eRoller Test

Elektro-Tretroller im Test: Kumpan 1950 Street

Ein Tretroller, der den Berg hochrollt? Gibt es. Hier kommt der eRoller Kumpan 1950 Street. Selten hat ein Testgerät so die Köpfe der Passanten verdreht. Das Ding ist einfach cool – wenn auch nicht perfekt.

Datum:
Kumpan Modell 1950

Der eRoller Kumpan 1950 Street ist ein wendiger und sogar legaler Stadtflitzer.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Der Elektro-Tretroller Kumpan 1950 ist kein Fahrzeug aus der Zukunft, sondern ein Gefährt von gestern mit der Technik von heute – eine sympatische Kombination. Trotz der knappen Bodenfreiheit und dem etwas unpraktischen Faltmechanismus kann man den Kumpan 1950 letztlich nur mögen. Der Fahrspaß entschädigt für die kleinen Unzulänglichkeiten. Beim Preis gehen die Schätzungen übrigens auseinander. Einige haben 3.000 Euro angesetzt. So gesehen, ist der Kumpan 1950 Street ja quasi ein Schnapper.

Pro

  • Fahrspaß
  • Großes, griffiges Trittbrett
  • Starke Bremsen
  • Ordentliche Beleuchtungsanlage
  • Tolles Design
  • Hochwertige Materialen, gute Verarbeitung
  • USB-Anschluss
  • Fährt mit leerem Akku fast wie ein normaler Tretroller
  • Simple Montage

Kontra

  • Kein serienmäßiger Diebstahlschutz
  • Geringe Bodenfreiheit
  • Kein Stauraum
  • Unhandlich zu Tragen, auch zusammengefaltet noch ziemlich groß
  • Platzierung des USB-Anschlusses fragwürdig
  • Frickeliger Faltmechanismus
  • Power lässt bei den letzten 30 % merklich nach

Kumpan 1950 Pure

Lassen Sie uns kurz über Preise sprechen: Der Kumpan Modell 1950 Street kostet 1.799 Euro. Damit wäre das gesagt. Wenn Sie immer noch Interesse an einem straßenzugelassenen Elektro-Tretroller haben, sind Sie hier absolut richtig, denn der Kumpan 1950 ist ein Juwel – wenn auch nicht ganz lupenrein. Wenn Sie einen „normalen” Elektroroller suchen, sollten Sie sich den NIU N1s ansehen.

Kumpan 1950: Das Design

Retrodesign ist nach wie vor schwer angesagt, aber das kann auch mal in die Hose gehen. Nicht so beim Kumpan 1950: Dieser Elektroroller ist einfach schick. Gerade in Creme wie unser Testfahrzeug sieht er mit den braunen Griffen und dem Sitzpolster und den braunen Reifen einfach gut aus. An den Schutzblechen hängen farblich abgestimmte Spritzschutzlappen aus echtem Leder. Der LED-Scheinwerfer im Oma-Funzel-Design fügt sich prima ins Bild, der Tacho eher nicht so. Insgesamt eine reizvolle Kombination. In der Stadt gibt es kaum ein praktischeres Fortbewegungsmittel. Die Akzeptanz ist noch größer als bei Fahrrädern, nicht zuletzt wegen des nostalgischen Designs.

Galerie: Test: Kumpan 1950 Street

Die Jüngeren finden den 1950 einfach cool („Oaaah! Mit Motor!?”) und die Älteren erinnern sich vielleicht an einen Tretroller aus ihrer Kindheit – schließlich ist der 1950 nicht so'n modernes Kickboarddingsbums mit Minirollen. Die Leute gucken viel. Mein Eindruck: Der Kumpan 1950 kommt in der Regel gut an.
Kumpan 1950 Street

Stadt-Chopper: Nicht im Sinne des Erfinders, aber dann sollen sie eben keinen Sattel dranbauen!

eRoller Kumpan 1950 Street Video abspielen

Wir haben den Elektroroller Kumpan 1950 Street getestet. Hier sehen Sie Roller und Tester in Bewegung.

