Ausstattung, Bremsen & Fahrverhalten

Kleine Flitzer: Kinderräder im Test

Natürlich soll sich Ihr Kind nicht auf einem klapprigen Drahtesel in den Verkehr stürzen. Damit Kinder Spaß am Radeln haben und sicher unterwegs sind, haben Experten und neun jugendliche Assistenten Kinderräder in der harten Praxis getestet.

Datum:
Kinderräder Test

Oberstes Gebot für das richtige Kinderrad: Es passt zu seinem Fahrer.

Rushhour im Inselpark in Hamburg-Wilhelmsburg: Wir haben neun Kinder zum Fahrradtest eingeladen – und die kleinen Radler nehmen ihren Auftrag ernst. Die Junioren-Jury strampelt, bremst und bewertet, bis ihre Köpfe vor Anstrengung rot leuchten. Ein dickes Dankeschön aus der Redaktion für diesen tollen Einsatz!

Acht Gänge & Federung? Brauchen Kinder nicht

Wie sieht es nun also aus, das ideale Kinderrad? Klar, es muss stabil und verkehrssicher sein. Zudem sollten die Lenkergriffe keine giftigen Substanzen enthalten. Viele Kids haben zudem Bock auf Technik: Neben schicker Lackierung und bequemen Sätteln sind etwa Achtgang-Schaltung und gefederte Gabeln angesagt. Aber es geht auch ohne teure Extras. Das unspektakulär aussehende Rad „Grinder“ von Kettler bekam wie der „Crusader“ von Puky den meisten Zuspruch – denn Rücktrittbremse und sicheres Fahrverhalten gefielen den Kindern. Dass beide ‚nur‘ Dreigang-Schaltung und keine gefederte Gabel haben, stört die Kids nicht.

Galerie: Kleine Flitzer: 9 Kinderräder im Test

Insgesamt lagen die Kleinen mit ihrer Einschätzung richtig gut, schließlich landete das Puky-Rad auch bei den Profitestern ganz vorn und holte am Ende – noch vor dem deutlich teureren „4 City“ von Woom (599 Euro) den Testsieg. Damit sicherte sich das 360 Euro teure Puky auch den Preis-Leistungs-Sieg. Der Drahtesel von Kettler für rund 350 Euro folgte mit ganz geringem Abstand. Wie die meisten Räder dieses Herstellers ist es zwar aus Alu, aber alles andere als ein Leichtgewicht.

Dem billigsten Fahrrad fehlt das Licht

Wichtig: Im Straßenverkehr müssen die Räder verkehrssicher sein und eine geeignete Beleuchtung haben. Letztere fehlt leider zum Teil am „Cherry Heart“ von KS Cycling. Wer das mit 139 Euro preiswerteste Rad im Test kaufen möchte, muss Rücklicht und Scheinwerfer nachrüsten. Tipp: Wählen Sie dann gleich Lampen mit Standlichtfunktion, am besten in Verbindung mit einem Nabendynamo. Die fest im Vorderrad integrierten Lichtmaschinen sind viel zuverlässiger als die alten Seitenläufer und bieten auch mehr Leistung für helleres Licht. Batteriebetriebene Scheinwerfer sind nicht empfehlenswert, wenn das Kind sein Rad regelmäßig und auch mal in der Dämmerung benutzt. Die anderen Räder im Test waren durchweg ab Werk mit Nabendynamos und Standlicht ausgestattet – vorbildlich.
Bremse Pegasus

Für kleine Hände liegt der Bremshebel oft zu weit vom Griff entfernt und ist nicht gut zu packen.

Das „XXlite“ auf Platz fünf sieht mit seinen kurzen Schutzblechen und Farbakzenten zwar sportlich aus, doch dass der coolen Optik der Gepäckträger zum Opfer fiel, kam auch bei den kleinen Testern nicht gut an. Für den Schulweg taugt so ein Drahtesel wenig. Bei den Rädern auf den folgenden Plätzen verhinderten eher Kleinigkeiten bessere Platzierungen: Die Modelle von Winora und Electra wirken zwar sehr stabil, doch mit ihrem hohen Gewicht sind sie für viele Kinder zu schwer.

Zwei Räder haben giftige Griffe!

