Trainer auf der Nase

Smarte Sportbrille im Test: Oakley Radar Pace

Oakley stattet die Radar Pace Brille mit Sensoren von Intel aus und koppelt sie mit einer Trainings-App. Wir haben sie schon ausprobiert.

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Die Sportbrille Radar Pace von Oakley zeigt in der passenden App Trainingsdaten an.

Fazit: Das müssen Sie wissen

Für Sportler, die gerne nach Plan trainieren und auf ein sportliches Ziel hin arbeiten, ist die Idee toll. Die Stimme im Ohr ersetzt den ständigen Blick aufs Smartphone oder auf die Sportuhr. Und sie motiviert – auch ohne markante Sprüche wie von Udo Bölts. Im Gegenzug muss man damit leben, von Mitsportlern wegen der blau leuchtenden Brille und der vermeintlichen Selbstgespräche schräg angeschaut zu werden. An der Funktionalität der 430 Euro teuren Brille sollte Oakley aber noch arbeiten: Individuellere Trainingspläne und ein integrierter Pulsmesser stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste, außerdem längere Akkulaufzeit und stabilere Bluetooth-Verbindung.

Pro

  • Guter Tragekomfort
  • Einfacher Einstieg mit vorgefertigten Trainings-Programmen
  • Ordentliche Sprachsteuerung

Kontra

  • Akkulaufzeit mit 4 Stunden zu kurz
  • Verzögerte Reaktion auf Spracheingaben
  • Kein integrierter Pulsmesser

Oakley Sonnenbrillen

Quäl Dich, Du Sau! So rabiat trieb Radrennprofi Udo Bölts seinen Teamkollegen Jan Ullrich ins Ziel der Tour de France. Direkte Ansprache motiviert eben mehr als Stoppuhr und Fahrradcomputer. Darauf setzt nun auch Brillenhersteller Oakley. Die Sportbrille Oakley Radar Pace (bei idealo) übernimmt den Job des Trainers für Läufer und Radsportler.


Intel inside

Für die Technik in der Brille holte sich Oakley Hilfe von Intel. Der IT-Konzern steuerte eine ganze Reihe Sensoren für die Brille bei: Beschleunigungs- und Drehratensensor, Luftdruck- und Feuchtesensor sowie ein Näherungssensor. Per Bluetooth funkt die Brille die Daten zum gekoppelten Smartphone. Dort wertet die Radar Pace App (Apple und Android) die Daten aus und zeigt zurückgelegte Strecke, Gesamtanstieg sowie die Trainingsdauer an. Der eigentliche Clou der 56 Gramm schweren Radar Pace ist aber die Sprachsteuerung. An die Bügel der Brille sind zwei Kopfhörer-Stöpsel angesteckt, im Gestell sind außerdem Mikrofone installiert. Mit dem Zuruf “ok, Radar” wacht der Trainer auf, anschließend beantwortet er Fragen, etwa “wie hoch ist mein Puls”. Die Antworten gibt die Brille über die Kopfhörer wieder – in gut verständlicher, bei höherem Tempo aber zunehmend künstlich klingender Stimme. An manchen Stellen hat allerdings der Übersetzer geschlafen. "Deine aktuelle Herzfrequenz beträgt sechsundsiebzigster" etwa führt zu Erheiterung im Training. Außerdem meldet sich der Trainer mit Zwischenständen, gerne auch mehrfach wiederholt. Er sagt etwa das Momentane Tempo an oder wenn der Sportler die Hälfte des geplanten Trainings absolviert hat.

Im Lieferumfang der Oakley Radar Pace ist ein getöntes und ein klares Glas, außerdem verschiedene Nasenreiter. Die passende App gibt's gratis.

Auch Siri redet mit

Über die Kopfhörer kann man auch Musik hören. Für Ansagen blendet sie der Trainer sanft aus. Der Klang ist ordentlich, aber nicht besser als von guten aktuellen Smartphones. Telefonieren mit der Brille als Headset ist ebenfalls möglich, auch grundlegende Steuerung per Touchfeld an der linken Seite: Vorwärts und rückwärts streichen ändert die Lautstärke, einfaches Tippen pausiert die Musik und nimmt einen Anruf an, doppeltes Tippen springt zum nächsten Titel. Kompliziertere Wünsche kann beim iPhone Siri erledigen: Langes Drücken auf die Sensor-Fläche weckt Siri, mit zum Beispiel “Siri, spiele das neue Album von David Bowie” ordert man dann die Wunsch-Musik. Das klappte im Test weitgehend gut, man muss nur deutlich und laut sprechen sowie für die Reaktion von Radar Pace und Siri etwas Geduld mitbringen. Zwischen Sprachbefehl und Umsetzung können auch mal 20 Sekunden verstreichen. Ähnliches gilt etwa beim Ampelstop, wenn die Meldung “Training unterbrochen“ erst nach dem Wiederbeginn zu hören ist. Die Verzögerung kann auch bei Geschwindigkeits-Ansagen irritieren, die sich auf das Tempo vor rund 20 Sekunden beziehen.

