Kleiner Spaß für Große und umgekehrt

Elektro-Scooter Nilox DOC Pro im Test

Flott wie ein eBike, handlich wie ein Kickboard, das will der Elektro-Scooter Nilox DOC Pro sein. Michael Huch ist damit durch Hamburg gestromert.

Datum:
Nilox DOC Pro

Der kleine Spaß für Große und ein großer Spaß für Kleine: Elektro-Scooter Nilox DOC Pro.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Den Kinderaugen und dem Spaß beim Fahren nach zu urteilen, ist der DOC Pro die tollste Erfindung seit der Playstation. Und tatsächlich macht es auch großen Kindern Spaß, mit ihm durch die Gegend zu surren. Für die tägliche Nutzung, etwa für die letzten Meter ins Büro, fehlen ihm Power, Sicherheitsausstattung und eine Zulassung.

Pro

  • Einfach zu fahren und macht Spaß
  • Schickes Design
  • Einfach zusammenzuklappen
  • Rück- und Bremslicht
  • Ordentlicher Fahrkomfort

Kontra

  • Keine Zulassung für den öffentlichen Raum
  • Fahrleistungen bleiben unter den Herstellerangaben
  • Schwache Bremse
  • Kein Ständer oder Vorderlicht
  • Sollte nicht bei Regen benutzt werden
  • Sollte nicht über Nacht aufgeladen werden

Nilox DOC Pro

Ich gebe es gern zu: Einige Dinge testet man lieber als andere und der Elektro-Roller Nilox DOC Pro gehört definitiv zu der Gruppe der Wunschkandidaten. Ob es nun ein akkubetriebenes Kinderspielzeug für gut betuchte und mittelprächtig verantwortungsbewusste Eltern oder ein Last-Mile-Racer für den Pendler ist, zeigt der Praxis-Test.

Verpackung und Montage

Handeln wir die Verpackung schnell ab: Funktionell verpackt, mit Styropor gepolstert, zack ist der DOC Pro aus der giftgrünen Kartonage befreit. Erster Pluspunkt: Er baut sich von allein auf. Ich musste zumindest nichts tun. Die Kollegen aus dem Büro haben sich einfach auf das Teil gestürzt, als hätten sie es zum Testen bekommen. Unter meinen wachsamen Blicken brauchten vier vor Aufregung zitternde Männerhände etwa 90 Sekunden fürs Auspacken und Zusammenschrauben. Zwei Schrauben für den Lenker mit dem mitgelieferten Inbus festziehen und fertig.

Galerie: Nilox DOC Pro im Alltag

Michael Huch

Mit 1,90 m passt Mann noch auf den Roller.

Länger dauerte die Fehlersuche, denn der DOC Pro kam zwar voll geladen an, aber er machte keinen Mucker, wenn man am Gashebel zog. Kaputt? Enttäuschung. Dabei will der Roller doch nur angeschoben werden. Bedeutet: Aus dem Stand fährt er nicht an, nur aus der Bewegung. Man muss ihm also einen Tritt verpassen. Das sollte man übrigens auch mit dem Ingenieur machen, der sich die Anordnung der Ventile ausgedacht hat. Zwischen Achse, Reifen und Felge geht es eng zu. Schließlich haben wir die 36 psi (rund 2,5 bar) doch noch irgendwie in die profilierten 8-Zoll-Reifen bekommen. Die Reifen erwiesen sich übrigens abgesehen vom fummeligen Ventil als gute Wahl. Auch bei Nässe und Temperaturen um den Gefrierpunkt ist man sicher unterwegs. Die Dämpfung geht auch in Ordnung. Eine Federung habe ich jedenfalls nicht vermisst. Unebenheiten, Zebrastreifen, moderates Kopfsteinpflaster – der DOC Pro rattert meistens drüber. Allerdings rät die Anleitung von Offroad-Einlagen und Benutzung bei Regen ab. Ich übrigens auch, denn der Roller ist hinterher sehr schmutzig.
Nilox DOC Pro

Der Nilox DOC Pro ist ein schickes Elektro-Kickboard.

