Brausen im Ohr

Tinnitus-Ursachen: Das steckt hinter dem Ohrensausen

Menschen mit Tinnitus hören Ohrgeräusche, die anderen verborgen bleiben, zum Beispiel ein mächtiges Brausen, Rauschen oder Brummen. Das sind die wichtigsten Tinnitus-Ursachen!

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Frau hält sich das Ohr zu

Tinnitus ist eine echt Qual und geht auf die Nerven: Es saust, braust und rauscht im Kopf.

Im Kopf von Menschen mit Tinnitus herrscht ein ziemliches Getöse: Es brummt, summt, zischt, rauscht, saust und braust in den Ohren. Die Ohrgeräusche bei Tinnitus sind für Betroffene eine echte Qual und zerren gehörig an deren Nerven. Jeder vierte Deutsche habe schon einmal Bekanntschaft mit dem Ohrensausen gemacht, berichtet die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. Typisch: Nur der Tinnitus-Patient selbst hört die merkwürdigen Geräusche, nicht aber die Umwelt. Ein akuter Tinnitus verschwindet meist innerhalb kurzer Zeit wieder, aber nicht bei allen. Etwa 250.000 Betroffene leiden dauerhaft unter dem Pfeifen im Ohr. Die ständigen akustischen Begleiter im Kopf schmälern die Lebensqualität erheblich. Doch was steckt hinter dem Ohrensausen? Die wichtigsten Tinnitus-Ursachen!

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Tinnitus-Ursachen bleiben häufig im Dunkeln

Es gibt verschiedene Theorien, wie der Tinnitus genau entsteht. Wissenschaftler vermuten, dass entweder die feinen Haarzellen im Innenohr geschädigt sind, Nervenbahnen falsche Signale an das Gehirn weitergeben oder die Störungsquelle direkt im Hörzentrum im Gehirn liegt. In vielen Fällen entwickelt sich der Tinnitus, ohne dass sich ein Auslöser finden lässt. So gelingt es Ärzten in bis zu 45 Prozent der Fälle nicht, eine eindeutige Tinnitus-Ursache festzumachen. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sprechen in diesem Fall vom „idiopathischen Tinnitus“.

Tinnitus-Ursachen: Lärm und Knalltrauma

Lärm begleitet die meisten Menschen in ihrem Alltag: Straßenverkehr, Fluglärm oder die Baustelle vor der Haustüre sind laut, aber auch Kinder in Kitas oder Schulen produzieren manchmal ohrenbetäubende Geräuschpegel. Oft ist Lärm auch hausgemacht: Junge Leute stülpen sich überdimensionale Kopfhörer über die Ohren oder versenken kleine Stöpsel darin und drehen die Musik auf. Oder sie nehmen regelmäßige Lärmbäder im angesagtesten Club der Stadt. Zu viel Krach zählt zu den häufigsten Tinnitus-Ursachen, weil er die empfindlichen Sinneszellen im Ohr schädigt. Das gilt auch für das Knalltrauma (Explosionen, lauter Knall), bei dem der Druck im Innenohr kurzzeitig so extrem ansteigt, dass sogar das Trommelfell reißt.

Schwerhörigkeit als Tinnitus-Ursache

Eine Schwerhörigkeit ist oft mit Tinnitus verknüpft. Etwa zwei Drittel der Menschen, die schlecht hören, haben gleichzeitig Ohrensausen. Ärzte wissen, dass etwa 20 Prozent dieser Patienten extrem unter ihrem Tinnitus leiden. Schwerhörigen gelingt es nicht mehr, bestimmte Frequenzen gut wahrzunehmen. Das Gehirn versucht diesen Mangel auszugleichen, und Ohrgeräusche entwickeln sich. Die wenigsten Menschen mit Schwerhörigkeit tragen übrigens ein Hörgerät, das Abhilfe schafft.

