Per Bewegungsanalyse zum besseren Sportler

IFD: Nichts bleibt verborgen – Körper-Check mit High-Tech!

Ob Fehlstellung, Bänderverletzung oder Bandscheibenvorfall – im IFD Cologne kommen dank modernster Technik körperliche Defizite ans Licht, die sonst im Verborgenen bleiben. Redakteur Jan Denkena hat es ausprobiert.

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Zum IFD kommen Sportler, um ihren Laufstil zu optimieren oder auch schwerwiegendere Probleme anzugehen – und finden sich danach als digitale Modelle (im Bild) im Computer wieder.

Effektiver trainieren, gesünder laufen, Verletzungen erkennen und vorbeugen – das Institut für funktionelle Diagnostik (IFD Cologne) bietet seit Sommer 2014 Untersuchungen für Hobby- und Profisportler an, die mit modernster Analysetechnik arbeitet. Unter dem starren Blick zahlreicher Kameraaugen und Messsensoren tummeln sich hier Frischluftfanatiker, die in ihrem Hobby – dem Laufen – vorankommen wollen ebenso wie Berufsfußballer. Rund ein Dutzend Spieler von Fußball-Erstligist Bayer 04 Leverkusen haben beispielsweise das IFD zur Prävention besucht, um Probleme im Bewegungsablauf frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Nationalspieler Karim Bellarabi hat sich hier während seiner Reha untersuchen und anleiten lassen, um schneller wieder auf die Beine beziehungsweise aufs Spielfeld zu kommen. COMPUTER BILD-Redakteur Jan Denkena hat sich die Untersuchungsmethoden genauer angeschaut.

IFD-Besetzung: Der Mannschaftsarzt lässt grüßen

Neben den Kameras beäugen natürlich auch Ärzte die Probanden, die im IFD vorturnen. Unter den Doktoren finden sich mehrere Mannschaftsärzte: Dr. Burak Yildirim von Bayer 04 Leverkusen, Dr. Paul Klein vom 1. FC Köln, Dr. Thomas Stock von den Eishockeyprofis der Kölner Haie und Dr. Matthias Säugling vom Kölner Eishockey Vereins „KEC“. Außerdem praktiziert im IFD Dr. Gert-Peter Brüggemann, der Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln, der auch gleich ein paar Wissenschaftler seines Instituts zur Unterstützung ins IFD eingebracht hat.

Was wird untersucht?

Der Bewegungsapparat hüftabwärts und eventuelle Auswirkungen auf den Rücken stehen im Fokus der Untersuchungen. Das Zusammenspiel von Muskeln, Knochen, Sehnen und Bändern wird genau unter die Lupe genommen. Bekannte Untersuchungsmethoden wie Röntgen oder Kernspintomograhie kommen zwar auch zur Anwendung, der Clou aber sind die Analyseverfahren, die sich in ihrer Kombination deutschlandweit wohl kaum ein zweites Mal finden. Messtechnik im Wert von rund 700.000 Euro kommt hier zum Einsatz. Also: Rein in die Sportklamotten, die möglichst eng am Körper anliegen sollten, und hinein in den Untersuchungs-Parcour!
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Redakteur Jan Denkena (links) lässt sich von Dr. Hauke Dewitz die Technik hinter der Bewegungsanalyse erklären.

3D-Bewegungsanalyse: Hier muss man Federn lassen!