Fahrspaß mit dem Kumpan 1950

Der Elektro-Tretroller passt sowohl mir mit 1,90 m Körperlänge als auch Kindern mit 1,35 m, die den Roller zu ihrem Bedauern aber nicht auf öffentlichem Gelände fahren dürfen. Kumpan gibt an, dass Menschen mit 1,95 m und bis zu 100 kg auf den Roller passen. Mit Klamotten, Notebook, Tasche und Netzteil wird es für stattliche Herren eng. Das Bambustrittbrett über dem gut versteckten Akku ist extrem griffig und großzügig dimensioniert. Mit den vergleichsweise großen Reifen ist man sehr komfortabel unterwegs und der Kumpan räubert souverän über Fugen und Absätze, aber nur bis er aufsetzt: Besonders in Kurven mag er keine Bodenwellen oder Kanten, dann setzt er unerwartet früh und unsanft auf. Das führte bei mir dazu, dass ich mich kaum noch getraut habe, flott durch enge Kurven zu carven. Diese Erfahrung machten auch andere Leute bei einer Probefahrt. Entsprechend abgefahren sahen auch die neuralgischen Stellen an der Unterseite bei Testende aus.
Kumpan 1950 Street

Bodenfreiheit wie ein Supersportwagen: Schon kleinere Unebenheiten lassen den 1950 lautstark aufsetzen. Besonders unangenehm in Kurven.

Gute Bremsen

Ein Betätigen einer der beiden hydraulischen Scheibenbremsen stoppt sofort die Motor-Unterstützung und lässt einen jederzeit sicher zum Stehen kommen. Da liegen Welten zwischen dem eRoller Nilox DOC Pro und dem Kumpan 1950 – auch beim Preis. Wer in voller Fahrt und in Panik zu heftig am linken Hebel reißt und damit die Vorderradbremse blockiert hat eine gute Chance auf einen äußerst spektakulären Abgang. Das habe ich nicht ausprobiert, die Hinterreifen haben dagegen öfter mal gequietscht – weil es geht.

Treten oder Drehen

Kumpan 1950 Street

Unter diesem Winkel ist der Tacho nicht optimal ablesbar. Er zeigt Uhrzeit, Strecke, (Durchschnitts-) Geschwindigkeit und sogar die Temperatur (35,2 Grad!). Schräg unter der Klingel versteckt sich der Knopf zum Aktivieren des Gasgriffs.


Es gibt zwei Fahrmodi beim Modell 1950 Street: Entweder der eRoller unterstützt Sie beim Treten, das bedeutet, Sie treten an und durch den Akku rollen Sie einfach weiter. Oder: Sie drehen am Gasgriff. Das funktioniert auch schon bei ganz geringer Vorwärtsbewegung und Sie müssen eigentlich kaum mithelfen. Das ist noch bequemer und gut dosierbar. Der abgespeckte Kumpan 1950 Pure muss auf den Drehgriff verzichten.

Fahrleistungen

Der Tacho des Testrollers neigte zur Übertreibung. Er versprach immer knapp 15 Prozent mehr, mehr Kilometer, mehr km/h. Während er also munter 20-27 km/h anzeigte und bergab auch die 30 km/h locker übersprang ergibt die GPS-Messung in der Stadt einen Schnitt von 18 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 30,7 km/h. Ganz schön flott der Kollege, bzw. der Kumpan. In Hamburg habe ich tatsächlich mehr Fahrradfahrer überholt, als dass ich überholt wurde – sogar bergauf. Dabei ist der 1950 mit seinem bürstenlosen Radnabenmotor mit 250 Watt beileibe kein Beschleunigungswunder. Er braucht Anlauf und wird nur langsam schneller, aber dann zieht er seine Bahn, bergauf etwas langsamer, bergab entsprechend schneller. Mittreten hilft, wenn es zu steil wird, sonst bleibt er stehen – zu sehen im Video. Der Kumpan fährt stets smooth an und ist immer gut dosierbar.
Kumpan 1950 Street

Das Bambus-Trittbrett wirkt edel, ist sehr groß und dank den beschichteten Aluleisten extrem griffig. Die Akkuanzeige ist nur mittelprächtig ablesbar und zerkratzt leider leicht. Toll: USB-Buchse zum Aufladen. Aber: Warum da unten?

