Fast wie das Hoverboard

Schwebend fortbewegen mit dem IO Hawk: Elektro-Zweirad im Test

Aus Amerika kommt der Segway-ähnliche IO Hawk. Das elektronische Gefährt soll die Fortbewegung revolutionieren. eVivam-Autorin Rieke Lohmann hat das neuartige Board in einer spaßreichen Probefahrt getestet.

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Rotes IO Hawk

Abgefahren: Der IO Hawk kommt aus den USA und ist ein etwas anderes Elektro-Zweirad.

Ja, ich habe eine Bildungslücke: Ich habe keinen einzigen der „Zurück in die Zukunft“-Filme gesehen. Dass Michael J. Fox in der Rolle des Marty McFly allerdings mit einem sogenannten Hoverboard durch die Gegend düste, habe auch ich mitbekommen.

IO Hawk: Als Hoverboard angekündigt

Von einer Messe brachte ein Kollege nun ein futuristisches Gefährt mit, dass er uns mit den Worten „Ich habe das Hoverboard“ ankündigte. Vor allem die Filmfans in der Redaktion waren entsprechend aus dem Häuschen. Gut, dass ich unvoreingenommen war und keinerlei von Fiktion geschürte Erwartungen hatte, als der IO Hawk ausgerechnet bei mir landete. Das Teil sieht aus wie ein Segway – nur mit viel kleineren Rädern und ohne Lenker.
Und ganz schön schwer ist es. 10 Kilo bringt das etwas andere elektronische Zweirad auf die Waage. Blöd, wenn man das Teil noch nicht beherrscht und durch die Gegend tragen muss. So wie ich am Anfang.

Drei Stunden lädt der Akku

Nach drei Stunden Ladezeit an einer herkömmlichen Steckdose, schleppe ich den IO Hawk erst einmal in eine ruhige Ecke der Redaktion. Heute bin ich dankbar über den roten Teppichboden, der hier dauerhaft für uns ausgerollt ist. Ich kann nur weich fallen. Ganz cool will ich nun aufsteigen, setze den rechten Fuß aufs rechte Trittbrett; und sorge so dafür, dass sich der IO Hawk einmal um die eigene Achse dreht.
Das ist also die erste Schwierigkeit: das souveräne Draufstellen. Da sich der IO Hawk durch Gewichtsverlagerung steuern lässt, fährt er automatisch nach rechts, sobald man nur den rechten Fuß aufs Board setzt. Also gilt es, schnell zu sein und möglichst beide Füße gleichzeitig auf Position zu bringen. Tipp: Mit Festhalten am Regal klappt’s.

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Zumindest am Anfang eine wacklige Angelegenheit

Was dann kommt, ist eine ganz schön wacklige Angelegenheit. Das Gleichgewicht auf dem IO Hawk zu finden, ist nämlich längst nicht so einfach, wie es bei den Profis im Video ausschaut. Mir hilft es, mich an meine ersten Versuche auf Skiern zu erinnern: Ein wenig in die Knie gehen und locker bleiben, ist das A und O. Ich neige meinen Körper ein wenig nach vorne, und – fahre tatsächlich los. Ist ja gar nicht so schwer!

Erste Fahrversuche und grinsende Kollegen

Noch lachen die Kollegen. Oder besser gesagt: Sie schauen hämisch grinsend zu mir rüber. Elegant sehen meine ersten Fahrversuche wohl nicht aus. Nicht nur, dass ich mich ausschließlich ruckelnd, mit Unterbrechungen fortbewege. Auch meinen Enten-Popo registriere ich – ohne dafür in den Spiegel zu sehen.
Nach einer kurzen Gewöhnungsphase fühle ich mich auf dem IO Hawk schon sicherer. Vorwärts fahren (im Schritttempo wohlgemerkt) klappt mittlerweile auch in vollends aufrechter Haltung. Ich verstehe, dass ich mich nicht wirklich nach vorne beugen muss, um geradeaus zu fahren, sondern es genügt, die Zehen ein wenig zu senken.
Der Hersteller behauptet, der IO Hawk ließe sich gewissermaßen mit den Gedanken steuern. Falsch liegt er damit nicht. Es funktioniert tatsächlich genau so: Ich denke daran, dass ich vorwärts, nach rechts oder links fahren möchte. Und eben das tue ich dann auch. Von der Anatomie des menschlichen Bewegungsapparats habe ich noch weniger Ahnung als von den „Zurück in die Zukunft“-Filmen. Aber offenbar gibt es da Reflexe im unserem Körper, die unsere Gedanken in Bewegungsimpulse umsetzen. Wahnsinn!

Schwebend durch die Redaktion

Die Menschen um mich herum schauen plötzlich auch ganz anders drein. Ich erkenne einen sanften Ton neidgrüner Farbe in ihren Gesichtern. Zu Recht, muss ich da sagen. Denn wenn man einmal den Dreh raus hat, macht das Fahren auf dem IO Hawk ziemlich viel Spaß. Und das sehen die Kollegen mir wohl an. Wer meine Beine nicht sieht, bekommt außerdem tatsächlich den Eindruck, ich schwebe schwerelos durch die Redaktion. Kann nicht jeder.

10 Sachen schnell und 20 Kilometer weit

Eine Akkuladung des IO Hawk hält je nach Gewicht des Fahrers und nach Steigung der Strecke circa 20 Kilometer. Höchstgeschwindigkeit: 10 Stundenkilometer. Morgens auf dem IO Hawk zur Arbeit zu fahren, ist also möglich. Theoretisch zumindest. Denn: Eine Straßenzulassung hat das Gefährt in Deutschland nicht. Außerdem bezweifle ich, dass der IO Hawk problemlos über Stock und (Bord-)Stein fährt. Mir ist die ganze Angelegenheit dafür einfach zu wacklig.

Fazit: Ist der IO Hawk fit für den Alltag?

Der IO Hawk ist eine klasse Erfindung, mit der geübte Fahrer auf jeden Fall viel Spaß haben könnnen. Wer sich einmal an die Funktionalität gewöhnt hat, rollt recht komfortabel durch die Gegend. Vor allem, wenn's über ebene Flächen geht. Schwieriger gestaltet sich die ausbalancierte Fahrt über unebene Gehwegplatten oder Schotter – wobei dafür vielleicht einfach nur ein bisschen mehr Übung nötig ist. Dabei gilt wie auch bei Skateboard, Ski oder Rollschuh: Sicherheit geht vor. Der Schutzhelm sollte Pflicht, Ellenbogen- und Knieschoner zumindest bei spektakuläreren Fahrten obligatorisch sein.
Für mich bleiben weitere Übungsstunden allerdings nur ein Traum: Umgerechnet 1.500 Euro kostet der IO Hawk. Da bleib ich wohl besser meinem stromlosen Fahrrad treu.
Rike Fabia Lohmann

von

Geboren 1986 im Ruhrgebiet, beheimatet in Hamburg. Brennt für gute Texte.

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