Am spektakulärsten ist die 3D-Bewegungsanalyse: Zwölf Infrarotkameras zeichnen die Bewegungen von 40 neuralgischen Punkten an Fuß, Bein und Hüfte auf. Schon das Anbringen dieser Reflektoren dauert 30 Minuten. Nach diesem Prinzip werden übrigens auch Compter-generierte Charaktere wie Gollum zum Leben erweckt. Im Zusammenspiel mit bis zu 16 Elektromyographie-Sensoren, die die Muskeltätigkeit messen, lässt sich eine präzise Analyse von Bewegungsabläufen erstellen und möglichen Schwachstellen im Körper: Bewegen sich Beine und Hüfte regelgerecht? Leisten alle Muskelgruppen ihren Beitrag? Um das herauszufinden, geht und läuft Jan, macht Kniebeugen oder springt in die Höhe – dabei kommt er schon etwas ins Schwitzen! Und ein paar "Federn" muss er dabei auch lassen: Damit die Sensoren beim Vorturnen halten, werden ein paar Quadratzentimeter Beinhaare abrasiert – was tut man nicht alles im Namen der Wissenschaft! Danach ahnt der Freizeitsportler: Einige Übungen ließen sich perfekter ausführen, wenn man häufiger trainieren würde.

3D-Körperscan: Digitales Ich

Vier Messsäulen mit vier Lasern und acht hochauflösenden Kameras (Messgenauigkeit = 1 mm) sorgen dafür, dass nach wenigen Sekunden ein 3D-Modell des Körpers auf dem Computer landet. Dazu stellt sich Jan auf ein Podest, das vom Messgestell und dunklen Vorhängen umgeben ist. Rotes Laserlicht, in seiner geringen Konzentration ungefährlich für die Augen, wandert am Körper herab – das wirkt sehr futuristisch! Im Anschluss beurteilt der behandelnde Arzt, ob Becken- oder Schulterschiefstände vorliegen und ob etwa ein Bein länger ist als das andere. Über zwei Bodenplatten mit integrierten Waagen lässt sich die Gewichtsverteilung im Stand beurteilen. Das alles dauert nur wenige Minuten.

3D-Fußscan: Ab in die Box!

Eine Nummer kleiner fällt der 3D-Fußscanner aus: Der Fuß steckt dabei in einer Sporttaschen-großen Metallbox, in der wie bei der großen Version vier Laser und acht Kameras sitzen. In Kombination mit einer sogenannten plantaren Druckverteilungsmessung lässt sich über diese Untersuchung zum Beispiel die Erstellung von passgenauen Einlagen vereinfachen. Die Druckverteilungsmessung in Bewegung gibt unter anderem Aufschluss darüber, wie stark einzelne Fußpartien beansprucht sind.

Resümee: Erst High-Tech, dann Knochenarbeit!

Wer den kompletten Technik-Parcour durchläuft, ist für mehrere Stunden beschäftigt, allein das Anbringen der zahlreichen Sensoren dauert eine halbe Stunde. Entsprechend hoch sind auch die Kosten: Bis zu 1.800 Euro muss der Sportler berappen. Dafür kann er sich auf Wunsch auch einen der Mannschaftsärzte als Behandler aussuchen. Eine Analyse auf dem Laufband gibt es ab 200 Euro, Termine dafür auch spontan. Wer sich gründlich checken lassen möchte, muss mit zwei bis drei Wochen Wartezeit rechnen. Erste Tipps erhält der Sportler sofort nach Untersuchung, die umfassende Auswertung einer Volluntersuchung erfolgt einige Tage später. Was man dann zu sehen bekommt, ist im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich: Videoaufnahmen zeigen das Vorgeturnte, parallel laufende Computer-Animationen geben die gemessenen Kräfte und Bewegungsrichtungen einzelner Körperpartien wieder. Körperliche Defizite kommen hier ungeschönt ans Licht, begleitet von Handlungs-Empfehlungen des Arztes. Und so folgt auf die Analyse die in der Regel bodenständigen Trainingsmaßnahmen, was bedeutet: Ackern und schwitzen, um den Muskelaufbau an den Schwachstellen des Körpers voranzutreiben. Das sind auch die Empfehlungen, die Jan mit auf den Weg bekommt – er hatte es schon geahnt ...
Die Bewegungsanalyse unseres Redakteurs Jan Denkena im IFD Cologne in Köln wurde durch das Institut unterstützt. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.