Allergie adé!

Hyposensibilisierung: Tablette, Tropfen oder Spritze?

Sie wollen ihre Allergie endgültig loswerden? Dann hilft nur eine Hyposensibilisierung! Es gibt sie als Spritze, Tablette oder Tropfen. Wie funktioniert die Spezifische Immuntherapie?

Datum:
Frau mit Tablette im Mund

Hyposensibilisierung mit Tablette: Wie gut funktioniert die Allergie-Impfung zum Schlucken?

Die Hyposensibilisierung ist die einzige Therapie, welche eine Allergie an der Wurzel packt und das Leiden ursächlich bekämpft. Andere Allergie-Medikamente lindern dagegen nur die Symptome wie tränenden Augen, Juckreiz oder die laufende Nase. Die Hyposensibilisierung heißt auch spezifische Immuntherapie, abgekürzt SIT. Sie eignet sich vor allem bei Allergien vom Soforttyp, bei denen die allergische Reaktion umgehend nach dem Kontakt mit dem Allergieauslöser einsetzt. Dazu gehören die Pollenallergie (Heuschnupfen), Hausstaub-, Schimmelpilz-, Tierhaar- oder Insektengiftallergie. Die Hyposensibilisierung gibt es heute entweder als Spritze, Tablette oder Lösung. Welche Vor- und Nachteile haben sie und welche Variante eignet sich für wen?

Galerie: Deutschlands beliebteste Allergiemedikamente

Hyposensibilisierung: So funktioniert die Allergie-Impfung!

Das Prinzip der Hyposensibilisierung ist, dass Patienten „ihren“ Allergieauslöser (Allergen) in steigender Dosierung zu sich nehmen. Und zwar so lange, bis die individuelle Höchstdosis erreicht ist (Erhaltungsdosis). Diese Allergen-Konzentration bekommen die Patienten dann für den gesamten Behandlungszeitraum. Nach und nach gewöhnt sich der Körper an das Allergen und das Immunsystem reagiert nicht mehr überschießend – die Allergie-Symptome nehmen erheblich ab oder verschwinden sogar ganz. Allergiker brauchen allerdings einen längeren Atem für die SIT und müssen dranbleiben, damit die Behandlung wirkt. Sie dauert mindestens drei Jahre, bei einer Insektengiftallergie sogar länger.
Bei der klassischen Hyposensibilisierung bekommen die Patienten zunächst einen wöchentlichen Piks. Ist die Erhaltungsdosis erreicht, genügt eine Spritze pro Monat. Diese Form beginnen Sie am besten einige Monate vor dem Start der Pollenflugzeit, also im Spätsommer oder Herbst. Die Kurzzeit-Hyposensibilisierung ist etwas für Spätentschlossene. Sie beginnt kurz vor der Pollensaison und wappnet Betroffene noch gegen die Quälgeister. Allergiker erhalten nur wenige Spritzen mit höheren Allergenkonzentrationen innerhalb kurzer Zeit, damit sie die Erhaltungsdosis schneller erreichen. Danach folgen wiederum monatliche Injektionen. Auch die Kurzzeit-SIT dauert drei Jahre.
Die Rush- oder Ultra-Rush-Hyposensibilisierung eignet sich für Insektengiftallergiker. Ärzte führen sie meist in der Klinik durch, weil Patienten mehrere Injektion täglich erhalten, um eine schnelle Toleranz gegenüber dem Allergieauslöser zu erzielen. Danach folgen monatliche Spitzen über drei Jahre.

Spritze, Tabletten oder Tropfen zur Hyposensibilisierung?

Eine Spritze empfinden die meisten Menschen eher als unangenehm und wagen sich deshalb oft nicht an die SIT. Der Arzt injiziert das Allergen ins Unterhautfettgewebe, meist an der Rückseite des Unterarms. Oft wählen Ärzte ein Präparat mit Depotwirkung, welches den Wirkstoff verzögert freisetzt. Dann sind weniger Injektionen nötig, die Zeitabstände sind länger und die Arzneien sind besser verträglich.
Angenehmer erscheinen vielen Allergikern dagegen Tabletten oder Lösungen, die sie unter die Zunge legen oder träufeln. Patienten wenden sie selbst zu Hause an. Auch für Kinder ab fünf Jahren sind sie eine gute Möglichkeit, weil sie häufig Spritzen fürchten. Der Körper nimmt den Wirkstoff über die Mundschleimhaut auf. Die Tabletten und Tropfen bieten die Hersteller aber bislang nur für Patienten, die auf Gräserpollen oder Hausstaubmilben allergisch sind. Erhältlich sind fertige Präparate mit Allergenextrakten, die unterschiedliche Zusammensetzungen und Konzentrationen besitzen.

Galerie: So hilfst du dir selbst bei Heuschnupfen-Kreuzallergien

Hyposensibilisierung: Weniger Beschwerden, weniger Medikamente

Die Nebenwirkungen der Hyposensibilisierung sind heutzutage sehr gering. Die meisten Patienten vertragen die SIT gut. Während der Aufdosierungsphase des Allergens entwickeln sich manchmal allergische Reaktionen. Bei der „Anti-Allergie-Spritze“ kommt es in einigen Fällen zu Juckreiz und Schwellung an der Einstichstelle.
Spritzen, Tabletten und Tropfen sind gleich gut wirksam. Die Hyposensibilisierung lindert die allergischen Beschwerden, senkt den Medikamentenverbrauch und verhindert, dass allergisches Asthma entsteht. Bei rund 40 Prozent der Patienten mit Heuschnupfen wechselt die Allergie nämlich die „Etage“. Auch verhindert die SIT, dass ein Patient neu sensibilisiert wird und auf immer mehr harmlose Substanzen allergisch reagiert. Die Hyposensibilisierung ist umso erfolgreicher, je länger Sie diese durchhalten.
In der Schwangerschaft ist es nicht ratsam, eine Hyposensibilisierung zu beginnen. Das Gleiche gilt für Kinder unter fünf Jahren, weil Allergiker gut mitarbeiten müssen. Und dafür brauchen Sie ein gewisses Alter.
Tipp! Mehr Informationen rund um die Hyposensibilisierung bieten der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) und der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München.

Allergie-Medikamente

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.