Schön klein, alles fein?

Garmin Vivosmart 3 im Test: Kann viel, aber auch gut?

Das Vivosmart 3 Fitness-Armband von Garmin ist unauffällig und schick. Doch kann das Trendgerät mehr als nur hübsch aussehen? Nils Matthiesen hat getestet, ob er selbst darauf umsteigen würde.

Datum:
Garmin Vivosmart 3

Die Vivosmart 3 kann Nachrichten vom Smartphone anzeigen, aufgrund des kleinen Bildschirms ist das aber schwer ablesbar.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die Vivosmart 3 von Garmin ist für Läufer oder Kraftsportler nur bedingt empfehlenswert. Im Test zeigte sich, dass sie nicht so präzise arbeitet, wie teurere Sportuhren. Als Fitnesstracker, der Schritte sowie Kalorien zählt sowie den Herzschlag misst, ist die Vivosmart 3 hingegen gut geeignet. Das gibt es allerdings schon unter 110 Euro. Die Vivosmart 3 lohnt sich, wenn man vom Design und der Idee des kleinen Bildschirms begeistert ist. Wer den Fokus auf Sport und genaue Messwerte legt, sollte mehr investieren und sich gleich eine Sportuhr wie die Garmin Forerunner 35 (ab 140 Euro) oder Forerunner 235 (ab 230 Euro) zulegen.

Pro

  • Hübsch unauffällig
  • Akkulaufzeit
  • Wasserdicht

Kontra

  • Hakelige Bedienung
  • Schlecht ablesbarer Bildschirm

Garmin Vivosmart 3

Nicht jeder will eine dicke Sportuhr oder ein auffälliges Armband tragen, das den Träger direkt als Fitnessnerd entlarvt. Auch nicht jeder will seine schicke Analoguhr ablegen, sondern stattdessen lieber das Handgelenk mit einem dezenten Tracker ergänzen. Genau für diese Zielgruppe ist das Fitness-Armband Vivosmart 3 gedacht. Durch den ins Band eingebauten Bildschirm mutet es eher wie ein schickes Accessoire als ein mit modernster Technik vollgestopftes Gadget an.

Garmin Vivosmart 3 im Test: Funktionen und Mankos

Tatsächlich hat das schlanke Armband jede Menge auf dem Kasten: Es bietet unter anderem permanente Herzfrequenzmessung, Schrittzähler, Messung des Kalorienverbrauchs und diverse Fitnessfunktionen (dazu später mehr). Darüber hinaus ist es wasserfest bis 50 Meter, zeigt auf Wunsch direkt am Handgelenk E-Mails, SMS und Benachrichtigungen von sozialen Netzwerken an und hält bis zu fünf Tage ohne Aufladen. Das hört sich für so ein kleines Teil ziemlich gut an. In der Praxis enttäuscht die Vivosmart 3 allerdings. Es sind vor allem drei Probleme, die Interessenten vor dem Kauf beachten sollten.

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Unauffälliges Display mit Bedienungsschwächen

Die Idee mit dem versteckten Touchdisplay, das nur sichtbar ist, wenn man es braucht, ist eigentlich gut. Tatsächlich macht es die Bedienung der Vivosmart 3 aber nicht unbedingt leichter. Es ist schlecht ablesbar, insbesondere bei Sonnenlicht, und darüber hinaus bin ich nicht mit der Steuerung warm geworden. Mal muss man wischen, und mal einen kleinen Pfeil kurz oder lange drücken. Das ist einfach nicht eingängig. Obendrein kommt es immer wieder zu Fehleingaben. Man will etwa nach oben wischen, der Tracker erkennt das aber als seitlichen Wischer. Das geht nicht. Wenn man schwitzend und keuchend Sport treibt, muss es fluppen. Dazu kommt, dass der Mini-Bildschirm mit grober Auflösung (64 x 128 Pixel) ungeeignet ist, detailliert Informationen darzustellen. Das führt zu Anzeigen wie: „Z. Sp. str. Z. Ftf. 2x tip“, was so viel wie „zum Stoppen des pausierten Sport-Workouts streichen oder zum Fortfahren zwei Mal auf das Display tippen“ bedeuten soll.
Garmin Vivosmart 3

Garmin Vivosmart 3: Unauffällig, leicht und doch steckt jede Menge Technik drin.

