Wie funktioniert das?

Sweatcoin: Diese App bezahlt DICH fürs Fitwerden!

Laufen gehen und dafür bezahlt werden? Die App Sweatcoin macht's möglich. Während Krankenkassen überlegen, wie sie ihre Mitglieder fitter bekommen, setzt eine britische App dort an, wo es Spaß macht: bei Prämien.

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Sweatcoin

Sweatcoin bringt dich ins Schwitzen – und du verdienst daran.

Als Sweatcoin im letzten Jahr startete, konnte niemand absehen, was für einen Erfolg die Gratis-Fitness-App haben würde. Binnen kürzester Zeit war sie die am meisten heruntergeladene App in den USA. Das Prinzip ist simpel: Wer sich bewegt, erhält dafür „Sweatcoins” ('Schweißmünzen'). Diese kann er dann im App-Shop in Prämien umwandeln, die sich ebenfalls mit dem Thema Fitness befassen. So lassen sich Sweatcoins z.B. in eine Fitbit, Sportschuhe oder für eine kostenpflichtige Ernährungs-App eintauschen. Bewegungsmuffel sollen so von der Couch nach draußen gelockt werden, um sich mehr zu bewegen. Hört sich doch ganz gut an oder hat die Sache einen Haken? Ja.

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Sweatcoins sammeln

Die Sweatcoin-App registriert die absolvierten Schritte per GPS. Gezählt werden dabei allerdings nur die Aktivitäten draußen. Wer sich also z.B. im Fitness-Studio abschwitzt oder zuhause Yoga macht, erhält keine Sammelpunkte. Und der Algorithmus von Sweatcoin ist gnadenlos. Damit auch niemand schummeln kann und z.B. seinem Hund das Handy umbindet, werden im Schnitt nur 65% der Schritte verifiziert. Zudem behält Sweatcoin einen kleinen Prozentteil der Schritte ein, um sich selbst zu finanzieren. Du bezahlst also quasi die Vermittlung der Prämien mit deinen Schritten. Wirklich transparent ist ganze System nicht. Warum wie viele Schritte in der Berechnung fehlen, ist nie so ganz klar. Nutzer beschweren sich aber regelmäßig über den miserablen Algorithmus, der Aktivitäten einfach schluckt. So kann es z.B. passieren, dass Schritte nicht gezählt werden, wenn ihr zu langsam lauft. Eltern, die mit ihren Kindern spazieren gehen, gelten damit als inaktiv. Auch wer sich draußen ganz normal bewegt, kann Opfer des Algorithmus werden. Wer sagt denn, dass ihr euch WIRKLICH selbst bewegt habt?

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Sweatcoins umtauschen

Das alles kann ganz schön frustrieren. Der typische Bewegungsmuffel hat an dieser Stelle wahrscheinlich bereits aufgegeben. Seid ihr ohnehin stets gerne unterwegs, könntet ihr es schaffen, euch eine Prämie zu sichern. Darüber finanziert sich Sweatcoin. Tauscht ihr eine Prämie ein, erhält Sweatcoin Geld vom Hersteller. Davor sind die Prämien reine Werbung. Und die bleibt nicht ewig in der App. Regelmäßig werden Prämien ausgetauscht. Wer also zum Start eine Fitbit im Auge hat und darauf Sweatcoins spart, erlebt vielleicht eine böse Überraschung, wenn er endlich genügend Münzen für den Umtausch parat hat. Denn dann gibt es die Prämie wahrscheinlich gar nicht mehr. Werbung schalten, genügend Nutzer aktivieren, von den Herstellern bezahlt werden – das ist das eigentliche Prinzip von Sweatcoin. Jetzt klingt die App schon nicht mehr soooo verlockend. Hinzu kommt, dass Sweatcoin jede Menge Daten sammelt über Nutzerverhalten und Standorte. Diese Daten sind viel wert. Kommt es zu einem Verkauf der App, wandern die Daten natürlich mit – vielleicht zu einem Großkonzern.

Sinn und Verfügbarkeit von Sweatcoin

Grundsätzlich klingt die Idee ja gut. Man schafft einen Anreiz, gibt Prämien aus und alle profitieren davon: Nutzer, Hersteller, App. In der Praxis muss Sweatcoin noch ordentlich an dem System feilen, damit die App es schafft, Bewegungsmuffel und Aktive langfristig zu halten. Bislang ist die App nur in den USA und in UK verfügbar, soll aber auch bald nach Deutschland kommen. Nutzer gibt es dann bestimmt schnell. Doch ob die wirklich einen Nutzen davon haben, bleibt abzuwarten. Wobei: Die Schritte hast du so oder so gemacht. Das ist gut für dich und wichtiger als irgendwelche Prämien. Und das nimmt dir keiner. Man denke nur an den Motivationseffekt von Pokémon Go.
Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.