Gegen das hohe Gewicht lässt sich nichts ausrichten. Wohl aber gegen bedenkliche Anbauteile: In den Lenkergriffen vom „Cherry Heart“ und vom Woom fand das beauftragte Labor alarmierend hohe Konzentrationen von Giftstoffen. Glücklicherweise beheben Nutzer dieses Manko problemlos und mit geringem finanziellem Aufwand: Die Lenkergriffe lassen sich leicht austauschen. Die von der Prüfgesellschaft Dekra als unbedenklich eingestuften Griffe von Puky zum Beispiel können Sie einfach im Ersatzteil-Shop des Herstellers ordern.

Kind beim Fahrradkauf mitnehmen

Eines wird beim Testen mit den Kindern klar: Wenn Sie für Ihr Kind ein Rad kaufen möchten, dann nutzen Sie die Ergebnisse dieses Tests bei der Kaufentscheidung, aber gehen Sie auch unbedingt gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs zum Fachhändler. Dort kann Ihr Kind verschiedene Typen testen sowie Sitz- und Fahrproben machen. Dann zeigt sich schnell, mit welcher Größe, welcher Rahmenform und welchem Sattel ihr Kind gut klarkommt – und welche Sonderwünsche ihm am Herzen liegen. Machen Sie sich nichts vor: Ihr Kind hat ein festes Bild seines Traumrads im Kopf – wie schön, wenn der nach der ersten Fahrt vor Anstrengung rot leuchtet ...
Kinderrad Test

Per Lichtschranke ermittelte die Dekra die Geschwindigkeit bei Fahrstabilitäts-Tests.

Fazit

Die gute Nachricht: Zumindest mit seiner Mechanik leistete sich kein Kinderrad im Test einen Totalausfall. Selbst das Schlusslicht „Cherry Heart“ von KS Cycling für 139 Euro bremst ausreichend, fährt sicher und stabil. Ohne Beleuchtung hat es aber nichts auf öffentlichen Straßen zu suchen. Käufer sollten auf jeden Fall ein Rücklicht, einen Scheinwerfer und auch noch einen Ständer nachrüsten. Darüber hinaus sind die bedenklich hohen Schadstoffwerte in den Lenkergriffen ein Ärgernis – auch wenn rechtlich alles im grünen Bereich ist. Rechnet man alle anfallenden Kosten für Licht und Griffe einschließlich Montage zum Kaufpreis hinzu, ist der Preisunterschied zu einem guten Rad nicht mehr groß: Den Testsieger von Puky etwa gibt es ab 360 Euro. Der hat ab Werk Scheinwerfer sowie Rücklicht mit Standlicht und der Strom kommt aus einem zuverlässigen Nabendynamo. Die Griffe sind zudem laut Dekra unbedenklich. Ähnliches gilt für die ebenfalls empfehlenswerten Modelle Kettlers „Grinder“ und Boomers „Nelly“ für 350 Euro. Bei allen Rädern außer dem „Cherry Heart“ freuen sich die Kinder zudem über die Gangschaltungen. Ganz wichtig dabei: Kettenschaltungen bieten zwar mehr Gänge, müssen aber regelmäßig gereinigt und nachgestellt werden. Nabenschaltungen hingegen erfordern viel weniger Zuwendung, und drei Gänge reichen in der Regel für Kinder aus. Woom hat mit dem „4 City“ ebenfalls ein gutes Rad im Angebot – mit 599 Euro ist es allerdings auch das teuerste im Feld. Andererseits ist es mit nur zehn Kilogramm Gewicht mit Abstand das leichteste Kinderrad in diesem Test. Vor allem kleinen, leichteren Kindern fallen mit dem „4 City“ Beschleunigung und Handling viel leichter als mit den schweren Testkandidaten. Das „Dash 20 Zoll“ von Winora zum Beispiel wiegt mit seinen 13,5 Kilogramm ähnlich viel wie ein Erwachsenenfahrrad. Das schicke Electra könnte sogar einen Erwachsenen tragen: Seine maximale Zuladung beträgt 87 Kilogramm – das ist übertrieben. Daher gilt für die kleinen Drahtesel: abspecken! Kinderräder sollten deutlich leichter sein.

Kinderräder