Ab zum Arzt, Männer!

Männersache: Welcher PSA-Wert ist normal?

Prostatakrebs ist der häufigste Männerkrebs. Der PSA-Wert liefert Hinweise auf ihn. Doch welcher PSA-Wert ist normal? Und wie aussagekräftig ist der PSA-Test?

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PSA-Wert bei Männern

Vorsorge gegen Prostata-Krebs ist ein "Muss" für Männer ab 45: Kennen Sie Ihren PSA-Wert?

Männer gelten nach wie vor als echte Gesundheitsmuffel, für die Vorsorge und Früherkennung Fremdwörter sind. Das ist auch ein Grund, warum Ärzte beim starken Geschlecht Krankheiten oft spät erkennen und sie rund fünf Jahre kürzer leben als Frauen. Auch bei den Fragen „Was ist ein PSA-Test?“ und „Welcher PSA-Wert ist normal?“ schütteln viele Männer ahnungslos den Kopf. Dabei ist PSA, die Abkürzung für das prostata-spezifische Antigen, auch für gesunde Männer enorm wichtig. Die Prostatazellen produzieren dieses Eiweiß und schütten es in die Samenflüssigkeit aus. PSA verdünnt das Sperma und sorgt dafür, dass die Spermien besser beweglich sind. Ist der PSA-Wert erhöht, kann dies jedoch ein Anzeichen für Prostatakrebs sein, muss es aber nicht zwangsläufig.

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Was ist ein PSA-Test?

Der PSA-Test hat zum Ziel, Prostatakrebs frühzeitig aufzuspüren, bevor er Symptome verursacht, weit fortgeschritten ist und in andere Organe gestreut hat. Gut ist, dass Prostatakrebs in der Regel langsam wächst. Tückisch ist, dass Männer erst spät Beschwerden verspüren. Der PSA-Test bestimmt die Konzentration dieses Eiweißes im Blut anhand einer Blutprobe. Bis das Ergebnis aus dem Labor vorliegt, dauert es meist einige Tage. Normalerweise finden sich im roten Saft nur geringe PSA-Mengen. Prostatakrebszellen produzieren jedoch bis zu zwölfmal so viel PSA wie gesunde Prostatazellen.

Welcher PSA-Wert ist normal?

Gesunde Männer haben einen PSA-Wert von 0 bis 4 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml). Die Deutschen Fachgesellschaften haben sich auf folgende auffällige PSA-Werte geeinigt, die weitere Untersuchungen notwendig machen:
  • der PSA-Wert liegt über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml); eine zweite Messung bestätigt diesen Wert oder
  • der PSA-Wert steigt bei mehreren Messungen deutlich an.
Ein erhöhter PSA-Wert alleine reicht aber nicht aus, um Prostatakrebs zu diagnostizieren. PSA ist kein „Krebsmarker“, weshalb weitere Diagnosemethoden folgen. Zu beachten ist, dass auch das Labor und das jeweilige Messverfahren den PSA-Wert beeinflussen.

Auffälliger PSA-Wert: was nun?

Ist der PSA-Wert stark oder wiederholt erhöht, entnehmen Ärzte mit einer feinen Nadel eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Prostata, um die Diagnose „Prostatakrebs“ zu sichern. Ärzte sind sich aber nicht einig darüber, ab welchem PSA-Wert eine Biopsie ratsam ist. Die bislang größte Studie zum Thema PSA-Wert ergab, dass eine Biopsie schon ab 3 ng/ml empfehlenswert ist.
Folgende Empfehlungen gelten für Männer:
  • PSA-Wert < 2 ng/ml und unauffälliger Tastbefund der Prostata: Kontrolle in zwei Jahren
  • PSA-Wert 2 bis 4 ng/ml: Kontrolle in einem Jahr
  • PSA-Wert > 4 ng/ml: Gewebeprobe, um Prostatakrebs auszuschließen
  • Jährlicher Anstieg des PSA-Wertes von mehr als 0,75 ng/ml: Gewebeprobe

Welche Faktoren erhöhen den PSA-Wert?

Ärzte kennen verschiedene Faktoren, welche die Ausschüttung von PSA ins Blut ankurbeln. Beispiele sind das Prostatakarzinom, aber auch eine akute oder chronische Prostataentzündung, eine gutartige Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie) oder der Druck auf die Prostata. Dies geschieht zum Beispiel bei der Ultraschalluntersuchung über den Enddarm (Transrektaler Ultraschall, TRUS) oder der digitalen rektalen Untersuchung (DRU) der Prostata; hier tastet der Arzt die Prostata mit dem Finger über den Enddarm ab. Die Blutentnahme findet deshalb immer vor solchen Untersuchungen statt. Aber auch Radfahren (Druck durch den Sattel) und ein Samenerguss beim Sex lassen den PSA-Wert kurzfristig klettern. Auch das Alter geht bei manchen Männern mit erhöhten PSA-Werten einher, ohne dass sie ein Prostatakarzinom haben.

Deshalb ist der PSA-Test umstritten

Nicht immer bedeutet ein erhöhter PSA-Wert also sofort Prostatakrebs. Umgekehrt schließen normale PSA-Werte ein Prostatakarzinom nicht aus. Diese mangelnde Sicherheit, Verlässlichkeit und Aussagekraft des PSA-Tests macht ihn so umstritten. Es ist auch der Grund, warum gesetzliche Krankenkassen ihn nicht als Maßnahme zu Krebsfrüherkennung akzeptieren und ihn nicht bezahlen. Ein PSA-Test kostet – inklusive Aufklärung und Untersuchungen – rund 50 Euro. Derzeit haben Männer ab 45 Jahren einmal jährlich Anspruch auf eine Tastuntersuchung der Prostata. Bei Prostatakrebs in der Familie beginnt die Früherkennung schon ab dem 40. Lebensjahr.

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PSA-Test ja oder nein? Mann ist gefragt!

Der PSA-Test liefert in manchen Fällen wichtige Hinweise auf Prostatakrebs. Ob Männer allerdings länger und besser leben, wenn sie regelmäßige PSA-Tests absolvieren, ist unklar. Diskutieren Sie mit Ihrem Urologen, ob der PSA-Test für Sie sinnvoll ist und welche Vor- und Nachteile er bringt. Anders ist dies bei Männern, die schon an Prostatakrebs erkrankt sind: Hier dient der PSA-Wert dazu, den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren.
Mehr Informationen zum PSA-Wert, zur aktuellen Studienlage und zu Prostatakrebs bieten:

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Ingrid Müller

von

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