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Potenzstörung: Stoßwellen für den Penis

Eine Potenzstörung trifft viele Männer im Lauf ihres Lebens. Für das starke Geschlecht ist es oft ein Schock, wenn der Penis streikt. Die Stoßwellentherapie hilft ihm vielleicht wieder auf die Beine.

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Potenzstörung

Potenzstörungen machen Männern Angst – eine neue Therapie hilft

Eine Potenzstörung ist der Albtraum vieler Männer. Es nagt an der Männlichkeit, wenn das beste Stück im entscheidenden Moment mitten im Liebesspiel schlapp macht. Doch der Penis ist ein äußerst sensibles Organ, das nicht immer mitmacht, wenn das starke Geschlecht es will. Eine Potenzstörung ist nichts Ungewöhnliches und erwischt viele Männer einmal im Leben. Die größten Potenzkiller sind Stress, Alkohol, Nikotin und manche Medikamente, aber auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Arterienverkalkung. Erst wenn etwa 70 Prozent der versuchten Erektionen innerhalb eines halben Jahres nicht klappen, weil der Penis nicht steif wird oder Mann die Erektion nicht lange aufrecht hält, sprechen Mediziner von einer Potenzstörung. Sie heißt auch Erektile Dysfunktion, Impotenz oder Erektionsstörung. Behandlungen gibt es zuhauf: Medikamente, zum Beispiel PDE-5-Hemmer, Injektionen in den Penis (SKAT), mechanische Erektionshilfen wie die Vakuumpumpe oder Schwellkörperimplantate. Auch natürliche Potenzmittel sind beliebt. Doch nicht allen Männern gefallen diese Behandlungen zur Stärkung der Manneskraft und manchmal wirken sie auch nicht ausreichend. Für sie gibt es jetzt vielleicht eine neue Alternative zu Medikamenten und unhandlichen Gerätschaften: Stoßwellen, die dem Penis auf die Beine helfen.

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Potenzstörung: Penis mit Schocktherapie stärken

Die Therapie gegen die Potenzstörung hat einen komplizierten und vielleicht auch beängstigenden Namen: niedrigenergetische extrakorporale Stoßwellentherapie, abgekürzt LESWT. Das Gerät, das die Stoßwellen erzeugt und den Penis traktiert, entspricht einem Zertrümmerer. Damit rücken Ärzte auch Gallensteinen oder Nierensteinen zu Leibe und zerlegen sie in kleine Stückchen. Der Unterschied ist nur, dass die Stoßwellen dem Penis nicht mit ganz so viel Energie zusetzen. Statt 900 bar wenden Urologen meist nur einen Bruchteil (100 bar) an. Zunächst strecken Ärzte das beste Stück und verpassen ihm an einigen Punkten gezielt Stoßwellen. Die Idee ist, dass Gewebe im Penis so weit zu stärken, dass sich dieser wieder aus freien Stücken und für längere Zeit aufrichtet. Durch die Schocktherapie bilden sich neue Blutgefäße und Muskelzellen und die Potenzstörung wäre dauerhaft behoben, so die Hoffnung.

Stoßwellen helfen manchen Männern mit Potenzstörung

Die Forscher der polnischen Universität Breslau analysierten eine Reihe von Studien zur Stoßwellentherapie bei Potenzstörung, um zu sehen, wie wirksam die Therapie tatsächlich ist. Einige der Untersuchungen hatten aber nur wenige Teilnehmer oder testeten die Stoßwellentherapie nicht gegen eine Scheinbehandlung (Placebo). Diese Faktoren schränken die Aussagekraft der Studienergebnisse ein. Dennoch fanden die Forscher heraus, dass die Schocktherapie vielen Männern half: Das Ausmaß der Erektilen Dysfunktion nahm ab, die Härte und der Umfang des Penis stiegen und die Männer waren zufriedener als mit herkömmlichen Behandlungen. Die Wirkung blieb zudem über einige Monate erhalten und manche Männer verzichteten fortan auf Medikamente wie PDE-5-Hemmer oder Injektionen in den Penis. Auch sprachen einige Männer mit Potenzstörung auf die Stoßwellentherapie an, denen PDE-5-Hemmer zuvor nicht geholfen hatten.

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Schocktherapie bei Potenzstörung noch mit Vorsicht zu genießen

Ärzte wissen, dass das Prinzip der Stoßwellen wirkt – auch wenn die Studienergebnisse äußerst uneinheitlich sind. Unklar ist aber noch, wie Urologen die Stoßwellentherapie genau anwenden: Mit welchem Gerät? Wie viele Stoßwellen? Wie oft? Wie lange? Diese Fragen sind noch weitgehend offen. Es gibt viele Gerätehersteller, die allesamt unterschiedliche Geräte produzieren. Und ein Protokoll, wie Ärzte bei Ihren Patienten vorgehen, existiert ebenfalls nicht. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung nicht, Patienten bezahlen sie aus eigener Tasche. Bevor die Schocktherapie als Standard in der Behandlung von Potenzstörungen gilt, bedarf es noch größerer Studien, sagen Experten.
Auch wenn die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind: Die energetische Behandlung des Penis ist für manche Männer vielleicht eine Alternative zu gängigen Behandlungen. Allein in Deutschland erleben rund 20 Prozent aller Männer zwischen 30 und 80 Jahren, dass ihr Penis ab und zu oder dauerhaft den Dienst verweigert. Hochgerechnet sind das etwa fünf Millionen Männer mit einer Potenzstörung.

Potenz-Mittel

Ingrid Müller

von

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