Oh! Wo gibt's den?

Begleitet von einem dezenten Brummen fahren Sie in der Überzeugung durch die Gegend, dass Sie gerade auf dem schönsten (Achtung, Wortwitz!) „Summer in the City” stehen. Andere Leute zeigen sich interessiert. Ein Auszug aus einem Ampelstop: „Wo krieg ich den?” „Welche Firma?” „Was kostet der?" Antworten: „Der ist schon erhältlich, die Firma heißt Kumpan, der kostet 1.800” Danach schaut mich einer der Interessenten mit großen Augen und einem breiten Grinsen an und steckt sein Handy weg, mit dem er gerade noch Fotos vom 1950 Street gemacht hat. Wie weit der denn käme? Das wüsste ich noch nicht, aber Sie erfahren es jetzt hier.

Reichweite und Akkulaufzeit

Der Lithium-Ionen-Akku (Li-Ion) hat eine Spannung von 36 Volt und eine Kapazität von 8,5 Amperestunden. Das ergibt eine Energie von 306 Wattstunden. Der Hersteller stellt bis zu 40 km Reichweite in Aussicht und das ist nicht gelogen, denn „bis zu” bedeutet: Mehr wird es wohl nicht. Bis auf kurzes Antreten bin ich im Test ausschließlich mit Handgas gefahren und habe eigentlich gar nicht mitgeholfen. Man kann den Roller also bestimmt auch viel sparsamer bewegen als ich es tat. Bei mir waren es letztlich um 4 Prozent Kapazität pro Kilometer – GPS-gemessen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die erste Akkuhälfte kräftiger zu Werke geht, als der Rest. Das unterstreicht auch die unterschiedliche Reichweite: 12 km von 100 % auf 50 % und nur 8 km von 50 % auf 0 %. Im Alltag gibt es vereinzelt auch Steigungen, an denen der Kumpan ohne Hilfe nicht weiterkommt (siehe Video). Dann wird der eRoller eben zum Tretroller. Wenn die Batterie leer ist, lässt sich der Kumpan 1950 fast wie ein normaler Tretroller fahren. Das tröstet etwas, wenn man ihn wirklich mal komplett leerfährt.

Einbruch im letzten Akku-Drittel

Im letzten Drittel gab es Unregelmäßigkeiten bei der Kapazitätsanzeige. Eben noch Top-Speed 30,7 km/h bei 30 % Akkukapazität und in einer Minute fällt sie von 26 auf 6 %. Das macht die Abschätzung der Reichweite nicht unbedingt einfacher. Es folgte der letzte Kilometer, langsam und mit Ruckeln. Anstatt 4 % pro Kilometer verbrauchte der Roller im letzten Drittel plötzlich 10 % pro Kilometer. Ich kam GPS-gemessen 20 km weit, auch wenn der Tacho mir knapp 23 km weismachen wollte. Das sind die erwähnten 15 Prozent Übertreibung. Allerdings erfolgte die Reichweitenmessung nicht unter Laborbedingungen und nach nur wenigen Ladezyklen. Die Werte sind somit als Momentaufnahme anzusehen. Dennoch halte ich 40 km Reichweite in der Praxis für unerreichbar.

Ladedauer

Hersteller Kumpan spricht von etwa 2,5 Stunden Ladedauer. Das mag hinkommen, wenn man den Akku nicht leerfährt, was wir zu Testzwecken gemacht haben. Von 0 auf 100 Prozent dauerte es über 4,5 Stunden. In 30 min auf 14 %, in 60 min auf 24 %, in 180 min auf 76 %. Wer nur mal nachladen will: In 70 min stieg die Kapazität um 34 von 41 auf 75 %.
Kumpan 1950 Street

So sehr die Leute den Kumpan 1950 in freier Wildbahn bewundern, so sehr verwünschen sie seine Anwesenheit in der Bahn, wenn es voll ist. Dabei habe ich hier sogar schon den Rückspiegel abgeschraubt.

