Serie Volkskrankheiten - Teil 2

Rückenschmerzen: Bandscheiben-Mythen und Krankenkassen-Wege

Rückenschmerz: Darüber hat evivam schon berichtet. Doch was, wenn sie einfach nicht mehr weggehen und drohen, chronisch zu werden? eVivam hat bei der Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse nachgefragt.

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Voklskrankheit: Rückenschmerz und die Krankenkasse

Nur zwei bis drei Prozent der Rückenschmerzen gehen auf einen Bandscheibenvorfall zurück.

Wenn du Schmerzen im Rücken hast, bist du nicht allein: 85 Prozent der Deutschen haben es irgendwann in ihrem Leben „im Rücken". Laut Barmer solltest du unter anderem zum Arzt gehen, wenn die Beschwerden neu auftreten, wenn sie länger als sechs Wochen anhalten, wenn sie wiederkehren, schlimmer werden, oder, wenn Ratschläge, vorbeugendes Training oder akute Behandlungen nicht weiterhelfen.

Die Statistik

70 Prozent aller Rückenschmerzen fallen auf Probleme rund um deine Lendenwirbelsäule zurück. Und das, obwohl sie an der Stelle die größten Wirbel, die dicksten Bandscheiben und die meisten Muskeln hat. Allerdings trägt dieser Teil auch den größten Teil deines Körpergewichts. Das gelingt ihm in der Regel gut, solange deine Muskulatur dort gut ausgeprägt ist und deine Bänder elastisch sind. Die Bandscheibe selbst macht für sich genommen eigentlich keine Probleme. Dennoch werden in Deutschland jährlich 60.000 Menschen an der Bandscheibe operiert. Oft ohne Erfolg, wenn die nämlich nicht Ursache für die Rückenschmerzen war.

Das sagt der Experte

„Nur zwei bis drei Prozent der Rückenschmerzen gehen auf einen Bandscheibenvorfall zurück. Zugleich weckt ihr Name eine völlig falsche Vorstellung. (...) Eine Bandscheibe schmerzt selbst gar nicht, denn sie besitzt kaum Rezeptoren, die die notwendigen Signale ans Gehirn senden könnten," schreibt Dr. Ingo Froböse in dem Buch namens Rücken-Akut-Training. Kommt es allerdings zum Bandscheiben-Vorfall, bei dem der gallertartige Kern der Scheibe nach vorne fällt, kann das Bandscheibengewebe auf einen Nerv drücken. Das verursacht eine Entzündung. Und die schmerzt.

Programme von Krankenkassen

  • Zweitmeinung
Nach einer Bandscheinen-OP bildet sich laut Froböse immer Narbengewebe an der Nervenwurzel. Die schränkt deine Bewegung ein und bereitet möglicherweise Schmerzen. Ein Weg, den die Krankenkassen gehen, um dich vor etwaigen unnötigen Bandscheiben-Operationen mit Nebenwirkungen zu bewahren, lautet Zweitmeinung. Beispielsweise bietet die Barmer GEK ihren Versicherten seit 2013 das bundesweite Pro-Rücken-Programm an. Laut Barmer-Krankenhausreport hätten sich seitdem mehr als 400 Patienten darauf eingelassen. In vier von zehn Fällen hätten sich die Betroffenen dann letztlich gegen die Operation entschieden. Konkret rufen die Versicherten den sogenannten Tele-Doktor an, der sie dann an einen Arzt für die Zweitmeinung vermittelt.
Auch die Techniker Krankenkasse setzt auf eine zweite Meinung. Die erhalten ihre Versicherten im Rahmen einer interdisziplinären Untersuchung in einem von 34 Schmerzzentren durch einen Physio-, Psycho- und Schmerztherapeuten.
Das Ziel dieser zweiten Meinung ist klar: Du sollst bei einer so gewichtigen Entscheidung abwägen und Informationen über alternative Behandlungsmethoden erhalten.
Rückenschmerzen

Meist – da sind sich Experten einig – entstehen Rückenschmerzen durch eine unzureichend trainierte Muskulatur, mangelnde Flexibilität von Bändern und Sehnen sowie Stress, und eben nicht durch Bandscheibenprobleme oder beschädigte Wirbel. Bleibt ein Schmerz ohne akute Gefahr, ist er chronisch geworden. Er hat sich also förmlich eingebrannt. Dann ist nicht mehr klar, woher der Schmerz eigentlich kommt. Wann ein Schmerz chronisch wird, ist individuell verschieden. Die Rede ist oft von einem Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten. Dein behandelnder Experte fokussiert dann die Schmerzreduktion. Entsprechende Behandlungen werden dann kostspielig. Und die Lebensqualität leidet.

Programme von Krankenkassen

  • Fachübergreifende Behandlung
Diese Behandlung heißt auch multimodale Rückenschmerztherapie. Um zu verhindern, dass Rückenschmerzen chronisch werden, hat die Techniker Krankenkasse zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie für ihre Versicherten ein Konzept erarbeitet, bei dem Fachärzte, Verhaltens- und Physiotherapeuten zusammenarbeiten. Durch die Kombination aus Schmerzbehandlung, Physio- und Verhaltenstherapie könne die Behandlung innerhalb von drei Wochen abgeschlossen werden oder bei Bedarf fünf weitere Wochen verlängern.
Wenn auch nicht bundesweit hat die Barmer regionale Angebote zur multimodalen Therapie für Rückenschmerzpatienten für arbeitsunfähigen Patienten Berlin und Hamburg.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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