Chronisch verstopfte Nase

Süchtig nach Nasenspray – was tun?

Die kleinen Schnupfenhelfer sollen die Nase in wenigen Minuten frei machen und sind während einer Erkältung oft unverzichtbar. Doch was ist, wenn ich plötzlich nicht mehr ohne kann?

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Nasenspray

Nasenspray sorgt in Sekunden für freies Durchatmen. Doch die einfache Handhabe und die starke Wirkungskraft machen das Medikament auch verlockend für eine dauerhafte Anwendung. Was folgt, ist eine Sucht.

Aktuellen Zahlen zufolge gelten rund 100.000 Menschen als Nasenspray-süchtig. Das ergab eine anonyme Umfrage bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Zwar wird der Patient von Arzt und Apotheker immer darauf hingewiesen, dass Nasenspray lediglich bis zu sieben Tagen verwendet werden darf. Doch der helfende Soforteffekt veranlasst viele Nutzer, das Medikament über diese empfohlene Dauer hinaus zu benutzen. Das große Problem: Bei täglicher Anwendung stellt sich bereits nach 10 bis 14 Tagen eine unterbewusste Abhängigkeit ein. Eine Entwöhnung von dem Medikament muss daher schrittweise erfolgen und setzt von dem Suchtpatienten den eisernen Willen voraus, sich vom Nasenspray loszusagen. Doch was macht Nasenspray eigentlich so gefährlich und was muss ich tun, wenn ich erst einmal süchtig bin?

Galerie: Alternativen zu normalem Nasenspray

Nasenspray: So wirkt es

Nasensprays werden vom Arzt für eine kurzfristige Behandlung verordnet, um im Falle eines Schnupfens die Nasenschleimhaut abschwellen zu lassen. Damit wird das freie Durchatmen für den Patienten garantiert, der während einer Erkältung mit einer verstopften Nase zu kämpfen hat. Die im Nasenspray enthaltenen Stoffe wie Tramazolin, Oxymetazolin oder Xylometazolin mindern über eine Gefäßverengung die Schleimhautdurchblutung und Ödembildung. Die Folge: Die Nase schwillt ab und der Patient kann wieder durchatmen. Häufig wird Nasenspray auch bei einer Mittelohrentzündung verschrieben, da zusätzlich zur Nasenschleimhaut auch die Schleimhaut der Ohrtrompete zum Abschwellen gebracht wird, was einen Druckausgleich im Mittelohr bewirkt. Auch im Falle von Allergien wie Heuschnupfen wird Nasenspray häufig als zusätzliches Medikament bei akuten Beschwerden empfohlen.
Allergiemedikamente

In eine gute Hausapotheke für Allergiker gehört neben Augentropfen und Antiallergenen auch ein Nasenspray. Dieses gibt es vielfacher Ausführung. Empfehlenswert, da nicht Sucht auslösend, ist ein solches mit dem Hauptbestandteil Meerwasser.

Nasenspray: Deshalb macht es süchtig

Wie bei jeder Sucht resultiert auch die Nasenspraysucht aus dem Gefühl der Gewöhnung. Wird die Nase mehrere Wochen hintereinander mithilfe von Nasenspray zum Abschwellen gebracht, entwickelt die Schleimhaut eine Toleranz gegenüber dem Wirkstoff und muss mit der Zeit immer häufiger mit dem Spray behandelt werden. Die für die Gefäßverengung zuständigen Rezeptoren werden unempfindlich gegen den Wirkstoff, auch ein verstärktes Anschwellen der Nasenschleimhaut nach der Entwöhnung ist möglich, sodass der Betroffene verstärkt das Gefühl einer verstopften Nase hat und wieder zum Spray greift. Das kann in erster Linie zu einer großen psychischen Belastung führen, im Extremfall sind auch Begleiterscheinungen wie Nasenbluten oder eine durch Bakterien entstehende „Stinknase“ möglich, bei der die Nasenschleimhäute mit der Zeit einen unangenehmen Geruch annehmen. Sowohl eine häufigere als auch eine verstärkt erfolglose Verwendung von Nasenspray sind erste Anzeichen einer Sucht. Im Extremfall gehen mit einer verstopfen Nase auch Erstickungsängste einher. Wenn es so weit ist, solltest du dringend einen Arzt aufsuchen, der dir dabei hilft, dich von dem Nasenspray zu entwöhnen. Doch manchmal helfen schon kleine Tipps und Tricks, um sich von dem liebgewonnenen Medikament langsam, aber sicher loszusagen.

Nasenspray: So kommst du raus aus der Sucht

Gehe bei der Entwöhnung vom Nasenspray langsam, aber entschlossen vor. Von einem Tag auf den anderen mit der Verwendung aufhören, ist zwar konsequent, hat aber den Effekt eines kalten Entzugs. Die Erfolgschancen sind aufgrund des hohen psychischen Drucks nicht gerade hoch. Gehe stattdessen schrittweise vor. Die Ein-Nasenloch-Methode ist ein guter Anfang, um dich langsam vom Nasenspray zu entwöhnen. Dazu behandelst du ab sofort nur noch ein Nasenloch mit Spray. Die Erstickungsangst wird minimiert, das nicht behandelte Nasenloch kann anfangen, sich zu regenerieren. Ist das eine Nasenloch erst einmal entwöhnt, ist das zweite meist nur noch halb so schwer. Möchtest du bei deiner Sucht lieber einen Arzt einweihen, verschreibt der in den meisten Fällen Kortison-Spray. Der Wirkstoff Kortison wirkt entzündungshemmend und macht das Nasenloch frei, enthält aber nicht die herkömmlichen Stoffe wie ein normales Nasenspray und sorgt so dafür, dass du weiterhin frei atmen kannst. Deiner Nase bleibt aber trotzdem die Möglichkeit der Regeneration. Auch der Wechsel von Erwachsenen- auf Kindernasenspray ist empfehlenswert, da sich hier zwar nicht die Zusammensetzung, wohl aber die Dosis ändert. Ist der Sprung von der vollen Dosis auf einen Bruchteil davon erst einmal geschafft, fällt es vielen Patienten leichter, ganz aufzuhören. Dasselbe gilt für die Verwendung von Meerwasser-Nasensprays, die auf jedwede Form künstlicher Zusätze verzichten, die Nase feucht halten und mit natürlichen Wirkstoffen für eine freie Nase sorgen. In besonders schweren Fällen kann eine Behandlung mit Pseudoephedrin-Tabletten hilfreich sein, die ebenfalls abschwellend wirken, aber keine direkten Auswirkungen auf die Gefäße haben. Frage in all diesen Fällen deinen Arzt oder Apotheker!

Nasenspray

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