Hörsturz – wenn plötzlich das Gehör weg ist

Bei einem Hörsturz verlieren Betroffene plötzlich wie aus heiterem Himmel ihr Hörvermögen auf einem Ohr. Als Ursache nehmen Ärzte akut auftretende Durchblutungsstörungen der kleinen Gefäße im Innenohr an. Aber genau sind die Gründe für den Hörsturz nicht bekannt. Etwa zwei Drittel der Patienten entwickeln in Folge des Hörsturzes einen Tinnitus. Oft heilt das Ohrensausen aber spontan wieder aus. Dies gilt vor allem, wenn der Hörsturz die tiefen Töne betrifft.

Tinnitus-Ursachen: Otosklerose, Mittelohrentzündung, Trommelfellverletzung

Bei einer Otosklerose machen Entzündungen die Gehörknöchelchen im Mittelohr immer unbeweglicher. Die Otosklerose schreitet meist immer weiter fort. Bei etwa 70 Prozent der Patienten tritt die Erkrankung im Kombipack mit einem Tinnitus auf. Daneben kommen Mittelohrentzündungen als Tinnitus-Ursachen in Frage. Aufgrund der Infektion mit Bakterien oder Viren und der Entzündung sind die Gehörknöchelchen nicht mehr in der Lage, die Schallwellen richtig weiterzuleiten. Dann entsteht ein Tinnitus, der wieder verschwindet, wenn die Mittelohrentzündung behandelt und ausgeheilt ist. Die Mittelohrentzündung, aber auch Schläge auf das Ohr oder heftige Schallwellen schädigen manchmal das Trommelfell. Eine Trommelfellverletzung ist ebenfalls oft mit einem Tinnitus verbunden.

Tinnitus als Hinweis auf Akustikusneurinom

Ein Akustikusneurinom ist ein gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs. Er geht von den sogenannten Schwann’schen Zellen im Innenohr aus, welche die Nervenfasern umhüllen. Der Tumor ist aber sehr selten. Typisch ist, dass Patienten eine einseitige Hörminderung erleben. Sie tritt entweder in Intervallen auf oder schreitet langsam immer weiter fort. Gleichzeitig entwickeln Patienten mit diesem Tumor einen hochfrequenten Tinnitus. Dieser ist oft der erste Hinweis auf ein Akustikusneurinom.

Innenohrvergiftungen als Tinnitus-Ursachen

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, welche das Ohr schädigen, also ototoxisch wirken. Dann ist der Tinnitus eine Nebenwirkung dieser Arzneien. Beispiele für solche Medikamente und Wirkstoffe sind:
  • Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva)
  • harntreibende Mittel (Diuretika)
  • Aminophyllin (bei Asthma),
  • Chinidin (gegen Herzrhythmusstörungen),
  • Indometacin (Schmerzmittel bei Rheuma)
  • Tetracyclin (Antibiotikum). Meist ist der Tinnitus hier wieder rückgängig zu machen, wenn Ärzte die Dosis reduzieren oder auf ein anderes Medikament wechseln.
Ein bleibender Tinnitus ist bei Aminoglykosiden möglich, die Ärzte bei bakteriellen Infektionen einsetzen. Beispiele sind die Antibiotika Gentamycin oder Streptomycin.

Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen

Tinnitus entwickelt sich in manchen Fällen nach einem Schädel-Hirn-Trauma, zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall oder Sturz aus größerer Höhe. Dabei ist gelegentlich nicht nur das Gehirn verletzt, sondern möglicherweise auch das Innenohr lädiert. Ein Hörtest zeigt, wie gut das Gehör noch funktioniert.

Morbus Meniére – die Umwelt fährt Karussell

Morbus Meniére ist eine Erkrankung des Innenohrs, die mit heftigem Drehschwindel, Hörminderung (Hörsturz) und Tinnitus einhergeht. Oft kommen ein Druckgefühl im Ohr, Übelkeit und Erbrechen hinzu. Die Erkrankung ist relativ selten und die Ursachen noch nicht genau bekannt. Ärzte vermuten aber einen Flüssigkeitsüberschuss im Innenohr.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Tinnitus und die begleitenden Erkrankungen zu behandeln. Suchen Sie immer einen HNO-Arzt auf, falls das Brausen und Sausen in Ihrem Kopf nicht wieder verschwindet.

Tinnitus-Bücher

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.