Erfahrungsbericht Magenspielung

Angst vor Magenspiegelung: Betäuben lassen oder nicht?

Eine Magenspiegelung hilft dem Arzt bei der Diagnose bestimmter Erkrankungen. Man hört leider oftmals, wie schlimm so eine Magenspiegelung sei. Stimmt das? Ein Erfahrungsbericht.

Datum:
Diagnosebilder

Der Arzt hat kein Interesse daran, Sie zu verängstigen. Trotzdem muss die Aufklärung vollständig passieren.

Das Verfahren sei zunächst kurz und bündig beschrieben:
  • Vor dem eigentlichen Eingriff führt man natürlich ein Arztgespräch und lässt sich beraten.
  • Man liest sich zudem eine Einwilligungserklärung durch, die man zu unterschreiben hat.
  • Rund 6-9 Stunden vor dem Eingriff nimmt man nichts mehr zu sich, damit der Magen leer ist.
  • Man legt sich links auf die Pritsche, nimmt sein Zahngebiss heraus – falls man eines trägt –, wird an einen Puls- und Blutdruckmesser angeschlossen und wartet, bis der Doc kommt. Brillenträger legen ihre Brille zur Seite.
  • Unmittelbar vor dem Eingriff bekommt man einen Beißring, durch den das Gastroskop geschoben wird.
  • Kurz nachdem das Gastroskop in den Rachenraum eingeführt wurde, soll man einmal schlucken, um es einfacher in die Speiseröhre gleiten zu lassen.
  • Der Arzt kann nun die Speiseröhre, den Magenraum und den Anfang des Zwölffingerdarms begutachten. Hierzu verfügt das Gastroskop über eine Lichtquelle und eine Kamera, die die Bilder an Monitore im Behandlungszimmer überträgt.
  • Bei Bedarf kann er mithilfe von Werkzeugen eine Biopsie – sprich: Gewebeprobe – vornehmen. Die ist übrigens absolut schmerzfrei!
  • Nach nicht einmal fünf Minuten ist der Eingriff erledigt. Das Gastroskop wird zügig wieder entfernt.
  • Man legt sich danach in den Ruheraum und wartet auf den ersten Diagnosebericht des Arztes.
Das war der Ablauf, wie ich ihn erlebte. Bewusst erlebte, da ich auf eine einschläfernde Spritze verzichtet hatte, um in den Genuss von Live-Bildern aus meinem Inneren zu kommen. Stattdessen wurde mir ein Spray im Rachenraum verteilt, das eine diffuse Betäubung erzeugt, die rund eine halbe bis volle Stunde anhält. Da man das Spray auch schlucken muss, sei gesagt, dass es nicht sonderlich gut schmeckt. Ehe die Wirkung des Sprays nicht nachgelassen hat, sollte man nach dem Eingriff weder trinken noch essen!
Ab jetzt sollten sehr Zartbesaitete nicht mehr weiterlesen! Es steht zwar wirklich nichts Wildes drin, manche haben jedoch eine blühende Fantasie, die medizinische Realitäten weniger gut verarbeitet.

Betäubungsspritze?

Wie schon angedeutet, interessierte ich mich stark für die anatomischen Bilder und bin demnach mit etwas weniger Angst als vielleicht andere zum Magenspiegelungs-Termin. Also eine Einstellungsfrage? Mit Sicherheit! Ich freute mich zwar nicht, war aber positiv-neugierig. Vor dem Eingriff habe ich von Dritten erfahren, wie unangenehm das alles sei, was mich aber nicht irritieren konnte. Menschen sind nun einmal Individuen. Ich möge mir unbedingt eine Spritze geben lassen! Das Doofe an einer Spritze ist? Ich mag erstens nichts, was mich vollends K.O. macht, zumal es ein unnötiges Nebenrisiko darstellt. Zweitens ist man danach den ganzen Tag groggy und kann weder Auto fahren noch weitere Dinge wie sonst üblich erledigen. Ich wollte rein, Bilder beschauen, die Diagnose hören und wieder gehen.
Update zur Betäubung:
Annemarie schrieb in den Kommentaren „Ich war nach der Narkose völlig fit, hatte gut geschlafen und keinerlei Nachwirkungen! Immer wieder gerne, aber nur mit Narkose! ... Man bekommt nur eine leichte Narkose, ist aber sofort wieder fit und da man den unangenehmen Teil der Magenspiegelung verschlafen hat , fühlt man sich wach und gut!

Würgreflexe

Gesagt, getan. Kommen, hinlegen und gehen. Natürlich ist das erste Eindringen des schlauchartigen Apparatschicks unangenehm. Natürlich fühlt es sich nicht toll an, wenn man würgen muss. Und das nicht nur beim Einführen, sondern auch beim späteren Sondieren. Was mit der Veränderung der Lage des Schlauchs einhergeht, die bestimmte Würgereflexe erzeugt. Zusätzlich gehen wie immer mit Würgreizen krampfartige Kontraktionen des Verdauungstraktes einher, die sehr kurz für eine knappe Atmung sorgen. Atmung, das Stichwort per se!

