Verdauung und Reizdarm

Der Darm: Es ist eben doch wichtig, was hinten rauskommt – und wie!

Du bist mehr als das was du denkst und was du isst: Neuen Erkenntnissen zufolge bist du, wie du verdaust. Gib deinem Darm ordentliches Essen und genügend Ruhe, so wird er dich mit Gesundheit belohnen.

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Mehr als das Ende der Verdauung: dein Darm

Dein Darm ist viel mehr als nur eine Durchlaufzone für die Nahrung.

Dein Darm sorgt dafür, dass du gesund bleibst. Er ist ein eigenes komplexes System mit Nerven, Blutgefäßen und Zotten. Er kann „denken“ und sich dem gesamten Körperkosmos mitteilen. Wenn es mal nicht rund läuft, reicht es manchmal, die Verdauung anzuregen. Bei anhaltenden Beschwerden hilft der Gang zum Arzt. Kameras, die man schluckt und die dann Bilder aus dem Darm liefern, spielen noch die Zukunftsmelodie.

Du fühlst dich wie du verdaust?

Die Medizinstudentin und Autorin Giulia Enders schreibt in ihrem Bestseller namens „Darm mit Charme“, dass es in der Wissenschaftswelt mittlerweile als anerkannt gelte, dass Menschen mit bestimmten Verdauungsproblemen Nervenstörungen im Darm hätten. Enders: „Der Darm sendet dann Signale an einen Bereich im Gehirn, der unangenehme Gefühle verarbeitet." Worst Case: Du landest beim Psychologen, obwohl es dein Darm ist, der gestört ist. Wie der Darm Gesundheit und Wohlbefinden beeinflusst, scheint eine der neuen Forschungsrichtungen schlechthin zu sein.

Immunsystem mit neu erforschtem Regler

Natürlich kann der Darm nicht nur denken, sondern auch handeln: Als Verteidiger macht er etwa Zwei-Drittel deines Immunsystems aus. Einen Schlüssel für die Darmgesundheit hat jetzt ein internationales Forscherteam der Universität Bonn gefunden: Die Ernährung. Die kann den Wissenschaftlern zufolge nämlich nicht nur großen Einfluss auf das Immunsystem haben. Ob es zu stark oder zu schwach auf Erreger oder Schadstoffe von Außen reagiert, hängt den Erkenntnissen zufolge maßgeblich von einem Regler ab, der die Nahrungsbestandteile bindet.

Darm mit bestimmtem Obst und Gemüse im Gleichgewicht?

Dieser Ah-Rezeptor-Repressor scheint so etwas wie das Zünglein an der Waage zu sein. Ist er nicht richtig justiert, kommt dein Darm möglicherweise aus dem Gleichgewicht. Das Prinzip: Reagiert er zu schwach, können die Erreger einfach einwandern. Reagiert er zu stark, schießt das hauseigene Verteidigungssystem zu stark und erzeugt Entzündungen: eine Kolitis oder einen septischen Schock. Das Gute: Es gibt Gemüse und Obst mit Substanzen, die das Immunsystem über diesen Regler möglicherweise stabilisieren. Die Forscher um die Professorin Irmgard Förster haben das in Tierversuchen belegt. Inwieweit die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, muss nun weiter erforscht werden.
Welches Gemüse und Obst das ist, und was du deinem Darm sonst noch Gutes tun kannst, damit es ihm gut geht, erfährst du in der Bildergalerie.

Galerie: So läuft`s rund in deinem Darm

Zwischen 20 und 40 Jahren reizt der Darm

Wie viele Menschen in Deutschland an der chronischen Erkrankung Reizdarm leiden, ist nicht ganz klar: Die Rede ist oftmals von mehreren Millionen. Sie haben typische Beschwerden wie Durchfall, Krämpfe, Blähungen und Verstopfung. Die Symptome können so gravierend sein, dass sie denen einer schweren Darmentzündung ähneln. Eine organische Störung ist bei den Betroffenen jedoch nicht festzustellen. Bist du betroffen, dann fragst du dich ständig, wo das nächste Klo ist. Schon normale Verdauungsvorgänge bereiten dir Schmerzen. Und obwohl Ärzte beim Reizdarm-Syndrom (noch) keine organischen Veränderungen im Darm-Trakt nachweisen können, ist das Syndrom ein organisches Krankheitsbild und kein psychosomatisches. Oft tritt das Syndrom übrigens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals in Erscheinung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Woher kommt der Reizdarm?

Die genaue Ursache, wie es zu einem Reizdarm-Syndrom kommt, ist noch nicht bekannt. Zurzeit gibt es drei Vermutungen, warum das so ist:
  1. Der Informationsaustausch zwischen Darm und Hirn ist gestört oder/und
  2. Betroffene haben ein verändertes Nervensystem und reagieren daher empfindlicher oder/und
  3. die Kommunikation zwischen Darmflora und Darmschleimhaut ist beeinträchtigt.
Ebenfalls Forscher der Uni Bonn konnten vor ein paar Jahren bei starken Reizdarm-Beschwerden belegen, dass übermäßig aktive Immunzellen, sogenannte Mastzellen, eine Rolle spielen können. Mastzellen sind Zellen des Immunsystems, die eine Vielzahl von Botenstoffen speichern können. Der Veröffentlichung zufolge können die bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten oder auch Allergenen eine Immunreaktion einleiten, verstärken und die Körperabwehr koordinieren, indem sie die Botenstoffe verschickten.

Teste online, ob du einen Reizdarm hast

Doch auch seelische Belastungen wie Stress, Kummer, Nervosität oder Angst können die Gefahr erhöhen, zum Beispiel nach einem Infekt ein Reizdarm-Syndrom entstehen zu lassen. Ein Online-Test des Herstellers pflanzlicher Arzneimittel REPH kann dir vielleicht weiter helfen. Er basiert laut Unternehmensangaben auf Leitlinien zur Diagnose von Reizdarm. Dieser Test soll dir erste Hinweise geben und ersetzt nicht die Diagnose durch den Arzt.

Buch: „Darm mit Charme“

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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