Innovative Technik im Straßenverkehr

Garmin Varia Fahrrad-Radar: Mehr Sicherheit für Radsportler

78.000 Radler-Unfälle gab es alleine 2014. Teilweise mit erheblichen Unfallfolgen. Garmin führt mit dem Varia Radar eines der ersten smarten Sicherheitssysteme für Radfahrer überhaupt ein. Wie funktioniert Garmin Varia Radar und wie hilft es Radlern?

Datum:
Garmin Varia Fahrrad-Radar mit Radcomputer Edge

Das Garmin Varia Fahrrad-Radar ist mit dem Radcomputer Garmin Edge koppelbar.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Die Radareinheit von Garmin ist eine smarte Innovation auf dem Zweiradmarkt, die ein Plus an Sicherheit auf die Straße bringt. Zu wünschen wäre, dass in Abhängigkeit der Unfalltypen weitere Hilfsmittel auf den Markt kommen, die Schlimmeres verhindern könnten. Warum sollen immer nur die Autofahrer von neuen Sicherheitsfunktionen profitieren, die die Autoindustrie ständig neu herausbringt? Und, warum sollten Radfahr-Systeme nicht mit den modernen Auto-Systemen reden können: „Achtung, du willst abbiegen, ich bin rechts hinter dir“? Immerhin sind Radler bei Unfällen wenig bis gar nicht geschützt. Die Autoindustrie sollte sich mit den Fahrradherstellern an einen Tisch setzen. Das Garmin-Radarsystem kann daher nur ein erster Anfang sein!

Pro

  • Bessere Sichtbarkeit für Autofahrer dank dynamischem LED-Rückleuchtsignal
  • Warnhinweis für Radler, wie nah das Fahrzeug bereits ist
  • Elektroautos bleiben nicht mehr unsichtbar
  • Sehr gutes System für ältere Mitradler
  • Koppelbar mit Radcomputer Edge
  • Einfaches Montieren und Abnehmen

Kontra

  • Relativ hoher Anschaffungspreis
  • Geringe Bekanntheit auf dem Markt
  • Keine Kopplung mit anderen Radcomputern außer Edge

Garmin Varia Radar

Die blanken Zahlen lesen sich wie folgt: 2014 waren 78.000 Radfahrer in Unfälle verwickelt. 63.000 kamen mit leichten Blessuren davon, 15.000 erlitten schwerere Verletzungen und 396 Menschen verstarben an den Unfallfolgen. Zwar waren die meisten Unfälle innerorts passiert (88%), doch sobald es einen Unfall außerorts gibt, nimmt die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Unfallfolgen deutlich zu.
Garmin hat ein interessantes Sicherheitssystem auf den Markt gebracht, das bisher in ähnlichen Systemen nur Autofahrern vorbehalten war: Ein Radarsystem überwacht den Verkehr hinter dem Rücken des Radfahrers auf eine Entfernung von bis zu 140 Metern und warnt den Radler vor auffahrenden Fahrzeugen (PKW und LKW!). Wie funktioniert es? Das System besteht aus zwei Komponenten, der Rückleuchte und dem Radardisplay.

Die Rückleuchte mit Radar

Garmin Varia Radar LED Warner

Je näher ein Fahrzeug kommt, umso mehr LED-Lampen leuchten auf.

In der LED-Rückleuchte ist das Radar eingebaut, das den Verkehr wie gesagt ca. 140 Meter nach hinten überwachen kann. Sobald sich ein Fahrzeug nähert, werden weitere LEDs aktiviert (Standard ohne Annäherung: zwei LEDs leuchten dauerhaft), sodass der Autofahrer den Radler gerade bei schlechter Sicht weitaus besser erkennen kann. Das ist das erste, passive Sicherheitsfeature. Sichtbarkeit ist das A und O im Straßenverkehr, gerade was Radfahrer angeht.

Die Warneinheit für den Radler

Garmin Varia Radar Warner

Der vorne verbaute Radarwarner signalisiert bis zu acht sich von hinten nähernde Fahrzeuge und zeigt fortlaufend den Abstand zum Fahrrad an.

Die zweite Sicherheitskomponente ist ein kleines Zusatzgerät, das mit dem Radar gekoppelt und vorne angebracht wird. Wozu dient es? Sobald sich Fahrzeuge von hinten nähern, wird dem Radler mittels einem optischen LED-Signal die Annäherung angezeigt. Nicht nur das allein, sondern auch der Abstand wird vermittelt! Das LED-Signal wandert hierzu auf einer Skala von unten nach oben („unten“ = bis zu 140 m Entfernung, „oben“ = Höhe des Radlers) mit. Das System kann bis zu acht Fahrzeuge gleichzeitig anzeigen. Das sieht man auch wunderbar in dem obigen Schaubild: Ein Fahrzeug ist bereits sehr nahe, drei weitere sind noch recht weit hinten.

