Laserstrahlen und Magnetwellen

Sanfte Medizin gegen Süchte

Schon seit Jahren arbeitet die Forschung an effektiven Methoden in der Antisuchttherapie. Laserstrahlentherapien führten in Tierversuchen bereits zu Erfolgen, sind aber nicht auf den Menschen übertragbar. Anders sieht es bei der Magnetstimulation aus. Ist das die Zukunft für Süchtige?

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Süchtiger

Suchtgeplagte Patienten verlieren die Prioritäten aus den Augen. Sie handeln gegen jede Vernunft, nur um ihr Verlangen nach dem Suchtmittel zu befriedigen. Laser und Magnetwellen sollen diesen Teufelskreis durchbrechen.

Hirnforscher wissen längst, wie genau eine Sucht entsteht. Bei Patienten, bei denen sich eine Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Zigaretten gebildet hat, arbeiten bestimmte Hirnbereiche langsamer. Um sie auf Trab zu halten, greift der Süchtige zu dem Genussmittel, das ihm für einen kurzen Moment Abhilfe verschafft. Dieses Erfolgserlebnis verankert sich schon bald so tief im Gehirn, dass der Mensch die Vernunft ausschaltet und das Verlangen nach der Droge für ihn an oberster Stelle steht. Auf Basis dieser Erkenntnis arbeitet die Forschung seit Jahren an Methoden, ebenjene Hirnaktivierung auf andere Art und Weise herbeizuführen. Bei Versuchstieren führt eine spezielle Lichttherapie bereits zu vielversprechenden Erfolgen, auf den Menschen übertragbar ist diese aber (noch) nicht. Könnte die Magnetstimulation den gewünschten Erfolg bringen?

Laserstrahlen gegen die Sucht

Die Rede ist von Laserstrahlen, die, von außen aufs Gehirn projiziert, genau diese gewünschte Wirkung haben sollen. Da das süchtig machende Genussmittel die Zusammensetzung aus Botenstoffen im Gehirn durcheinander bringt und die Funktion mancher Hirnareale dadurch dauerhaft schädigen kann, ist es das Bestreben der Ärzte, ebenjene vernebelnden Gehirnveränderungen rückgängig zu machen. Kurzum: Mit dieser einfachen Methode könnte man den Patienten von jetzt auf gleich von „abhängig“ zu „clean“ umpolen. Dies geschieht im Präfrontalen Cortex, jenem Hirnbereich, der das Suchtverhalten beeinflusst. Die Region sitzt unter der Großhirnrinde und wird aktiv, wenn der Mensch Entscheidungen trifft, Rationales gegen Emotionales abwägt oder sein Verhalten an die ihm gegebene Situation anpasst. Als Süchtiger hat die Droge diesen Bereich darauf konditioniert, die Vernunft auszuschalten und dem Verlangen nach dem süchtig machenden Stoff nachzugeben. Je länger die Sucht andauert, desto mehr wird der Präfrontale Cortex geschädigt.
Magnetstimulation

Bei Schmerztherapien kommt die Transkranielle Magnetstimulation schon lange zum Einsatz. Nun soll sie Süchtige von ihrer Abhängigkeit befreien.

Das Problem mit dem Gen

Hinter der Idee der Laserbehandlung liegt die Erkenntnis, dass durch das Licht ein spezielles Gen angeregt wird, das die Bildung eines Proteins steuert. Dieses Protein reagiert auf Licht und regt in eingeschaltetem Zustand die Nervenzellen an. Damit sollte es den Forschern gelingen, gezielt Neuronen im Präfrontalen Cortex an- und auszuknipsen. Bei Versuchstieren wie zum Beispiel Ratten führen medizinische Versuche auf Basis einer derartigen Lasertherapie bereits zu Erfolgen. 1:1 auf den Menschen übertragen lassen sich diese Ergebnisse aber nicht. Das Problem ist das Gen. Den Medizinern ist es möglich, jenes Gen in die Ratte einzuschleusen. Diese Methode beim Menschen anzuwenden, ist nach dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand jedoch viel zu riskant. Mit diesem Wissen chirurgisch ins Gehirn einzugreifen, wäre ebenfalls keine gute Idee, da aufgrund der hochkomplexen Gehirnstruktur auch andere, wichtige Hirnareale verletzt werden können.

Transkranielle Magnetstimulation als Hoffnung für Suchtgeplagte?

In der Migränemedizin führte die Transkranielle Magnetstimulation, kurz TMS, bereits zu großen Erfolgen. Dabei werden ähnlich der Laserstrahlentherapie magnetische Impulse von außen auf das Gehirn übertragen. Durch diese sehr starken Magnetfelder werden bestimmte Hirnareale wahlweise stimuliert oder gehemmt, weshalb sich auch die Psychologie mittlerweile mit dieser Therapiemethode auseinandersetzt. Die genaue Wirkungsweise von TMS ist noch nicht erforscht. Mediziner gehen davon aus, dass die Magnetfelder, die unser Hirn steuernden, elektrische Impulse unterbrechen. Damit währen gewisse Vorgänge im Gehirn direkt beeinflussbar. Was bei Migränepatienten bereits funktioniert, führte nun auch in der Suchttherapie zu ersten Erfolgen. Und das Gute daran: Bei den Probanden handelte es sich nicht um Ratten, sondern um Menschen.

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