren. Der Bewegungssensor ist Standard, aber mit seinen anderen Sensoren hat das Band der Konkurrenz etwas voraus: etwa einen Lagesensor und ein UV-Auge, das die Sonneneinstrahlung misst. Ein Umgebungslichtsensor passt die Helligkeit des Displays an. Zudem überzeugt das Fitness-Armband mit einem GPS-Chip, der auch Jogging-Strecken zuverlässig erfasst – ein einzigartiges Feature für ein Tracking-Band. Der kapazitive Sensor ist im Deckglas des 1,4-Zoll-Farbdisplays (320x106 Pixel) verbaut, dieser steuert die Anzeige.
Das Band hat zudem zwei flache Knöpfe auf der zur Brust zugewandten Seite. Die Orientierung der Anzeige lässt sich nicht drehen, anders als etwa beim Konkurrenzprodukt, dem Samsung Gear Fit. Eine interessante Neuheit ist der Hautwiderstandsmesser. Er sorgt dafür, dass sich der optische Pulssensor anschaltet, wenn du das Armband umgebunden hast und abschaltet, wenn du das Band ablegst. Warum das Band allerdings einen Hauttemperaturmesser hat, diesen aber nicht nutzt, wollte Oliver Scheer, Microsoft Senior Technical Evangelist, auf Nachfrage nicht sagen. Ebenfalls bleibt unklar, weshalb das Band nur bis 1.200 Meter Höhe nutzbar und nicht wasserdicht ist.

Was Microsoft richtig macht

Praktisch im Alltag: Das Microsoft Band bietet einen "Watch-Mode", mit dem du ständig – dezent gedimmt – Datum und Uhrzeit siehst. Die nächste gute Idee: Im Schlaf-Modus ist das Display aus und es kommen keine Benachrichtigungen an. Eigentlich ganz simpel. Komisch, dass andere Bänder diese Funktionen nicht bieten. Ein Pluspunkt ist auch die Wandelbarkeit des Microsoft Bands. Das Band in drei Größen (von 39 bis 49 Millimeter Handgelenk-Durchmesser) gibt es zwar nur in Schwarz, aber die Farbauswahl für das Display bietet für jedes Outfit eine Option.

Was die Konkurrenz besser kann

Mit rund 39 Stunden ist die Akkulaufzeit in unserem Test zu kurz. Ja, die Pulsmessung lässt sich abschalten, und der GPS-Chip geht nur in der Sport-Einstellung an, dennoch: Das Ergebnis reicht nicht. Zudem ist es ärgerlich, dass das Band nicht wasserdicht ist und somit nicht einmal eine Dusche überlebt. Auch das Handschellen-Gefühl muss nicht sein, die Motorola Moto 360 und die LG G Watch R machen beispielsweise vor, dass sich ein optischer Pulssensor nahezu unmerklich in ein Fitness-Armband integrieren lässt.

Fazit des Tests

Das Microsoft Band hat zahlreiche Sensoren und funktioniert mit allen gängigen Smartphone- und Computer-Betriebssystemen. Auch die GPS-Messung überzeugt. Allerdings ist das Band schwer, klobig und hat nur maximal zwei Tage Akkulaufzeit. Es ist weder wasserdicht noch besonders robust. Zudem ist die Höhenbeschränkung auf 1.200 Meter fragwürdig.
Michael Link

von

Jahrgang 1965, studierte in Aachen Elektrotechnik und Geologie, seit dem Jahr 2000 in Hamburg. Beschäftigt sich mit allem, was mit Funk und Navigation zu tun hat. Faible für Dinge, die so neu sind, dass sie keiner versteht.

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