Gebt das Hanf frei! Medizin oder Droge?

Cannabis: Heilmittel oder Highmittel?

Mit Kalifornien legalisierte vor Kurzem der achte Bundesstaat in den USA Cannabis. Auch hierzulande werden die Forderungen nach einer Lockerung der Gesetze immer lauter.

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Die Vor- und Nachteile von Cannabis

Cannabis spaltet die Gesellschaft. Für die einen eine gefährliche Droge, für andere wirksame Medizin.

Gebt das Hanf frei! Die Forderung von Hans-Christian Ströbele aus dem Jahr 2002 ist mittlerweile deutschlandweit bekannt und verhalf dem Grünen-Politiker – dank Stefan Raab – zu ungewolltem Ruhm. Streng genommen ist der Ausspruch allerdings nicht ganz richtig, denn Hanf ist in Deutschland generell nicht verboten. Es sind vielmehr die weiblichen Pflanzen einiger Hanfsorten, welche hier unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Diese produzieren das psychoaktive Cannabinoid "Tetrahydrocannabinol" (THC) und sorgen damit für den allseits bekannten Rausch. Lange Zeit galt die Auseinandersetzung mit dem Thema Cannabis als Tabu. Erst in den letzten Jahren kam es zunehmend, auch in medizinischen Kreisen, zu einer differenzierten Sicht auf THC. Dies liegt vor allem an den zahlreich durchgeführten Studien, welche der Droge den Schrecken nahmen. Allerdings ist sie auch nicht völlig ungefährlich. Was sind die Vor- und Nachteile von Cannabis?

Wie wirkt Cannabis?

Cannabis zählt zu den psychoaktiven Drogen. Es verändert somit das Bewusstsein und die eigene Wahrnehmung, aber auch die Wahrnehmung des Umfelds. Meist sind diese Veränderungen mit positiven Empfindungen wie einer innigeren Verbundenheit zu vertrauten Personen oder einem generell positiven Lebensgefühl verknüpft. Allerdings kann es auch zu negativen Folgen kommen, wie beispielsweise Angstzuständen, Misstrauen oder Verfolgungswahn. Im schlimmsten Fall kann Cannabis Psychosen auslösen.
Leider lassen sich momentan noch keine verlässlichen Indikatoren für den Rauschzustand finden. Problematisch ist dabei hauptsächlich die Illegalität der Droge. Hierdurch können Wirkstoff und Konzentration nicht sicher verfolgt werden. So kann die Konzentration von THC selbst innerhalb der gleichen Pflanze extrem schwanken. Eine Legalisierung von Cannabis könnte dieses Problem beseitigen. Die Inhaltsstoffe müssten dann, wie bei allen frei erhältlichen Konsumgütern, ausgeschildert sein.

Galerie: Hanf als Nutzpflanze: Produkte aus Hanf

Wie schädlich ist Cannabis?

Wie schädlich Cannabis ist, hängt mit der Einnahme zusammen. Oral als Tee oder in Form von Gebäck eingenommen gibt es keine Nachweise über körperliche Erkrankungen im Zusammenhang mit THC. Ebenso gibt es keine wissenschaftlich nachgewiesenen Folgen von Cannabis-Konsum im Bereich des Gehirns. Noch nie gab es ein Todesopfer durch dessen Konsum zu beklagen. Hier unterscheidet sich Cannabis eindeutig von anderen, teils sogar legalen Drogen wie Alkohol oder Tabak. Wenn du mit dem Rauchen aufhören möchtest, haben wir hier fünf Apps für dich, die dir das Aufhören erleichtern.
Anders verhält es sich, wenn Cannabis geraucht wird. Selbst pur kann THC die Bronchien reizen und den Rachen belasten. Wird Cannabis allerdings mit Tabak gemischt, steigt nicht nur die Suchtgefahr. Natürlich unterliegen Konsumenten der bekannten "Joints" sämtlichen Gefahren, denen normale Raucher auch unterliegen, einschließlich Lungen- und Kehlkopfkrebs. In unserem Ratgeber über die Folgen des Rauchens klären wir noch einmal über die Belastung für Herz und Lunge auf. In den letzten Jahren wurden unter Konsumenten deshalb sogenannte Verdampfer immer beliebter.
Die Vor- und Nachteile von Cannabis

Wird Cannabis geraucht, besteht auch hier die Gefahr von Lungenkrebs und Gefäßkrankheiten.

Cannabis als Medizin

Cannabis ist kein Allheilmittel. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren gerade bei Schmerzpatienten viele Erfolge verzeichnet. So sind heute bei Krankheiten wie Migräne (im Ratgeber über Migräne stellen wir weitere Wirkstoffe vor), Epilepsie, Multiple Sklerose, Morbus Bechterew und Arthritis positive Effekte nachgewiesen. Allerdings muss an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betont werden, dass Cannabis diese Krankheiten nicht heilt, sondern nur für eine Linderung der begleitenden Schmerzen sorgt.
Cannabis als psychoaktive Droge wird seit einigen Jahren auch in der Psychotherapie diskutiert. So haben Untersuchungen ergeben, dass der Gebrauch von Cannabis unter ärztlicher Aufsicht und in Anwesenheit eines Therapeuten zu einer besseren Aufarbeitung diverser psychischer Erkrankungen führen kann. Im Bereich einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wurden hier schon erste Erfolge erzielt.
Die Vor- und Nachteile von Cannabis

Unter ärztlicher Aufsicht eingenommen kann Cannabis die Symptome vieler Krankheiten lindern.

Cannabis als Droge

Bei all den positiven Eigenschaften von Cannabis, sollte nicht vergessen werden, dass auch Cannabis eine Droge ist, die süchtig machen kann. Rund 300.000 Menschen in Deutschland gelten als abhängig oder gefährdet. Entzugserscheinungen äußern sich häufig mit Schlafstörungen, Ruhelosigkeit und teils Kopfschmerzen. Dabei gilt auch hier: Je jünger die Konsumenten, desto höher die Gefahr der Abhängigkeit. Sollte Cannabis in Deutschland also irgendwann legalisiert werden, gilt auch hier eine vernünftige Aufklärung der Risiken. In unserem Artikel über Antisuchttherapien beleuchten wir alternative Wege aus der Drogenfalle.
Ein weiteres Problem von Cannabis ist der Kauf. Wer in Deutschland Cannabis konsumieren möchte, muss sich die Droge bei einem Dealer illegal besorgen und macht sich damit strafbar. Dabei steigt die Gefahr, mit anderen Drogen in Kontakt zu kommen. Eine Legalisierung von Cannabis würde nicht nur die Beschaffungskriminalität eindämmen, sondern den Kontakt mit anderen Drogen wie Kokain oder Ecstasy minimieren. Es gibt also mehr als einen Grund, das bestehende Betäubungsmittelgesetz zu überarbeiten.

Produkte aus Hanf

Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.

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