Stöpsel im Herz

Schlaganfall: ein Schirmchen im Herz schützt!

Ein kleines Schirmchen beugt bei Patienten mit Vorhofflimmern einem Schlaganfall vor. Der Stöpsel riegelt den Gefahrenbereich im Herzen, in dem oft ein Blutgerinnsel entsteht, einfach ab.

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Gehirn auf Monitor

Am Bildschirm erkennen Ärzte, ob sich ein gefährliches Blutgerinsel gebildet hat.

Bei Menschen mit Vorhofflimmern gerät der Herzrhythmus aus dem Takt. Die Herzrhythmusstörung erhöht das Risiko für einen Schlaganfall, weil sich leicht Blutgerinnsel im Herzen bilden, die der Blutstrom mitreißt und ins Gehirn schwemmt. Blockiert das Gerinnsel dort ein Gefäß, entsteht ein Hirninfarkt. Ärzte schätzen, dass das Vorhofflimmern an bis zu 30 Prozent aller Schlaganfälle schuld ist. Mehr als 90 Prozent der Blutgerinnsel bilden sich im sogenannten Vorhofohr, einer sackartigen Ausstülpung aus der linken Vorkammer des Herzens. Sie heißt so, weil sie wie ein Ohr geformt ist. Patienten mit Vorhofflimmern sind meist lebenslang auf Medikamente angewiesen, die das Blut verdünnen, vor Blutgerinnseln schützen und damit einem Schlaganfall vorbeugen. Heute ist es aber möglich, das Vorhofohr mit einem kleinen Schirmchen aus Draht zu verschließen – und so das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.

Schlafanfall vorbeugen: Schützendes Schirmchen als „Stöpsel“

Schirmchen gegen Schlaganfall

Ein kleines Schirmchen dient als Stöpsel im Herzen

Das Schirmchen, der sogenannte Vorhof-Occluder, entspricht vereinfacht gesagt einem Stöpsel, der das Vorhofohr dauerhaft abriegelt. Ärzte implantieren es mit Hilfe eines Herzkatheter-Eingriffs. Unter lokaler Betäubung schiebt ein Herzchirurg einen Katheter über die Leistenvene und große Hohlvene in die rechte Vorkammer des Herzens. Er passiert die Vorhofscheidewand, gelangt in die linke Herz-Vorkammer und von dort in das Vorhofohr. Dann führen Ärzte ein winziges Schirmchen über den Katheter in das Vorhofohr ein und spannen es dort auf. Der Eingang des Vorhofohres ist dann abgesperrt.
Das Schirmchen wächst langsam ein und später überzieht die Gefäßinnenhaut das Implantat. Ist dieser Prozess abgeschlossen, ist die Schlaganfallgefahr dauerhaft gebannt und Patienten sparen sich die Einnahme blutverdünnender Medikamente in der Regel. Selbst wenn ein Blutgerinnsel neu entsteht, gelangt es nicht mehr in den Körperkreislauf und löst somit auch keinen Schlaganfall oder andere Gefäßverschlüsse mehr aus.
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Schlafanfall-Schirmchen wirkt genauso gut wie Medikamente

Studien wiesen nach, dass das kleine Schirmchen Schlaganfälle genauso gut verhindert wie blutverdünnende Medikamente. Einige Untersuchungen fanden sogar eine niedrigere Schlaganfallrate für den „Schirmstöpsel“ als beim häufig eingesetzten Gerinnungshemmer Marcumar. Ärzte prüfen immer individuell, ob die Implantation des Schirmchens für einen Patienten in Frage kommt und eine Alternative zu Medikamenten ist. Derzeit empfehlen Herzexperten die Schirm-Behandlung für Patienten, die Vorhofflimmern haben, ein hohes Schlaganfallrisiko besitzen und für die eine Therapie mit Blutverdünnern zu riskant ist. Dies ist beispielweise der Fall, wenn sie eine erhöhte Blutungsgefahr haben, schon Blutungen aufgetreten sind oder sie die blutverdünnenden Medikamente nicht vertragen.
Der Herzkatheter und der Verschluss des Vorhofohrs bergen aber auch einige Risiken. Manchmal verletzen Ärzte bei der Implantation die Herzwände, weil sie im Bereich der Vorkammern sehr dünn sind. Auch lösen sie manchmal durch den Eingriff einen Schlaganfall aus. Wichtig ist es deshalb, dass ein erfahrener Herzspezialist das Schirmchen implantiert.

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Vorhofflimmern trifft vor allem ältere Menschen

Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Herzrhythmusstörung, bei der das Herz außer Takt gerät und unregelmäßig schlägt. Patienten verspüren Herzrasen und Herzstolpern, aber manchmal auch keine Symptome, sodass das Vorhofflimmern unentdeckt bleibt. Schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern. Das Alter ist ein wichtiger Risikofaktor, aber auch Bluthochdruck und Übergewicht. Nur ein Prozent der Menschen unter 50 Jahren leidet an Vorhofflimmern. Bei den über 60-Jährigen sind etwa sechs Prozent betroffen, während es bei Personen über 80 Jahren schon bis zu 16 Prozent sind. Experten prognostizieren, dass sich die Zahlen in den nächsten 50 Jahren verdoppeln werden, weil die Menschen immer älter werden,
Patienten mit Vorhofflimmern nehmen meist ein Leben lang blutverdünnende Medikamente ein. Nur so lässt sich einem Schlaganfall vorbeugen. Die Therapie ist allerdings mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden – auch in lebenswichtigen Organen wie etwa dem Gehirn.

Schlaganfall-Bücher

Ingrid Müller

von

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