Ausgebrannt wie noch nie!

Burn-Out auf Rekordniveau – wie wir uns selbst verbrennen

Im vergangenen Jahr erreichte die Anzahl an Depressions- und Burn-Out-Erkrankungen ein neues Rekordniveau. Macht uns unser modernes Leben krank?

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Burn-Out

Das Burn-Out-Syndrom hat alle Gesellschaftsschichten erreicht. Doch was lässt uns Menschen ausbrennen?

Eine Studie der DAK Krankenkasse hat erschütternde Zahlen zu Tage gefördert, die belegen: So krank war unsere Seele noch nie! Im Schnitt kommen auf 100 Krankenversicherte 246 Ausfalltage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Auch die Dauer der Krankmeldung ist von 35 auf 38 Tage gestiegen. Damit bleiben wir im Schnitt nicht bloß drei Tage länger zuhause als noch 2015, vergleicht man diese Zahlen mit den Werten von vor zwanzig Jahren, so hat sich die Anzahl psychisch erkrankter Patienten sogar verdreifacht. 60 Prozent von ihnen sind Frauen, 40 Prozent sind Männer. Sind wir etwa empfindlicher geworden? Oder trägt auch unser Lebensstil dazu bei, dass wir immer schneller ausbrennen?

Galerie: Die zwölf Phasen eines Burn-Outs

Was man unter einem Burn-Out versteht

Unter dem Burn-Out-Syndrom versteht man die Folgen einer lang anhaltenden Überbelastung. Kommen Körper und Geist über einen ausgedehnten Zeitraum nicht dazu, sich zu entspannen, macht unsere Seele irgendwann dicht. Die Folge: ein plötzlicher Zustand der völligen Erschöpfung, aus dem der Erkrankte nicht aus eigener Kraft herauskommt. Dieses Gefühl des Ausgebranntseins äußert sich in Überforderung, Müdigkeit und Leere. Bei einer normalen Erschöpfung können wir die Energiereserven von allein wieder auffüllen, indem wir uns ausruhen, schlafen oder andere Dinge tun, die uns entspannen. Bei einem Burn-Out ist das nicht der Fall, da zu diesem Ermüdungszustand noch weitere Faktoren hinzu kommen. Wenn wir uns von unserer Umwelt entfremden, plötzlich eine Sinnlosigkeit in uns und unserer Arbeit entdecken und Dingen mit einer negativen Grundstimmung begegnen, die wir früher gern getan haben, deutet alles auf ein Burn-Out hin. Übrigens: Ging man früher davon aus, dass das auch „Manager-Krankheit“ genannte Erschöpfungssyndrom ausschließlich aufgrund von beruflicher Überlastung herrührt, sind Mediziner mittlerweile dazu übergegangen, das Burn-Out als eigenständiges Krankheitsbild anzuerkennen, das jeden treffen kann. Eine chronische Überarbeitung muss nicht immer automatisch der Auslöser für ein Burn-Out sein.
Burn-Out

Wer ständig nur arbeitet, läuft Gefahr, dass aus dieser chronischen Überforderung ein Burn-Out wird.

Was das Burn-Out begünstigt

Die Auslöser für ein Burn-Out sind individuell und setzen sich aus zwei Dingen zusammen: aus uns selbst und unserer Umwelt. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können ein Burn-Out begünstigen. Vor allem übermotivierte Menschen mit einem hohen Ehrgeiz drohen schnell, ihr Bild von einem perfekten Menschen nach außen hin nicht aufrecht erhalten zu können. Auch übertriebene Selbstkritik ist ein Faktor, der ein Burn-Out begünstigen kann. Die damit einhergehenden Selbstzweifel können in Kombination mit einem Mangel aus positivem Feedback schnell zu einer dauerhaften Überforderung führen. Letztlich entscheiden wir selbst unterbewusst, wie viel Stress und Belastung wir ertragen können, ohne davon überfordert zu sein. Gleichzeitig ändern sich die stressbedingenden Impulse von außen permanent. Vor allem prägende Ereignisse wie ein Umzug, eine Trennung oder der Tod eines nahestehenden Menschen erhöhen den Stressfaktor von jetzt auf gleich enorm. Treffen persönliche Faktoren ungünstig auf äußere Impulse, reagiert unser Körper mit einem Warnsignal. Setzen wir uns über erste Anzeichen eines Burn-Outs hinweg, kann es zum psychischen Totalausfall kommen. Auch die ersten Anzeichen sind individuell. Zu den häufigsten gehören chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit und fehlende Konzentration. Wer an sich selbst eine negative Veränderung wahrnimmt, die trotz Gegenwirken über mehrere Wochen anhält, ist Vorsicht geboten.

Wie wir uns vor einem Burn-Out schützen

Todesfälle, Umzüge und Trennungen gab es schon immer. Trotzdem war die Anzahl an Burn-Out-Erkrankten früher deutlich geringer. Wie kann das sein? Und wie können wir uns dagegen schützen? Ein entscheidender Faktor an diesem Trend ist ein erfolgsorientierter Wandel innerhalb der Gesellschaft. Der gesteigerte Leistungsdruck animiert auch uns zu Höchstleistungen. Wenn wir diese auf Dauer nicht erfüllen, müssen wir Angst haben, ersetzt zu werden. Aus diesem Grund verzichten wir immer häufiger auf Pausen. Wir lassen unser Handy auch nachts an, essen schnell am Schreibtisch, erledigen noch weit nach Feierabend die Dinge, die wir am Arbeitsplatz nicht geschafft haben und vergessen darüber, dass nur, wer auch an sich und sein Wohlbefinden denkt, auf Dauer leistungsfähig ist. Es ist erlaubt, das Smartphone nach der Arbeit auszuschalten. Auch auf regelmäßigen Urlaub solltest du nicht verzichten. Für wichtige Dinge wie ausgiebiges Essen, unsere Freunde, Familie und Entspannung sollte immer Zeit sein. Einschneidende Erlebnisse wie einen Umzug solltest du so gut wie möglich vorbereiten, um nicht zusätzlichem Stress ausgeliefert zu sein. Lerne wieder, auf die Signale deines Körpers zu hören und versuche nicht, wochenlang anhaltende Müdigkeit mit Koffein zu betäuben. Wer geistig gesund sein möchte, muss Körper und Seele regelmäßig die Gelegenheit geben, sich zu regenerieren. Und ein guter Arbeitgeber gibt seinen Mitarbeitern auch die Möglichkeit dazu.

Bücher zum Thema Burn-Out

Antje Wessels

von

Schreiben ist seit jeher meine große Leidenschaft. Es ermöglicht mir, mein Wissen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit dem Leser zu teilen und ihm so regelmäßig neue, faszinierende Erkenntnisse mit auf den Weg zu geben.

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