In der App lassen sich externe Sensoren koppeln, außerdem zeigt sie die Trainingsdaten an – auch in schlichter Grafik.

Externe Sensoren notwendig

Für den Sport reichen die eingebauten Sensoren der Radar Pace nicht aus. Vor allem ein Pulsmesser fehlt, der sich leicht in einen der In-Ear-Stöpsel integrieren ließe. Die Brille ist aber problemlos über die App mit verschiedensten Sensoren koppelbar, sie unterstützt dafür sowohl Bluetooth als auch ANT+. Im Test klappte die Verbindung mit einem Brustgurt von Beurer zunächst problemlos. Es lassen sich auch zum Beispiel Fahrradcomputer zur Geschwindigkeitsmessung koppeln. Dank Bewegungssensoren funktioniert auch das Training innerhalb geschlossener Räume, die angezeigten Strecken sind dann allerdings nur grob geschätzt. Nach dem Loslaufen startet die App das Trainingsprogramm, im weiteren Verlauf gibt sie Hinweise wie “mach dich vier Minuten langsam warm”. Und woher weiß der Trainer, wie ich am besten trainieren sollte? Während der Einrichtung gibt der Nutzer zum Beispiel Alter, Größe und Gewicht ein, bei der Wahl eines Fahrrad- oder Lauf-Trainingsprogramms beantwortet er Fragen zur eigenen Fitness und zum gewünschten Trainingsziel. Das kann ambitioniert sein wie ein 180-Kilometer-Zeitfahren oder entspannt wie Laufen zum Erhalt der bestehenden Kondition. Die App macht dann Vorschläge zum Trainingsrhythmus, zu Strecken und Geschwindigkeiten. Langstrecken-Sportler müssen sich aber ranhalten: Länger als vier Stunden hielt der Akku im Test nicht durch. Geladen wird die Brille per Micro-USB.

Die Brille ist schlau, aber nicht perfekt

Leider kann man keinen Einfluss darauf nehmen und zum Beispiel auch keine Grenzwerte für den Puls manuell eingeben oder das Trainingsprogramm über die vorgeschlagenen Zeitspannen hinaus verlängern. Die App passt aber den Trainingsplan ständig an die tatsächliche Fitness des Sportlers an. Man kann auch keine zwei Trainingspläne verfolgen oder einen kombinierten Lauf- und Radfahrplan aufstellen. Einen Trainingsplan gibt es nur für eine der beiden Disziplinen, darüber hinaus kann man aber freie Trainings ohne Plan beliebig einstreuen. Der eigentlich gute Eindruck wurde außerdem von vereinzelten Macken getrübt: Manchmal riss die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone ab, so dass die Trainer-Stimme aus dem Smartphone-Lautsprecher zu hören war. Außerdem ließ sich der Herzfrequenzsensort zuweilen nicht verbinden, wobei die zur Kontrolle durchgeführte Kopplung mit der Runtastic-App klappte – am Sensor lag es also offenbar nicht.

Testfazit Oakley Radar Pace

Für Sportler, die gerne nach Plan trainieren und auf ein sportliches Ziel hin arbeiten, ist die Idee toll. Die Stimme im Ohr ersetzt den ständigen Blick aufs Smartphone oder auf die Sportuhr. Und sie motiviert – auch ohne markante Sprüche wie von Udo Bölts. Im Gegenzug muss man damit leben, von Mitsportlern wegen der blau leuchtenden Brille und der vermeintlichen Selbstgespräche schräg angeschaut zu werden. An der Funktionalität der 430 Euro teuren Brille sollte Oakley aber noch arbeiten: Individuellere Trainingspläne und ein integrierter Pulsmesser stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste, außerdem längere Akkulaufzeit und stabilere Bluetooth-Verbindung.

Oakley Sonnenbrillen

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