Mit dem Radcomputer Edge koppelbar

Garmin Varia Radar mit dem Edge Radcomputer verbunden.

Das Garmin Varia Radar kann mit dem Edge Radcomputer verbunden werden. Der Radler erkennt an der rechten Seite die sich nähernden Fahrzeuge und deren Entfernung. Zusätzlich leuchtet der Radcomputer an den Bildschirmrändern auf.

Anstelle der Displayeinheit, die mit reinen, sich bewegenden LED-Signalen arbeitet, kann man das Radargerät – das zugleich die Rückleuchte darstellt – mit dem Garmin Edge Radcomputer verbinden. Das System signalisiert vom Prinzip her genauso auffahrende Fahrzeuge und deren jeweiligen Abstand, wie im Bild recht gut zu erkennen ist.
Wer sich gerne live anschauen möchte, wie das in der Praxis funktioniert, kann das Garmin-Video auf YouTube aufrufen.

Warum ist das System nützlich und ein Plus für die Sicherheit?

Betrachten wir die Unfallstatistiken des Bundesamtes für Statistik, fällt vor allen Dingen eine Sache ganz besonders auf: Je älter die Radler werden, umso eher erleiden sie schwere Unfallfolgen oder sind häufiger in tödliche Unfälle verwickelt. Die Ursachen werden einerseits mit der Physis zusammenhängen, andererseits mit der Sinneswahrnehmung, die im Alter leider nachlässt. Ein derartiges Gerät kann dazu beitragen, dass sie den Straßenverkehr besser wahrnehmen und auch umgekehrt besser wahrgenommen werden.
Im Zuge der rapiden Zunahme von Pedelecs – Fahrrädern mit Elektroantrieb – erreichen Radler durchschnittlich wesentlich höhere Geschwindigkeiten auf der Straße, was gerade für ungeübte Radler gilt. Wenn wir eines wissen, dann ist es der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Unfallfolgen. Die Reaktionszeiten werden kürzer, die Wahrnehmung wird eingeschränkter, die Bremswege werden länger, die Aufprallenergien steigen überproportional. Auch hier kann das Garmin-Radar helfen, den Radler gerade außerorts besser zu schützen. Wer schon einmal bei Nacht und Regen als Autofahrer unterwegs war, weiß, wie ungemein schwer es ist, Radler auf der Straße zu sichten. Die aufleuchtenden LED-Signale sind hierzu einfach ideal! Auch der Radfahrer wird früher informiert, ob sich ein Fahrzeug von hinten nähert und vor allen Dingen, wie weit es noch weg ist.
Was den Radlern ihre Pedelecs sind, ist den Autofahrern ihr Elektroauto. Gerade Elektroautos kommen mit einem Wahrnehmungsproblem daher: Je langsamer sie fahren, umso leiser sind sie! Für einen Radfahrer mitten im Straßenverkehr wird ein sich von hinten nähernder Stromer kaum wahrzunehmen sein. Umso wichtiger wird die aktive Benachrichtigungsfunktion für den Radler, nicht im falschen Moment das Lenkrad zu verreißen oder aber zu weit zur Straßenmitte hin zu fahren.
Wir Radler fahren gerne auch mal nebeneinander. Gut, soll man nicht, schon gar nicht auf Landstraßen, aber wir tun es. Die Situation ist bestens bekannt. Wir unterhalten uns und überhören gerne ein sich von hinten näherndes Fahrzeug. Gut, wenn der Autofahrer aufpasst. Schlecht, wenn er uns nicht zeitig sieht oder aber schlichtweg unaufmerksam ist. Auch in dieser Situation leistet die Entfernungs- und Warnanzeige gute Dienste.

Fazit

Wir wissen es bereits: Kein System ist sicher, wenn Mensch nicht bei der Sache ist. Zumal die häufigste Unfallursache immer noch Abbiege-Situationen sind („toter Winkel“), aber auch Radler, die die falsche Straßenseite benutzen.
Dagegen kommt das Garmin-System nicht an. Aber – und das muss man deutlich sagen – es erhöht primär die Sichtbarkeit der Radfahrer über die dynamische LED-Rückleuchte. Sekundär hilft es den Radlern, den Verkehr in ihrem Rücken besser einschätzen zu können. Das sollte dem Radler eine Investition um die 200-270 Euro wert sein, wenn Sicherheit ganz oben auf der Wunschliste steht. Denn so viel kostet das Garmin Varia Radarsystem je nach Ausstattung.
Wir können uns nur wünschen, dass nicht nur die Autoindustrie weiter an guten Sicherheitssystemen forscht (optische Kameras, Radar, Totwinkelwarner, automatische Bremssysteme, Kreuzungsassistenten, dynamische Ausleuchtung der Straße, Infrarot-Anzeigen,...), sondern auch die Fahrradindustrie über weitere, smarte Systeme nachdenkt.

Garmin Varia Radar

Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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