Nilox DOC Pro Trottbrett

Großes, griffiges Kunststoff-Trittbrett beim DOC Pro.

Der erste Eindruck

Schon beim Auspacken waren sich alle einig: Der sieht gut aus und macht einen guten Eindruck. Das „italienische Design” gefällt. Fast alles ist Schwarz, auch die Metalloberflächen. Wer es individuell mag, kann sich mit dem mitgelieferten Buchstaben-Dekorbogen in Porsche-ähnlicher Schrift austoben. Das große Trittbrett sieht aus wie Gummi, ist aber aus griffigem Kunststoff. Aus Gummi sind die ergonomischen Griffe, die zwar guten und bequemen Halt bieten aber, wie bei vielen Fahrrädern, nicht ganz fest sind. Es besteht zwar nicht die Gefahr, dass sie abfallen, aber sie drehen sich mit der Zeit. Der Schnellspanner am Lenker erfüllt seine Aufgabe und hält die dicke Lenkstange zuverlässig auf der gewünschten Höhe. Ich bin 1,90 m groß und hatte in der höchsten Stellung keine Probleme. Bei Bedarf ist die Stange binnen Sekunden eingefahren.
Nilox DOC Pro Ladeanzeige

Der Mechanismus zum Zusammenklappen machte einen robusten Eindruck und lässt sich schnell und einfach bedienen. Gut zu sehen: Die Ladezustandsanzeige.

Der zweite Eindruck

Der Kettenschutz hängt an zwei Schrauben und macht keinen besonders soliden Eindruck. Tatsächlich hat er den Test nicht unbeschadet überstanden. Die Halterung zeigte ohne bewusste Fremdeinwirkung einen Knacks. Außerdem fing die Kette an, am Kettenschutz zu schleifen. Eine Möglichkeit zur Verstellung der Abdeckung oder die Kette zu spannen, eröffnete sich mir nicht.
Nilox DOC Pro Kettenantrieb

Das Hinterrad wird über eine Kette angetrieben.

Nilox DOC Pro

Beim Laden sind Sie auf das mitgelieferte Netzteil angewiesen.

Laden

Obwohl die gut ablesbare Akkuanzeige des Rollers einen „vollen Tank” verspricht (4-5 Balken sollen noch für 15 km reichen), entschließe ich mich zum Nachladen, schließlich will ich damit auch ankommen. Wenn der Akku schlapp macht, bleibt nur ein ziemlich schweres, zäh rollendes Kickboard. Also Roller aus, Gummideckel ab und Ladekabel rein. Die Ladeanzeige fängt an zu blinken und sigalisiert den Ladevorgang. Wenn der Akku voll ist, geht das Licht aus. Ich habe zwar keinen USB-Anschluss erwartet, aber es wäre ein ziemlich smarter Move gewesen, wenn man auch im Büro die Möglichkeit hätte, ein paar Kilometer nachzutanken, selbst wenn es per USB ewig dauern würde. Das Ladekabel und das Netzteil möchte man nämlich lieber zu Hause lassen.

Leer und wieder voll

Wie bei anderen Elektrofahrzeugen unterliegt die Ladeanzeige Schwankungen: Wenn man zehn Minuten bei kühlen Temperaturen unterwegs ist, sackt sie auf einen Balken ab. In der Zeit, in der Sie Ihren Haustürschlüssel herauskramen, hat sich die Anzeige wieder auf vier Balken erholt. Laut Hersteller beträgt die Ladezeit 2,4 Stunden. Das haut hin: Im Test waren es bei leer gefahrenem Akku 2 Stunden und 40 Minuten. Eine zu lange Akkuladezeit von über 4 Stunden kann den Akku laut Bedienungsanleitung „schädigen”. Bidde? Das spricht nicht gerade für eine smarte Ladeelektronik und verbietet im Prinzip das Aufladen über Nacht.

Messwerte: Ab die Post?

Nilox DOC Pro Geschwindigkeit

Nicht mal bergab habe ich die versprochenen 20 km/h erreicht.