Kannste knicken: Faltmechanismus

Der Kumpan 1950 ist zusammenklappbar, allerdings hat mich die Mechanik wenig überzeugt. Sie müssen den Roller (vorsichtig) auf die Seite legen und zwei Spanner umlegen (siehe Fotostrecke). Dann erst können Sie den Lenker einklappen, der nun lose auf dem gepolsterten Sitz aufliegt. Lose deshalb, weil er nicht arretiert. Wie es besser geht zeigt der günstigere eRoller Nilox DOC Pro: Knopfdrücken, einklappen und es rastet sicher ein, sodass Sie den Roller auch an der Lenkstange tragen können. Für den Kumpan gibt es für 29,95 Euro einen passenden Tragegurt. Der breite Lenker und der Rückspiegel sorgen auch zusammengeklappt für ein recht ausladendes Format.
Kumpan 1950 Street

Es geht, aber der Kumpan 1950 ist ein Tret- und kein Tragroller. Trotz Alurahmen wiegt der Street 17 kg.

Fehl am Platz

An der nächsten Treppe fordert der gute Fahrkomfort seinen Tribut und die 17 Kilogramm wollen durch die Gegend geschleppt werden. Der Kumpan ist ein Tret- und kein Tragroller, wobei man ihn auch mal locker ein paar Stufen hochträgt – am besten gleich ohne Zusammenfalten. Trotz Faltmechanismus fühlen sich Roller und Lenker in der Bahn nicht ganz wohl. Wenn Sie nicht im Gang stehen, sondern sich einen Sitzplatz suchen, belegen Sie noch einen zusätzlichen Platz – aber gut, dass machen Leute mit dicken Rollkoffern auch. Wenn es in der Bahn nicht allzu voll ist, ist das kein Problem. Den Kumpan 1950 am Bahnhof anschließen oder beim Brötchenholen mal eben stehenlassen? Selbst mit Diebstahlsicherung behagt mir die Vorstellung nicht.
Kumpan 1950 Street

Im Auftrag der Elektromobilität.

Unter Umständen legal in der Stadt

Im Gegensatz zum Kumpan 1950 Pure oder einem eRoller vom Schlage eines Nilox DOC Pro sind Sie mit dem Kumpan 1950 Street tatsächlich legal unterwegs – vorausgesetzt Sie führen folgende Dokumente mit: Personalausweis, Versicherungspapiere, Nummernschild, Betriebserlaubnis des Fahrzeuges. Dann brauchen Sie noch einen Führerschein. Es reicht eine Mofa-Prüfbescheinigung (ab 15 Jahren), Führerscheinklasse AM (ab 15 Jahren) oder A1 (ab 16 Jahren), Klasse A, B (ab 18 Jahren), (alte Klasse 1, 1a, 1b, 2, 3 und 4). Es darf nur eine Person auf dem Roller fahren. Wer sich noch tiefer in die Materie einlesen möchte, kann das Benutzerhandbuch studieren.

Anschnallen Freunde: Die Preise des Kumpan Modell 1950

Der Kumpan Modell 1950 Pure kostet ohne Straßenzulassung 1.599 Euro. Dann fehlen Beleuchtung, Klingel und „Sitzbank”, Rückspiegel, Tacho und Gasdrehgriff – und damit auch die Möglichkeit, einfach per Dreh loszustromern. All das hat der Kumpan 1950 Street mit Straßenzulassung. Er kostet 1.799 Euro. Wenn noch Geld über ist, gibt es schickes Zubehör: Das Ledermäppchen für die Papiere (siehe Fotostrecke) kostet 24,95 Euro, der Tragegurt 29,95 Euro. Das Kumpan-Felgenschloss steht mit 49,95 Euro in der Preisliste. Für die Satteltasche aus Leder werden 99,95 Euro fällig, die Werkzeugtasche aus Leder kostet 69 Euro, mit Werkzeug 89 Euro. Halleluja.
Kumpan 1950 Street

Kaufen oder nicht? Wen der Preis von 1.800 Euro nicht schreckt, der bekommt einen duften Stadflitzer mit Straßenzulassung und Spaßpotenzial.

Kumpan 1950 Pure

Michael Huch

von

Redakteur und Content Manager, interessiert sich für Technik und mag Dinge, die den Alltag erleichtern. Egal ob unterwegs, im Garten oder der Küche.