Watte im Ohr

Hörsturz-Therapie: Welche Behandlung hilft?

Bei einem Hörsturz büßen Betroffene plötzlich auf einem Ohr ihr Hörvermögen ein. Welche Hörsturz-Therapie nützt? Und welche empfehlen Ärzte heute nicht mehr? Die Übersicht!

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Frau mit Kopfhörer

Gedämpftes Hören nach dem Hörsturz: Wenn plötzlich das Hörvermögen abnimmt!

Menschen mit einem Hörsturz fühlen sich, als hätten sie Watte im Ohr. Einseitig vermindert sich das Hörvermögen schlagartig. Ärzte schätzen, dass rund 150.000 Menschen in Deutschland einen Hörsturz erleiden. Häufig hören Betroffene nicht nur schlecht, sondern entwickeln oft zusätzlich einen Tinnitus, ein Druckgefühl auf dem Ohr und Schwindel. Die Hörsturz-Ursachen sind noch nicht genau bekannt. Eine Theorie ist, dass die Durchblutung und Energieversorgung im Innenohr gestört ist. In bis zu 70 Prozent der Fälle heilt die Ohrenerkrankung auch ohne Hörsturz-Therapie wieder aus. Suchen Sie aber immer einen HNO-Arzt auf, wenn die Hörminderung nach bis zu 48 Stunden noch immer besteht. Die Hörsturz-Behandlung zielt darauf ab, das Risiko für ein dauerhaft eingeschränktes Hörvermögen und chronischen Tinnitus zu vermindern.

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Hörsturz-Therapie mit Kortison als Infusion

Ärzte untersuchen zunächst das Ohr genau auf Entzündungen, Erkrankungen oder Verletzungen. Auch Ohrenschmalz oder ein erkranktes Mittelohr sind mögliche Ursachen für eine plötzliche Hörminderung. Dann folgt ein Hörtest, um den Grad der Hörminderung und das noch vorhandene Hörvermögen zu testen.
Einen akuten Hörsturz behandeln Ärzte heute mit hochdosiertem Kortison in einer Kochsalzlösung, die Sie als intravenöse Infusion erhalten. Auch Kortison-Tabletten sind möglich. Kortison wirkt entzündungshemmend und abschwellend, während das Kochsalz das Blutvolumen vergrößert. Die Hörsturz-Therapie schützt das Innenohr, verbessert die Versorgung und setzt Reparaturmechanismen in Gang. Auch der Tinnitus bessert sich meist. Sie erhalten täglich Infusionen über einen Zeitraum von zehn Tagen. Immer mehr Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Infusionstherapie mit Kortison nicht mehr. Sprechen Sie am besten mit Ihrer Versicherung und klären Sie die Kostenfrage. Ansonsten ist die Hörsturz-Therapie mit Kortison eine „Individuelle Gesundheitsleistung“, kurz IGeL, die Ärzte selbst mit Ihnen abrechnen. Eine einzelne Kortison-Infusion kostet zwischen zehn und 40 Euro.

Kortison direkt ins Innenohr als Hörsturz-Therapie

Bringt die Hörsturz-Behandlung mit Kortison als Infusion oder Tabletten nach fünf bis sieben Tagen keine Besserung, greifen Ärzte zu einer „Reservetherapie“. Sie injizieren das Kortison direkt ins Innenohr (intratympanale Behandlung). Diese Hörsturz-Therapie ist schmerzfrei, weil Sie zuvor eine lokale Betäubung bekommen. Dann liegen Sie etwa 30 Minuten auf der Seite, damit das Medikament in das Innenohr fließt und dort einwirkt. Wie viele Injektionen Ärzte anwenden, ist individuell verschieden. Bei manchen Betroffenen genügen drei bis fünf Anwendungen, manchmal sind aber auch bis zu 20 Injektionen nötig. Zu beachten ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die intratympanale Kortison-Therapie nicht übernehmen. Geeignet ist sie vor allem für Diabetiker, die meist keine intravenöse Kortison-Behandlung erhalten dürfen.

Hyperbare Sauerstofftherapie

Manchen Patienten hilft die hyperbare Sauerstofftherapie. Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie atmen Sie reinen Sauerstoff unter hohem Druck ein. Durch diese Behandlung löst sich Sauerstoff zusätzlich im Blut, der Sauerstoffgehalt im Blut steigt um ein Vielfaches und die Körperzellen erhalten mehr Sauerstoff als unter Normalbedingungen. Aber da die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich untermauert ist, gehört die hyperbare Sauerstofftherapie nicht zu den Kassenleistungen. Sie gilt auch als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Für eine Hörsturz-Therapie mit dieser Methode veranschlagen Ärzte 10 bis 15 Sitzungen, die zwischen 200 bis 250 Euro kosten.

Diese Hörsturz-Therapien empfehlen Ärzte nicht mehr

Es gibt eine Reihe von Hörsturz-Behandlungen, die Ärzte ihren Patienten jahrelang verabreichten und die heute nicht mehr empfohlen sind. Der Grund ist, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen ist oder die Nebenwirkungen zu groß sind.
Dazu zählen beispielsweise:
  • Durchblutungsfördernde Mittel: Weil Ärzte bei einem Hörsturz von einer Durchblutungsstörung im Innenohr ausgehen, wendeten sie früher durchblutungsfördernde Mittel an, zum Beispiel den Wirkstoff Pentoxifyllin oder Ginkgo-Präparate
  • Mittel, die das Blutvolumen erhöhen: Hydroxyethylstärke (HAES) besitzt einige Nebenwirkungen, zum Beispiel heftigen Juckreiz. Nur noch Patienten mit einem akuten Blutverlust erhalten HAES, also zum Beispiel nach Unfällen.
Tipp! Nach einem Hörsturz ist es sinnvoll, im Alltag und Job ein wenig kürzer zu treten, Stress zu vermeiden und sich zu erholen. Denn Stress scheint ein nicht unwichtiger Mitspieler bei einem Hörsturz zu sein. Verzichten Sie außerdem auf das Rauchen, denn es vermindert die Durchblutung – auch im Innenohr. So leisten Sie selbst einen Beitrag zur Hörsturz-Therapie!

Hörsturz-Bücher

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.