Tipps vom Experten

Einmal zum Laktattest, bitte: Wie sinnvoll ist das für Hobbysportler?

Du willst wissen, ob dir ein Laktattest etwas bringen kann? Dr. Markus de Marées vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule Köln erläutert, wann so ein Test sinnvoll ist.

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Laktatdiagnostik: Atemgas- und Blutdianalyse

Die Laktat-Konzentration in deinem Körper lässt Rückschlüsse darüber zu, wie er die Energie bereitstellt. Die gängigen Verfahren heißen Atemgas- oder Blutanalyse. Die Atemgasanalyse heißt im Fachjargon auch Spiroergometrie, die Blutanalyse Laktatdiagnostik.

Was bist du für ein Sporttyp? Wenn du zu denjenigen gehörst, die beispielsweise immer dieselbe Strecke joggen, immer in derselben Richtung und in derselben Zeit, können ein paar Kniffe helfen, deine Gewohnheiten zu verändern und Grenzen zu verschieben. Eigentlich ist der eine Kniff eher ein Piks in dein Ohrläppchen: Die Rede ist von einem Laktattest. Doch kommt der für dich infrage und wenn ja, unter welchen Umständen?

Wann ist ein Laktattest sinnvoll?

„Ein Laktattest macht Sinn, wenn du deinen Status Quo verändern und beim nächsten Zehn-Kilometer-Lauf deine Laufleistung deutlich verbessern willst“, sagt Dr. Markus de Marées vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er fügt einen Vorteil des Laktattests an: „Die Handlungssicherheit in Bezug auf die eigenen Grenzen steigt.“ Ohne Laktatdiagnostik geht’s aber auch: „Zum Beispiel, indem du deine bestehende Acht-Kilometer-Runde ausmisst und in Intervalle einteilst. Dann läufst du bestimmte Abschnitte in schnellerem Tempo. Nach einiger Zeit kennst du dein Optimum und brauchst nur noch 35 statt 40 Minuten. Oder du läufst eine bestimmte Strecke zwölf Mal, so schnell du kannst.“
Dr. Markus de Marées

Dr. Markus de Marées arbeitet am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Die Laktatdiagnostik ist typisch deutsch, vielleicht sogar typisch für Köln."

Das Salz deiner Milchsäure

Laktat heißt das Salz der Milchsäure in deinem Körper. Es entsteht durch einen bestimmten Stoffwechselvorgang: nämlich dann, wenn du in kürzester Zeit viel Energie benötigst. Wann der Energiebedarf eintritt, hängt von deiner Körperkonstitution und deinem Trainingszustand ab. Im Prinzip wandelt dein Körper das sogenannte Pyrovat, ein Zwischenprodukt aus Glukose oder grob gesagt aus Kohlehydraten, in Laktat um. Dieser energieliefernde Prozess heißt anaerob-laktazid, grob übersetzt heißt das ohne Sauerstoff unter Bildung von Laktat. Der Vorgang selbst heißt auch unvollständige Glykolyse.

Laktattests = Blutanalyse und Laufen auf Tempo

Bei der Laktatdiagnostik und den Tests messen Ärzte die Laktat-Konzentration in deinem Körper. Die lässt nämlich Rückschlüsse darüber zu, ob er die Energie durch die unvollständige Glykolyse bereitstellt. Die gängigen Verfahren heißen Atemgas- oder Blutanalyse. Die Atemgasanalyse heißt im Fachjargon auch Spiroergometrie, die Blutanalyse Laktatdiagnostik.
„Die Laktatdiagnostik ist typisch deutsch, vielleicht sogar typisch für Köln“, erläutert de Marées. In der angelsächsischen Sport-Welt arbeite man bevorzugt mit der maximalen Sauerstoffaufnahme samt Spiroergometrie und anderen Parametern.
Einen Tag vor dem Gespräch hat de Marées mit seinem Team die Laktatwerte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei bestimmt: zwölf ähnliche Tests. Seit zehn Jahren betreuen sie leistungsdiagnostisch auch die Fußballspieler von Bayer 04 Leverkusen.

Was passiert bei dem Test genau?

Für die Tests gibt es zwei Settings: das Labor und die Laufstrecke. Am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik läufst du als Otto-Normal-Läufer zunächst fünf Minuten mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Nach 30 Sekunden Pause läufst du wieder fünf Minuten lang mit acht Kilometern pro Stunde, nach der ebenso langen Pause geht es mit zehn Kilometern pro Stunde weiter, in den Pausen nehmen dir die Mitarbeiter jedes Mal Blut ab. In Köln piksen sie dir dazu ins Ohrläppchen. Das sei, so de Marées, im Vergleich zur Fingerkuppe weniger schmerzhaft. Zudem sei die Infektionsgefahr geringer, da man mit dem Ohrläppchen nicht so viel anfasse, erläutert de Marées schmunzelnd.
Die Laktatkonzentration wird in Millimol gemessen. Neben der Laktatkurve, die in ein Koordinatensystem eingetragen wird, spielt auch der Verlauf der Herzfrequenz eine entscheidende Rolle, um die sogenannte Dauerleistungsgrenze abzuleiten: die Grenze, in der du besonders effektiv läufst. Je nach Trainingsziel gibt es andere Laktatschwellen, die das festmachen: „Bei einem Fünf-Kilometer-Lauf liegt die Schwelle eher über vier Millimol, bei einem Marathonlauf bei über zwei Millimol“, sagt de Marées.

Wo kannst du ihn machen?

Am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik kannst du keinen Laktattest machen. Schließlich sollen die Ergebnisse der Forschung zugute kommen, da sind längere Bertreuungszeiträume und große Gruppen wichtig. Generell empfiehlt de Marées, einen Sportmediziner aufzusuchen. „Ein Sportmediziner kann dich beraten und ein medizinisches Gutachten erstellen. Und er kann deinen Gesundheitshintergrund einschätzen und im Falle einer Überanstrengung auch reagieren“, empfiehlt er. Am Ende sollte aus dem Laktattest auch eine Trainingsempfehlung hervorgehen. Auch das traut de Marées nur Experten zu.

Was kostet so ein Laktattest?

So ein Test dauert circa anderthalb Stunden. Dr. Markus de Marées: „Je nach trainingswissenschaftlicher Betreuungsintensität kostet so ein Test zwischen 150 und 300 Euro.“
An einem Kölner Trainingsinstitut kostet so eine Laktat-Leistungsdiagnostik zwischen 90 und 210 Euro, abhängig vom Trainingsplan-Zeitraum.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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