Lach mal wieder!

Ist Lachen wirklich gesund? Das sagt die Medizin!

Lachen gilt als äußerst gesund. Doch stimmt das wirklich? Was die Medizin über die gesundheitlichen Wirkungen eines sonnigen Gemüts weiß.

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Lachende Frau im Park

Lachen ist gesund! Und Vergnügte kommen besser bei anderen an als Stinkstiefel

Lachen gilt als sehr gesund, weil es das Immunsystem stärkt, locker macht, die Stimmung hebt, andere ansteckt und Menschen miteinander verbindet. Letzteres weiß jeder, der schon einmal auf der Straße unvermittelt ein Lächeln geschenkt bekommen hat. Doch mit den Jahren haben viele immer weniger Grund zur Erheiterung: Ein Kind lächelt noch rund 400 Mal am Tag, Erwachsene bringen es angeblich auf gerade 15 Mal. Auch die Dauer der täglichen Lachsalven geht in den Keller: In den 50-er Jahren glucksten die Menschen noch 18 Minuten pro Tag, heute nur noch sechs, haben Lachforscher ausgerechnet. Lustigsein ist körperliche Schwerstarbeit: Mehr als 100 Muskeln sind in Aktion, wenn ein Mensch kichert oder sich vor Lachen biegt – von den Muskeln im Gesicht bis hin zur Atemmuskulatur. Sind Spaßmacher gesünder als Stimmungsmuffel? Mit dieser Frage beschäftigen sich Lachforscher in einem eigenen Fachgebiet, der Gelotologie.

"Kichererbsen": So wirkt Lachen auf den Körper

Herumalbern bringt das Immunsystem in Schwung. Das zeigen Experimente, bei denen Forscher den Probanden während des Lachens Blut abzapften und im Anschluss analysierten. Die Zahl weißer Blutkörperchen und anderer Immunzellen nahm zu; diese sind für die Abwehr von Eindringlingen zuständig, zum Beispiel Bakterien oder Viren. Wissenschaftler nehmen deshalb an, dass Heiterkeit sogar Krankheiten wie Erkältungen vorbeugt. Wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Effekte aber noch nicht.
Wer lacht, atmet häufiger und tiefer ein. Der gesamte Körper wird besser mit Blut und damit Sauerstoff versorgt. Zudem verbessert Lachen die Elastizität der Lunge, stimuliert die Atemmuskulatur und erhöht die gesamte Fitness. Auch das Herz und der Kreislauf kommen auf Touren. Kurzfristig wirkt ein Lachanfall wie Sport, erhöht also die Herzfrequenz. Langfristig trägt regelmäßige Heiterkeit eventuell zu einem gesunden Blutdruck bei. Selbst Verspannungen und Schmerzen lassen sich weglachen. So benötigten in einer Studie frisch Operierte weniger Schmerzmittel, wenn sie lustige statt ernste Videos guckten. Insgesamt verbessert Lachen das körperliche Wohlbefinden. Vermutlich beeinflusst es den Verlauf von Krankheiten positiv und fördert die Genesung.

Psyche: Gelächter sorgt für intensive Glücksgefühle

Lachen tut nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut. Wer öfters gut gestimmt ist, erhellt sein Gemüt, wird heiterer und blickt optimistischer in die Zukunft. Die allgemeine Grundstimmung lässt sich durch regelmäßiges Lachen positiv beeinflussen. Menschen erleben intensive Glücksgefühle und einen regelrechten Rauschzustand, in dem der Körper Glücksbotenstoffe freisetzt. Zu diesen Endorphinen zählen zum Beispiel Serotonin oder Dopamin. Auch beim Sport oder Sex schüttet der Organismus sie aus.
Herzhaftes Lachen vertreibt beruflichen und privaten Stress und entspannt. So gehen Sie gelassener mit Belastungen und Problemen um, die Ihnen normalerweise den letzten Nerv rauben. Über den Stressabbau schützt ein sonniges Gemüt eventuell auch vor einem Herzinfarkt oder einer Erkältung, glauben Forscher. Häufiges Vergnügtsein dämpft die negativen Auswirkungen, die Nöte, Sorgen und Stress auf den Körper haben - oder verhindert diese sogar ganz. Zuletzt besitzen fröhliche Menschen immer eine positivere Ausstrahlung als Spaßbremsen und Stinkstiefel! Und das bekommen sie meist als freundliche Reaktion von anderen zurück.