Ein Blick auf die Herstellerangaben: bis zu 20 km/h, 20 Kilometer Reichweite – unter optimalen Umständen. Also das GPS-Tracking aktiviert und los. Der Gashebel lässt sich einfach mit dem Daumen drücken. Man kann das Tempo dosieren, aber weil Beschleunigung und Geschwindigkeit einem nicht gerade die Falten aus dem Gesicht ziehen, ist man eigentlich immer mit Vollgas unterwegs. An das Antreten hat man sich schnell gewöhnt. Die Auswertung zeigt, dass der Roller real eher 15 km/h schafft, als 20. 20 km Reichweite scheinen auch nur machbar, wenn Sie auf dem Col de Turini starten und bergab rollen. Ich (um 85 kg) habe ohne Mittreten gerade mal 9,22 km Reichweite geschafft. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 13 km/h. Allerdings waren die Bedingungen nicht optimal. Die Hälfte der Strecke habe ich bei - 3 Grad und die andere Hälfte bei 11 Grad und Nässe zurückgelegt. Dabei konnte ich immerhin die vom Hersteller angegebene Betriebsdauer von 40 Minuten um 3 Minuten übertreffen. Wie der Hersteller bei 40 Minuten Betriebszeit und 20 km/h Höchstgeschwindigkeit auf 20 km Reichweite kommt, bleibt sein Geheimnis.

Transport: „Nimm mich mit!”

Nilox DOC Pro Zusammenklappen

Der DOC Pro ist zwar schnell zusammengeklappt, aber irgendwo muss der Pendler ihn auch verstauen.

Der DOC Pro verschwindet schnell im Auto. Vor einer Treppe ist er flott zusammengeklappt, damit Sie ihn an der Lenkstange tragen können. Aufgeklappt ist das Tragen recht unbequem und schwer. Bei knapp 14 kg macht sich das Teil mit jeder Stufe etwas schwerer. Wenn es richtig eng in der Bahn zugeht, können sie den zusammengeklappten Roller hochkant lagern. Dann verbraucht er zwar sehr wenig Platz, aber aufgrund einer fehlenden Arretierung oder Bremse haut der Roller immer ab, wenn Sie nicht den Fuß davor stellen. Einen Ständer gibt es nicht, aber wenn Sie den DOC Pro ansatzweise einklappen, steht er vorn auf einer Gummimatte und braucht keine Wand zum Anlehnen. Der Roller passt locker in den Fahrstuhl und das ist auch gut so, denn bei dem Preis wollen Sie ihn nicht irgendwo stehenlassen. Die Form ist zum Abschließen ungeeignet, daher muss er eigentlich immer mit. Mit ins Büro, in die Wohnung, in den Supermarkt.
Nilox DOC Pro Bremse

Bremse. Bremse? Sie drücken mechanisch die geriffelte Metallplatte auf den Gummireifen. Dann wird es langsam langsam.

Nilox DOC Pro Bremslicht

Toll: Rücklicht und Bremslicht.

Top-Speed? Top Bremsen?

Selbst deutlich bergab waren es kaum mehr als 18 km/h. Die gemessene Top-Speed lag bei 18,3 km/h. Das ist einerseits enttäuschend, andererseits vielleicht auch ganz gut so, denn die Bremse verdient die Bezeichnung kaum. Vorn gibt es gar keine und hinten ist es eher ein Geschwindigkeitsverringerungspedal. Da tröstet das Bremslicht wenig. Wer bei 15 km/h schnell anhalten muss und dafür vom Roller hopst, ist erleichtert, dass es nicht 20 km/h waren. Das Beschleunigen ist eher etwas für geduldige Naturen. Besser, man hilft mit ein paar Tritten nach. Wenn es steiler wird, führt bergauf ohnehin kaum ein Weg daran vorbei. Es fehlt Power. 300 Watt lassen den Asphalt da, wo er ist. Und doch sind sie ausreichend, um einen erwachsenen Mann bis 100 kg von A nach B zu bringen.

Die Gretchenfrage: Wo darf ich fahren?

