Enge in der Brust

Herzinfarkt bei Frauen: Das ist anders!

Ein Herzinfarkt ist für viele eine Männerkrankheit. Doch Frauen erkranken genauso oft, nur später im Leben. Ein Herzinfarkt bei Frauen äußert sich anders, weshalb viele ihn nicht gleich erkennen.

Datum:
Herzinfarkt bei Frauen

Ein Herzinfarkt bei Frauen zeigt sich durch ein Engegefühl in der Brust und andere Symptome.

Der Herzinfarkt gilt noch immer als Männersache, der in erster Linie die Herzen gestresster Manager, Übergewichtiger oder starker Raucher außer Gefecht setzt. Doch der Myokardinfarkt trifft Frauen genauso oft. Nur mit dem Unterschied, dass sich der Herzinfarkt bei Frauen anders äußert. Die oft unspezifischen Warnzeichen nehmen viele nicht ernst, deuten sie falsch, tun sie als harmlos ab und rufen viel zu spät den Notarzt. Sie gehen oft noch zur Arbeit, kaufen ein oder führen den Hund spazieren. So gehört der Herzinfarkt bei Frauen in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen. Dabei könnten Ärzte viele Frauen retten, wenn sie die Symptome kennen, richtig einordnen und schnell ein Krankenhaus erreichen, um den Infarkt behandeln zu lassen. Dort kommen sie meist viel später an als Männer. Woran lässt sich ein Herzinfarkt bei Frauen erkennen? Die wichtigsten Symptome im Überblick!

Galerie: Fünf beliebte Apps, um mit dem Rauchen aufzuhören

So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen

Die klassischen Alarmzeichen für einen Herzinfarkt sind Schmerzen in der Brustgegend, die in die Arme, den Oberbauch, zwischen die Schulterblätter in den Rücken oder in den Hals und Kiefer ausstrahlen. So steckt hinter Zahnschmerzen nicht immer ein Loch im Zahn.
Daneben zeigt sich ein Herzinfarkt bei Frauen oft durch folgende Symptome:
  • extreme Kurzatmigkeit: Frauen bekommen kaum Luft, obwohl sie körperlich nicht aktiv sind
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Druck- und Engegefühl in der Brust (Angina pectoris); Männer verspüren eher starke Brustschmerzen
  • die Symptome treten in einer Heftigkeit auf, die Frauen nie zuvor erlebt haben
Wenn Sie solche Symptome bei sich feststellen und nur den geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt hegen, zögern Sie nicht lange und rufen Sie immer einen Notarzt unter 112! Je mehr Zeit nach dem Herzinfarkt vergeht, desto mehr Herzmuskelgewebe stirbt ab, weil es keinen Sauerstoff und nicht mehr genügend Nährstoffe erhält. Manchmal mündet ein Herzinfarkt ohne jegliche weitere Warnung in einem plötzlichen Herzstillstand.

Herzinfarkt bei Frauen: Hormone schützen Frauen länger

Ein weiterer Unterschied zum starken Geschlecht ist, dass Frauen bis zu den Wechseljahren bis zu einem gewissen Maß vor einem Herzinfarkt geschützt sind. Die weiblichen Geschlechtshormone, die Östrogene, gelten als guter Herzschutz. Nach der Menopause sieht es allerdings anders aus: Die Östrogenproduktion sinkt und Frauen sind genauso anfällig für einen Herzinfarkt wie Männer. Ab etwa 60 Jahren entwickeln viele Frauen die Koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Herzkranzgefäße zunehmend „verkalken“: Es bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, die einen Engpass für das betroffene Gefäß bedeuten und den Blutfluss behindern. Verschließt sich ein Herzkranzgefäß komplett, kommt es zum Herzinfarkt. Die KHK gilt als wichtigster Risikofaktor für einen Herzinfarkt. Männer entwickeln die Krankheit schon viel früher, weil ihnen der Hormonschutz durch die Östrogene fehlt.

So hoch ist die Gefahr für Herzinfarkt bei Frauen

Frauen fürchten sich am meisten vor Krebs, in der Regel vor Brustkrebs. Dabei führen nicht bösartige Tumorerkrankungen, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Herzinfarkt die Liste der häufigsten Todesursachen bei Frauen an. Etwa die Hälfte aller Frauen stirbt, wenn das Herz und der Kreislauf streiken. Die Sterberate bei Männern aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten sinkt kontinuierlich – bei Frauen auch, aber weniger stark. Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr beobachten Mediziner sogar eine Zunahme der Todesrate beim weiblichen Geschlecht. Eine wahrscheinliche Ursache ist, dass immer mehr Frauen rauchen, was die KHK fördert. Rund 300.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Herzinfarkt. Wenn Herzspezialisten das verschlossene Herzkranzgefäß rechtzeitig öffnen und den Blutfluss wiederherstellen, stirbt weniger Herzmuskelgewebe ab und die Überlebenschancen stehen gut.

Raucherentwöhnung

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.