Eingebildete Krankheit?

Hypochondrie – krankhafte Angst vor Krankheit

Hypochondrie ist eine psychische Störung. Betroffene quälen ausgeprägte Ängste, ernsthaft erkrankt zu sein. Für das vermeintliche Leiden liegt allerdings kein objektiver medizinischer Befund vor.

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Hypochondrie

Wirklich krank oder ist alles nur Einbildung? Hypochondrie ist eine weit verbreitete Störung.

Es gibt Krankheiten, unter denen ein Patient massiv leidet, während seine Mitmenschen ihn bestenfalls belächeln. Hypochondrie, die übersteigerte Angst, krank zu sein oder zu erkranken, gehört dazu. Der Begriff Hypochonder wird umgangssprachlich oft abfällig für einen wehleidigen Menschen gebraucht, einen eingebildeten Kranken. Tatsächlich handelt es sich aber um eine psychische Störung, durch die Betroffene unter der ausgeprägten Angst leiden, ernsthaft erkrankt zu sein, ohne dass ein objektiver Befund vorliegt. Dabei sind sie keine Simulanten, sondern empfinden Schmerzen oder andere körperliche Symptome wirklich.
Zehn bis 15 Prozent der Menschen sollen im Laufe ihres Lebens eine hypochondrische Phase erleben, rund fünf Prozent aller Patienten in der Hausarztpraxis sind laut einer WHO-Studie Hypochonder. Deutschland zählt international zu den Spitzenreitern für hohe Krankheitsangst. Die Krankheit trifft Frauen und Männer gleichermaßen.
Die Betroffenen recherchieren ihre eingebildete Krankheit oft intensiv bei Google, weswegen die Hypochondrie im medizinischen Fachjargon auch Morbus Google oder Cyberchondrie heißt.

Symptome: Angst vor tödlicher Krankheit

Husten ist ein sicherer Hinweis darauf, an Lungenkrebs erkrankt zu sein, Völlegefühl nach dem Essen Symptom eines Magengeschwürs. Ärzte sprechen von Hypochondrie, wenn Patienten übertrieben ihre Körperfunktionen beobachten und sie fehlinterpretieren. Ihre größte Angst ist, von einer tödlichen Krankheit betroffen zu sein. Bestätigt die Diagnose des Arztes ihre Ängste nicht, glauben sie an seine Ignoranz oder Inkompetenz. Sie beginnen eine Odyssee durch verschiedene Praxen, um endlich den Mediziner zu finden, der ihre Befürchtung bestätigt. Rund zehn Prozent der Hypochonder werden auf Dauer arbeitsunfähig. Sie können sich auf nichts Anderes mehr konzentrieren als auf ihre eingebildete Krankheit. Abgesehen von den hohen Kosten, die dadurch entstehen, leidet ihre Lebensqualität. Hypochondrie führt häufig in Frustration und Isolation oder mündet in andere psychische Erkrankungen, beispielsweise eine Depression.

Diagnose: Ausschluss körperlicher Krankheiten

Zuerst schließt der Arzt die körperlichen Krankheiten aus, die der Patient zu haben glaubt, oder ein körperliches Leiden, das zu den beschriebenen Symptomen passt. Dazu gehören beispielsweise hormonelle Störungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Multiple Sklerose. Sind all diese möglichen Ursachen abgeklärt, führt der nächste Arztbesuch zum Psychiater oder Psychologen. Die Diagnose Hypochondrie steht im Raum, wenn der Patient nach dem amerikanischen Diagnosekatalog (DSM-V) folgende Kriterien erfüllt.
- Er beschäftigt sich übertrieben mit Kranksein.
- Er hat keine oder nur milde körperliche Symptome.
- Er empfindet große Angst gegenüber Krankheiten.
- Er kümmert sich völlig überzogen um seine Gesundheit oder vermeidet Gesundheitsthemen.
- Seine Ängste bestehen seit mindestens sechs Monaten.
- Medizinische Untersuchen brachten keine Ergebnisse. Es liegt keine generelle Angst- oder Panikstörung vor. Die Hypochondrie ist die beste Erklärung für das Leiden des Patienten.

Behandlung: Eine Psychotherapie kann helfen

Gegen Hypochondrie gibt es keine Pillen, hilfreich ist möglicherweise aber eine kognitiv-behaviorale Psychotherapie. Sie verändert zum einen die Denkstrukturen des Patienten, indem der Patient erkennt, dass er die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken, völlig falsch einschätzt. Zum anderen ändert er sein Verhalten und rennt beispielsweise nicht mehr dauernd zum Arzt.
Die Prognose für Hypochonder, die eine Psychotherapie durchlaufen, ist sehr gut.

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Katrin Hoerner

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Wissen hilft, gesund zu bleiben.