Atemnot

Ich kann diejenigen verstehen, die es als extrem unangenehm empfinden, vermeintlich nicht mehr atmen zu können. Obgleich das Endoskop wahrlich keinen allzu großen Durchmesser hat, der zu realen Atemblockaden führen könnte. Es ist letztlich eine Kopfsache! In der Tat ist das ein Punkt, wo man schlichtweg cool bleiben muss und ruhig durch die Nase atmet – nur um festzustellen, dass Atmen an sich kein Problem ist – oder aber Panik aufgrund des Fremdkörpers bekommt und dadurch in echte Atemnot kommt. Wer sich der Panik hingibt oder aber recht leicht aus Angst in Panik gerät, der sollte von vornherein auf eine Betäubungsspritze insistieren. Meine Devise war da recht einfach: Wenn es nicht klappt, kann ich immer noch eine Spritze bekommen. Und so schnell erstickt niemand, da der Doc den Schlauch in Sekunden wieder herausnehmen kann. Immerhin war es meine erste Magenspiegelung und ich wusste nicht, wie mein Körper und mein Geist darauf reagieren würden. Auf coolen Macker machen kann jeder, ich bleibe da einfach realistisch und frage mich im Vorfeld, was theoretisch sein könnte und was die Folgereaktionen sind.

USB-Stick

Es ging schneller als gedacht. Nach nicht einmal fünf Minuten war der Schlauch wieder draußen. Was mich nicht unbedingt traurig gemacht hat. Als das Gastroskop wieder draußen war – das war wirklich ein Klacks –, konnte ich ohne Weiteres wieder aufstehen. Eines aber hat mich wirklich gewurmt: Hätte ich vorher gewusst, dass der Arzt die Bilder bzw. das Videomaterial auf einen USB-Stick speichern kann, hätte ich ihn darum gebeten. So war das Material futsch, da per se keine Speicherung vorgenommen wird.

Händchen-Haltung

Wer sich einen weißen Raum vorstellt, wo grelles Licht scheint, ein Arzt hinter einer Maske verborgen erscheint und schwarze Gummihandschuhe mit glänzenden Blutflecken trägt, der liegt faktisch falsch:) Die Assistentin begrüßt einen freundlich und treibt ein professionell ablenkendes Gespräch. Sie erklärt auch die Details nochmals in Ruhe. Bevor der Arzt kommt, liegt man ruhig und bereit auf der Pritsche. Eine zweite Assistentin hilft dem Arzt während des Eingriffs am Gastroskop. Assistentin Nr. 1 überwacht fokussiert den Patienten und dessen Werte. Niemand ist hektisch, laut oder stressig. Mehr Fürsorge geht wirklich nicht. Man fühlt sich bestens aufgehoben.

Gefühl danach

Die leicht betäubende Wirkung des Rachensprays ließ nach rund 30 Minuten bei mir nach. Übrig blieb im Tagesverlauf eine leichte Form von Schluckbeschwerden, so als wäre mein Hals entzündet. Bis zum Abend hatte sich das Schluckproblem verflüchtigt. Was die eigentliche Untersuchung im Magen anging, davon habe ich weder während noch nach dem Eingriff etwas bemerkt.

Magenspiegelungen: Ein Vergnügen also?

Wir wollen es nicht übertreiben, es gibt schönere Dinge als solche Eingriffe. Ich für meinen Teil habe zurecht auf eine Spritze verzichtet. Da ich das Ganze als Kopfsache betrachte und mir vorher ein Bild davon gemacht habe, wie ein derartiger Eingriff ausgeführt wird. Was ich weiß, macht mich nicht heiß. Theorie und Praxis? Nun gut, der praktische Eingriff ist trotz all dem Wissen im Vorfeld kein Zuckerschlecken, aber das Maximum ist Würgen und etwas nach Luft schnappen. Da habe ich quasi beim Schwimmen wildere Situationen im aufgewühlten Meer erlebt. Andere wiederum reagieren in der Summe bereits bei der Vorstellung des Fremdkörpers im Rachenraum, dem Würgen und kurzen Atemproblemen ganz anders. Ohne Spritze wird da nichts gehen.
Wer sich panikmachenden Berichten hingibt, macht einen Fehler: Jeder Körper ist anders. Damit auch jede Reaktion. Ebenso reagiert jeder anders auf Unangenehmes. Dem einen bereitet die bloße Vorstellung leichter Würgreize riesige Panik, dem anderen wird es erst langsam schwindlig, wenn ein „Alien aus dem Bauch herauskommt“. Wozu sich narkotisieren lassen, wenn es im Vorfeld womöglich auch ein Rachenspray täte? Und wenn es dann tatsächlich nicht geht, die Spritze geht immer.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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