Spaßmacher sind ein sozialer Klebstoff

In Job und Alltag beeinflussen muntere Menschen die Kommunikation und das soziale Miteinander. Ein „Pausenclown“ im Büroteam, der ab und an Witze macht, lockert eine spannungsgeladene Stimmung oft erheblich auf. Das Klima verändert sich zum Positiven, was sich wiederum auf das Gemeinschaftsgefühl, die Motivation, Leistungsfähigkeit und die Arbeitsergebnisse auswirkt. So baut regelmäßiges Lachen zwischenmenschliche Barrieren ab und schweißt Teams in der Schule oder am Arbeitsplatz sowie Familie und Freunde zusammen. Lachen ist ein guter sozialer Kitt! Lachen fördert zudem das Selbstvertrauen. Selbst schüchterne Menschen lernen so, sich zu öffnen und auf andere zuzugehen. Lachen können Sie lernen mit verschiedenen Trainings - vom Lachyoga, Humortraining bis hin zur Clowntherapie.

Lachyoga: Werden Sie ein Huhn!

Das Lachyoga geht auf den indischen Arzt Madan Kataria zurück, der als erster mit anderen einen Lachclub gründete. Sie erzählten sich Witze und lachten so viel, dass sie sich den ganzen Tag über gut und glücklich fühlten. Dann entwickelte er mit seiner Frau, einer Yogalehrerin, das Lachyogatraining „Lachen ohne Grund“. Denn Witze braucht ein Mensch nicht zwingend, um vergnügt zu sein. Es besteht aus Yoga-Atemübungen (Pranayama), die Sauerstoff in die Lunge strömen lassen und Sie zur Ruhe kommen lassen. Das tiefe Ein- und Ausatmen ist auch ein wesentlicher Bestandteil des Yoga.
Dazu kommen Stretching und pantomimische Lachübungen, bei denen Sie zum Beispiel Tiere imitieren oder Grimassen schneiden, als hätten Sie eine scharfe Suppe gegessen. Die verschiedenen Lachübungen sind für manche vielleicht zunächst gewöhnungsbedürftig: Beim Hoho-Hahaha-Lachen klatschen Sie gleichzeitig in die Hände, gehen auf andere zu und lächeln sie an - das wirkt ansteckend. Beim Milchshake-Lachen halten Sie in jeder Hand imaginär ein Glas, schütten Milch von einem ins andere, trinken, rufen anschließend laut „eeeeey“, „aaaaaah“ oder „iiiiiiih“ und lachen laut und herzlich. Beim Löwenlachen imitieren Sie das gefährliche Raubtier pantomimisch mit ausgefahrenen Krallen und aufgerissenem Mund, während sie beim Giggeln wie ein Huhn gackern und herumstolzieren. Aber die Übungen wirken, probieren Sie es aus! Vermutlich bringt schon die Beobachtung der anderen Ihre Lachmuskeln in Bewegung. Heute gibt es Tausende von Lachclubs überall auf der Welt. Unter lachclub.info finden Sie eine Übersicht über alle Lachclubs in Ihrer Nähe.

Humortraining für Chefs und Mitarbeiter

In vielen Büros herrscht Dauerstress und eine explosive Stimmung, wenn der Druck und die Belastung zu groß werden. Der Job ist oft eine spaßfreie Zone, in der es kaum Lustiges gibt. Dabei entspannt Lachen, vertreibt verpestete Luft, verbessert die Kommunikation, fördert das soziale Miteinander, die Freude und die Motivation. Durch das Training entdecken Sie Ihren Sinn für Humor wieder, lernen, sich selbst auf den Arm und weniger wichtig zu nehmen, üben Schlagfertigkeit und Wortwitz und bringen so mehr Vergnügen in den stressigen Alltag.

KlinikClowns bringen Kranke zum Lachen

KlinikClowns stecken zwar in weißen Kitteln, sind aber keine Ärzte, sondern oft professionelle Schauspieler. Sie tragen rote Pappnasen, Hüte, Blumen auf dem Kopf und viel Schminke im Gesicht. Die Idee der Clownsvisiten in Kliniken entstand Mitte der 80er Jahre in den USA. Michael Christensen ist der Begründer der weltweiten Bewegung, die es heute in vielen Ländern gibt. KlinikClowns besuchen Kinder in Kliniken, erwachsene Patienten in Senioren- und Pflegeeinrichtungen oder Palliativstationen. Das gemeinsame Feixen, Losprusten und Kaputtlachen lindert Schmerzen, beeinflusst den Krankheitsverlauf positiv und fördert die Genesung. Mehr Infos zu den KlinikClowns bietet der Dachverband Clowns in Medizin und Pflege.
Tipp! Einmaliges Lachen am Tag genügt nicht, damit miese Stimmung flöten geht! Das Vergnügtsein trainieren Sie am besten in Kursen. Der Europäische Berufsverband für Lachyoga und Humortraining e.V. bietet sie an.
Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.