Serie Volkskrankheiten - Teil 3

Wenn dich der Schlag trifft, musst du kämpfen!

Manchmal verpasst dir das Leben einen richtigen Schlag. Laut einer Studie, die in dem Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, zählen Schlaganfälle in Deutschland zur dritthäufigsten Erkrankung. Junge Menschen werden nicht so häufig getroffen.

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Stroke heißt aus dem Englischen übersetzt Schlag. Der Kopf des Getroffenen soll hier sinnbildlich für Menschen stehen, die einen Schlaganfall erleiden. Er tritt überwiegend schlagartig auf. Du hast die besten Chancen, wenn er schnell erkannt wird: Stroke-Units sind auf die Behandlung spezialisiert.

Carmen Bockfeld ist 32 Jahre alt. Sie war gerade 27, als sie einen Schlaganfall erlitt: Diese plötzliche Funktionsstörung ihres Gehirns hat ihr Leben buchstäblich auf den Kopf gestellt. Sie möchte anderen Menschen mit ihrer Geschichte Mut machen. Einen Teil ihrer Geschichte findest du in diesem Beitrag.

Die Statistik

Carmen zählt - statistisch gesehen - zu einer Minderheit. Fünf bis zehn Prozent der Betroffenen, so die Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe, erleiden in Deutschland einen Schlaganfall, bevor sie 50 Jahre alt sind; wir sprechen also von etwa 9.000 bis 14.000 jungen Männern und Frauen. Genauere Zahlen gebe es zurzeit nicht.
Carmen Bockfeld

Carmen Bockfeld hatte vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Sie will anderen Betroffenen mit ihrer Geschichte Mut machen.

Bitte schnell: Die Diagnose

Es traf Carmen, als alles gut war in ihrem Leben. Als die frisch Vermählte ihre Hochzeitsfotos sortiert, überkommt Carmen ein stechender Kopfschmerz. Es habe sich damals so angefühlt, als ob ihr Kopf platze. Und weil dem Ehepaar in dem Moment ein Schlaganfall nicht in den Sinn kam, kam sie erst nach 24 Stunden ins Krankenhaus, wo die Ärzte genau das diagnostizierten; ein Hubschrauber brachte sie in eine spezielle Stroke-Unit.

Wie du als Laie helfen kannst: FAST, ein schneller Test

Ähnlich wie bei einem Erste-Hilfe-Kurs kannst du als medizinischer Laie auch helfen, wenn dein Partner, ein Freund oder ein anderer Mensch in deinem Umfeld möglicherweise einen Schlaganfall erleidet, und zwar binnen weniger Augenblicke. Denn die Zeit ist sozusagen der wichtigste Faktor für alles, was dann kommt und somit Freund oder Feind. Die typischen Ausfallserscheinungen eines Schlaganfalls kannst du förmlich an Gesicht, Armen und Sprache binnen kurzer Zeit ablesen (englisch für Face, Arms, Speech, Time).
Das Neurovaskuläre Netzwerk Ruhr erläutert, wie`s geht:
  1. Face: Bitte die Person zu lächeln. (Das Gesicht wird bei einer Lähmung einseitig verzogen.)
  2. Arms: Bitte die Person, gleichzeitig beide Arme nach vorne zu heben. (Bei einer Lähmung kann ein Arm nicht gehoben werden, sinkt wieder ab oder dreht sich.)
  3. Speech: Bitte die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen (Der Satz muss korrekt wiederholt werden, die Sprache darf nicht verwaschen sein.)
  4. Time: Wenn der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme hat, alarmiere sofort den Rettungsdienst unter 112. Teile schon am Telefon mit, dass der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, damit der Notarzt sofort schnelle und fachkundige Hilfe leisten kann.
Schlaganfall-Symptome können sich nach Angaben des Netzwerks gelegentlich nach einigen Minuten wieder vollständig zurückbilden. Dennoch sollten auch diese Symptome ernst genommen werden, da sie oft einem schwereren Schlaganfall vorausgehen. Handele daher genauso wie bei anhaltenden Symptomen.
Den FAST-Test findest du auch in der kostenfreien App der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe, und zwar für Android und iOs.

Auffällig bei Schlaganfällen in jungen Jahren: Bluthochdruck

Bei Carmen war wohl eine Fehlbildung der Gefäße verantwortlich für den Schlaganfall. Die Ärzte operierten sie also am Kopf. Generell, also auch beim Großteil der Patienten, die über 70 Jahre alt sind, gibt es zwei Hauptursachen für einen Schlaganfall:
1. In 80 Prozent verschließe ein Blutgerinnsel das gehirnversorgende Gefäß und führt zu einer Durchblutungsstörung oder
2. ein Blutgefäß im Gehirn reißt plötzlich und es kommt zu einer Blutansammlung.
Spezielle Ursachen bei den jungen Schlaganfall-Patienten gebe es nicht, aber Auffälligkeiten: Die Deutsche Stiftung Schlaganfallhilfe weist darauf hin, dass 20 bis 50 Prozent der jüngeren Schlaganfall-Patienten zum Beispiel unter Bluthochdruck leiden. Auch scheinen erhöhte Blutfettwerte eine Rolle zu spielen. Diabetes, Herzrhythmusstörungen oder Migräneattacken könnten ebenso das Schlaganfall-Risiko erhöhen. Anders als bei älteren Betroffenen werde der Schlaganfall bei der Hälfte der unter 50-Jährigen durch eine Blutung ausgelöst.
Weitere Ursachen können
  1. genetisch bedingte (Stoffwechsel-) Erkrankungen sein, die zu Gefäßmissbildungen bzw. Störungen der Blutgerinnung führen können sowie
  2. Herz- oder Gefäßerkrankungen.
Bei 25 Prozent der Schlaganfälle, die durch einen Gefäßverschluss ausgelöst wurden, könne trotz aufwändiger Diagnostik keine eindeutige Ursache festgestellt werden.

Nach dem Schlaganfall: Carmen hat sich zurück gekämpft

Als junger Mensch rechnest du einfach nicht mit so einem Schlag. Und weil dein Leben dann so plötzlich Kopf steht, obwohl du doch noch so viel vorhast, glaubst du, den Boden unter den Füßen zu verlieren. So auch Carmen. Sie musste in ihrer Reha wieder lesen, schreiben und rechnen lernen. Und trotz einiger Erfolge war dann trotzdem nicht alles wieder so wie früher: Sie litt unter starker Konzentrationsschwäche und einem eingeschränkten Sichtfeld. Als sie wieder arbeiten geht, beschreibt sie ihre Leistung selbst wie die einer schlechten Praktikantin. Durch das Kortison nahm sie in kurzer Zeit 30 Kilogramm zu und hat durch die Operation am Kopf auch noch eine Epilepsie entwickelt. Sie entschließt sich, über die Stiftung Kontakt zu anderen jungen Schlaganfallpatienten aufzunehmen. Ihr Leben hat sich in vielerlei Hinsicht geändert. Dennoch: Sie findet neuen Sinn. Heute beschreibt sie sich in ihrer Geschichte als glückliche Frau, die nach vorne schaut. Von einer Frau wie Carmen kannst du dir in vielerlei Hinsicht etwas abschauen, von ihrer Lebenseinstellung allemal.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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