Sekundäres oder trockenes Ertrinken

Der gefährliche Tod von Kindern im Wasser

Kleine Kinder sind im Wasser besonders gefährdet. Was viele Eltern nicht wissen: Gelangt Wasser in die Lunge, verursacht es Stunden später möglicherweise noch schwere Atemprobleme bis hin zum Ersticken.

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Kinder lieben das Wasser, doch unterschätzen sie die Risiken.

Vergangenes Jahr ertranken in Deutschland mehr als 500 Menschen. 46 davon waren Kinder. Ertrinken ist die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache der Kleinen. Erwachsene überschätzen oft ihre Kräfte, schwimmen zu weit hinaus und schaffen es nicht mehr ans Ufer zurück. Kleine Kinder sind schon in flachem Wasser gefährdet. Sie können in einer Tiefe von wenigen Zentimetern ertrinken. Wegen ihres überproportional großen Kopfes kommen sie leicht aus dem Gleichgewicht. Wenn sie hinfallen, verlieren sie oft die Orientierung und kommen allein nicht mehr hoch. Gerät der Kopf unter Wasser, löst dies eine Art Schockreaktion aus, die Kehlkopfmuskulatur verkrampft sich, damit kein Wasser in die Lunge kommen kann. Allerdings gelangt nun auch keine Luft mehr hinein. Es entsteht akuter Sauerstoffmangel. Löst sich die Verkrampfung nicht rechtzeitig, erstickt das Kind, ohne dass Wasser in die Lunge gekommen ist. In diesem Fall spricht man von trockenem Ertrinken. Dabei kommt der Tod ganz leise, von den Eltern unbemerkt, die Kinder wehren sich nicht, wedeln nicht mit den Armen.

Sekundäres Ertrinken: Schon wenige Milliliter Wasser in der Lunge genügen

Sekundäres Ertrinken liegt vor, wenn ein Kind Wasser einatmet. Das passiert beispielsweise durch einen harmlosen Sprung ins Becken, oder wenn es sich über die Wasserrutsche schnell ins Wasser katapultiert. Schon wenige Milliliter Wasser, die in der Lunge bleiben, können dort zu Entzündungsreaktionen und Schwellungen führen. Sie stören den Gasaustausch und verursachen ohne Behandlung nach Stunden oder manchmal sogar Tagen durch immer größeren Sauerstoffmangel den Tod des Kindes. Je kleiner ein Kind ist, desto geringere Mengen Wasser reichen aus. Insgesamt tritt sekundäres Ertrinken sehr selten auf. Eltern sollten jedoch Bescheid wissen, um im Ernstfall schnell und richtig reagieren zu können.

Daran erkennen sie, dass ein Kind gefährdet ist:

  • Es beginnt nach einem Badeunfall, obwohl es eine Phase ohne Beschwerden hatte, erneut zu husten.
  • Es atmet ungewöhnlich schnell.
  • Es zeigt verändertes Verhalten, wirkt teilnahmslos.
  • Die Lippen verfärben sich.
Liegen diese Symptome vor oder auch nur ein Teil davon, dann sollten Eltern dringend den Notarzt rufen.

Die wichtigsten Regeln, wenn Kinder im Wasser sind:

  • Lassen Sie ihre Kinder, wenn sie im Wasser sind, niemals aus den Augen. Das gilt selbst für die Badewanne.
  • Ein Kind, das noch nicht schwimmen kann, trägt im Schwimmbad oder am See immer Schwimmflügel – und zwar solche mit GS-Prüfsiegel. Es ist wichtig, dass die Flügel mindestens zwei Luftkammern haben und erst am Arm des Kindes aufgeblasen werden.
  • Andere Hilfsmittel wie Reifen, aufblasbare Tiere oder Sessel sind ungeeignet. Wenn ein Kind darunter kommt, können sie sogar zur tödlichen Falle werden.
Je früher Kinder sich an das Wasser gewöhnen, desto besser. Allerdings sind sie erst mit fünf Jahren in der Lage, Atmung, Arm- und Beinbewegungen zu koordinieren und richtig schwimmen zu lernen. Anfangs sind sie allerdings nur imstande kleinere Strecken zu schwimmen und sind überfordert, wenn sie beispielsweise Wasser schlucken. Deshalb ist es sicherer, wenn Eltern immer nebenher schwimmen.

Schwimmflügel

Katrin Hoerner

von

Wissen hilft, gesund zu bleiben.