Schrittzähler statt GPS

Fitnessarmbänder sind vor allem für Läufer interessant. Gute Exemplare ermitteln per Satellitensignal ziemlich genau die Strecke und errechnen in Kombination mit der Zeit Werte wie Maximal- und Durchschnittsgeschwindigkeit. Leider fehlt der Vivosmart 3 von Garmin ein GPS-Empfänger. Aus diesem Grund errechnet das Fitnessarmband die Strecke durch die Anzahl der Schritte. Das gelang im Praxis-Test eher mäßig. Im direkten Vergleich mit einer Garmin Fenix 5, errechnete die Vivosmart 3 stets eine zu lange Strecke. Gerade bei langen Distanzen sind die Unterschiede merklich. Bei einem Lauf rund um die Halbmarathondistanz attestierte die Fenix 5 recht genau 22,51 Kilometer, während die Vivosmart 3 mit 28,28 Kilometern fast 6 Kilometer danebenlag. Bei solchen Abweichungen sind die Angaben zu Durchschnittspace und Sektorenzeiten mit Vorsicht genießen. Um so wichtiger, dass Garmin die Option bietet, in der App die Schrittlänge einzustellen. Bis man hier die optimalen Werte ermittelt hat, muss man schon ein paar Trainingskilometer absolvieren und sollte einen GPS-Tracker zur Hand haben. Letztlich kann der Schrittzähler aber nie so genau wie ein GPS-Tracker sein, schließlich läuft man mal schnell, mal langsam und mal hoch und mal runter – also stets mit verschiedenen Schrittlängen.
Garmin Vivosmart 3 App

Die Vivosmart 3 ist mit Schrittzähler bei Distanzen ungenauer als ein GPS-Tracker. Die Herzfrequenzwerte sind zuverlässig (Mitte). Rechts die fragwürdige Auswertung des „Stress-Tageswertes.

Vivosmart 3: Sportliche Aktivitäten

Apropos App-Einstellungen: Die Vivosmart 3 erkennt dank der Funktion „Move IQ“ automatisch sportliche Aktivitäten. Das klappt recht ordentlich. Neu ist die Funktion „Auto Aktivitätsstart“, durch die die Vivosmart 3 darüber hinaus Aktivitäten mit Zeitangabe automatisch erstellt und in der App speichert. Hört sich gut an, entpuppt sich aber in der Praxis als verbesserungswürdig. Einmal aktiviert, machte die Funktion aus einer sportlichen Aktivität gleich Dutzende, konkret etwa aus einem langen Lauf 38 einzelne.

Cloud-Berechnungen

Mithilfe der Cloud will die Vivosmart 3 auch Dinge wie den Stresslevel und das „Sport-Alter“ ermitteln sowie beim Krafttraining helfen. So soll das Gerät beispielsweise die Übungen, die Wiederholungen, die Sätze sowie die Belastungs- und Erholungszeiten erkennen und protokollieren. Im Test waren die Messungen nicht exakt. Mal werden zu viele Kniebeugen gezählt, mal zu wenig. Das gleiche Bild zeigt sich bei Sit-ups, Kurzhantel-Sätzen und beim Bankdrücken. Manchmal verwechselt die Vivosmart 3 die Übungen oder zählt sie gar nicht erst. Beim Stresslevel wird es nicht unbedingt präziser. Auf Basis der Pulsmessung errechnet die App einen gewissen Wert, der den aktuellen Stresslevel messen soll. Auf Wunsch lässt sich das Ganze über die App auch im Tagesverlauf darstellen.
Garmin Vivosmart 3 drei Farben

Das Vivosmart 3 von Garmin gibt es in drei dezenten Farben. Gut zu wissen: Das Armband lässt sich aufgrund des eingebauten Bildschirms nicht ohne Weiteres wechseln.

Garmin Vivosmart 3

Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.