In der dunklen Jahreszeit wünscht man sich einen Frontscheinwerfer zum Gesehenwerden. Genügend Platz hätte es gegeben. 15 km/h können auf dem Bürgersteig schon recht schnell sein. Darf man das überhaupt? Leider nein. Leider gar nicht. Daran ändert auch der rote Spielverderberknopf – auch Drosselschalter genannt – nichts, der den DOC Pro auf 6 km/h begrenzt, da die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit weiterhin über 6 km/h liegt. Obendrein macht das keinen Spaß. 6 km/h ist zügiges Gehen. Das begeistert nur ein Kind, welches den Normalmodus noch nicht kennengelernt hat. Bleibt eigentlich nur das Privatgrundstück.

Das sagt die Polizei zum Elektroroller

„Elektroroller sind als Kfz mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit über 6 km/h zulassungspflichtig. Grundlage wäre eine Betriebserlaubnis, die nach heutigem Stand der Rechtslage nicht erteilt werden kann, da hier wesentliche verkehrstechnische Grundanforderungen nicht erfüllt sind. Des Weiteren ist für einen Elektroroller die Fahrerlaubnis der Klasse B erforderlich und eine Kfz-Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug vorzuweisen. Die Benutzung eines derartigen Elektrorollers im öffentlichen Straßenverkehr ist unzulässig. Bei einer Feststellung durch die Polizei würde die Weiterfahrt untersagt und ein Ordnungswidrigkeiten- und Strafverfahren eingeleitet. Dazu würde im Einzelfall die Sicherstellung/Beschlagnahme geprüft.
Nilox DOC Pro illegal

Der Nilox DOC Pro hat keine Betriebserlaubnis (die Fahrzeuge über 6 km/h brauchen).

Verboten! Na und?

Die Praxis sieht aber so aus: Immer mehr Menschen lieben den akkubetriebenen Individualverkehr. Die Städte sind voller Elektro-Kickboards, Hoverboards und E-Skateboards. Sie sind cool, leise, bequem und wendig. Der Großteil ist illegal unterwegs. Der Gesetzgeber hinkt der Realität hinterher. Die Frage muss erlaubt sein: Warum darf jeder ein eBike bis 25 km/h ohne Führerschein fahren, während ein Kickboard mit Akkuunterstützung über 6 km/h verboten ist?

Alle Kinder wollen ihn!

Man schaut immer in leuchtende Kinderaugen und hat den Eindruck, dass ihr Wunschzettel umgehend ein Update bekommt, wenn man mit dem DOC Pro vorbeisurrt. Die Blicke von Kindern und Erwachsenen bleiben unwillkürlich an dem schwarzen Roller – und dem Typen, der offenbar nie Schwung holen muss – hängen. Ja, schaut nur! Das ist die Zukunft! Andere Hersteller sind bei der Umsetzung konsequenter. Dort bekommt man eine Betriebserlaubnis und kann sich ein Mofakennzeichen besorgen, um legal unterwegs zu sein. Das ist dann aber noch teurer als der Nilox-Scooter, dessen Straßenpreis etwa bei 600 bis 850 Euro liegt. Da muss man erst mal schlucken. Dafür wackelt man entweder mit 6 km/h durch die Gegend oder man saust illegal durch die City oder legal über den Hof.

Technische Daten Nilox DOC Pro (Herstellerangaben)

Gesamtgewicht

13,6 kg

Maximal zulässiges Gewicht

100 kg

Betriebsdauer

ca. 40 min

Reichweite

bis zu 20 km

Höchstgeschwindigkeit

20 km/h

Akku

Li-Ion, 36 V DC, 4,4 Ah

Ladezeit

2,4 Stunden

Abmessungen zusammengeklappt

980x460x360 mm

980x164x350 mm (ohne Lenkstange)

Abmessungen aufgebaut

1008x460x1150 mm

Reifen

8 Zoll, 36 psi

Antrieb

300 W, Kettenantrieb

Nilox DOC Pro

Michael Huch

von

Redakteur und Content Manager, interessiert sich für Technik und mag Dinge, die den Alltag erleichtern. Egal ob unterwegs, im Garten oder der Küche.

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