Kleiner als Bakterien

Feinstaub: Schützen Fahrverbote wirklich die Gesundheit?

Das Auto gilt als Luftverschmutzer schlechthin! Doch was hat es mit Feinstaub und Stickoxiden auf sich, die in den Medien genannt werden? Was bringen Fahrverbote und wie gesundheitschhädlich sind Feinstaubemissionen?

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Atemschutzmaske

Laufen wir eines Tages alle mit Atemschutzmaske herum?

Presseberichte über Fahrverbote sind verwirrend. Mal wird von Luftverschmutzung gesprochen, mal von Rußpartikeln, Feinstaubartikeln oder Stickoxiden. Erst sollen nur Dieselfahrzeuge schuld sein, dann wiederum Benzinfahrzeuge. Gar andere wollen Elektroautos nicht von Gefahren freisprechen.

Was ist Umweltverschmutzung im Straßenverkehr?

Jeder Verbrennungsmotor erzeugt Abgase. Die Zusammensetzung hängt von Kraftstoff und dem Verbrennungsvorgang ab. Die heutigen Abgase unterscheiden sich von denen früherer Zeiten. Die deutschen und die EU-Behörden haben die Daumenschrauben kontinuierlich angezogen, so dass es über Jahre und Jahrzehnte hinweg betrachtet in Teilbereichen (außer CO2) zu deutlichen Schadstoffreduktionen kam. Dennoch wird niemand freiwillig an einem Auspuff atmen. Trotz Verbesserungen werden schließlich nach wie vor gesundheits- und umweltschädliche Stoffe herausgepustet:
  • Kohlendioxid („CO2“)
    Kohlendioxid wird als Klimakiller weltweit bekämpft. Es gilt aber nicht als unmittelbar gesundheitsschädlich. Zwar behindert es die Sauerstoffaufnahme, aber es ist für uns Menschen nicht giftig und dennoch sterben wir spätestens nach einer Stunde in einem Raum mit mehr als acht Prozent CO2. Wir streichen es daher von der Liste der unmittelbar schädlichen Umweltschadstoffe!
    Beim Autoverkehr gilt folgende Faustregel: Dieselmotoren stoßen mehr CO2 aus, aber da die Motoren verbrauchsärmer sind, gelten Dieselfahrzeuge im direkten Vergleich zu Benzinern insgesamt als weniger klimaschädlich! Kaum zu glauben, aber wahr.
  • Stickoxid („NOx“)
    Stickoxid gilt als Reizgas bzw. Atemgift, das über die Verbindung mit Wasser (Regen, Nebel) säurehaltig wird und damit die Atemwege schädigt. Primär macht es Asthmatikern, älteren Menschen und Kindern zu schaffen. Im Moment drehen sich viele Diskussionen um Fahrverbote aufgrund dieses Schadstoffs. Der Diesel wird hierbei im Straßenverkehr als Hauptverursacher Nr. 1 betrachtet. Obgleich die aktuellen Grenzwerte laut EU für neue Diesel und Benziner ungefähr gleichauf liegen, kommen im Labor und auf der Straße unterschiedlich hohe Werte heraus. So berichtete die ZEIT beispielsweise von drastisch erhöhten Messwerten.
  • Kohlenmonoxid („CO“)
    Kohlenmonoxid ist ein tödliches Gas, das aber dank der EU-Regularien im Straßenverkehr keine markante Rolle mehr spielt.
  • Schwefeldioxid („SO2“)
    Schwefeldioxid gilt wie Kohlenmonoxid durch die deutliche Einhaltung der Grenzwerte als unbedenklich. Dennoch ist es natürlich ein Schadstoff! Es reizt die Schleimhäute und kann zu Augen- und Atemwegsproblemen führen.
  • Kohlenwasserstoffe
    Es gibt unterschiedliche Kohlenwasserstoffarten und manche gelten als krebserregend.
  • Ozon
    Ozon entsteht aus Stickoxid und Kohlenwasserstoff, das Kopfschmerzen, Übelkeit und Schleimhautreizungen verursacht. Zudem gilt es als krebserregend.

Was gehört noch zu der Umweltverschmutzung?

Der sagenumwobene Feinstaub! Doch was ist Feinstaub? Wir nehmen zunächst ein Lineal in die Hand und betrachten die Millimeterstriche. Wenn wir jetzt einen Millimeter in hundert gleiche Abschnitte unterteilen, dann haben wir Feinstaub. Oder besser gesagt die Definition der kritischen Größe unter 10 Mikrometern, was als PM10 bezeichnet wird. PM ist eine Worterfindung der US-Umweltbehörden und wird mit „Particulate Matter“ ausgeschrieben.
PM 10 = gilt als größte der drei Feinstaubpartikelgrößen.
PM 2,5 = kleiner als 2,5 Mikrometer. Gehört zur sog. „Feinfraktion“ (im Gegensatz zur „Grobfraktion“).
PM 0,1 = kleiner als 0,1 Mikrometer wird „Ultrafeinstaub“ genannt.
Abgase

Autos sind nicht die größten Feinstaub-Verursacher.

Je kleiner, umso schlimmer!

Je kleiner die Partikel, umso mehr Schaden richten sie an, da die Eindring- und Einatmungstiefe bis in die Blutbahnen hinein immer größer wird. Das alleine ist jedoch nicht so entscheidend. Alle Experten sind sich einig, dass es auf die Form dieser winzigen Körper sowie auf die Beschaffenheit des Materials ankommt. Zudem kommt es darauf an, ob die Partikel wasserlöslich oder nicht wasserlöslich sind. Im Moment laufen zahlreiche, wissenschaftliche Studien, die den Auswirkungen auf unsere Gesundheit auf die Spur kommen wollen. Mit ersten Ergebnissen ist erst 2018 zu rechnen.

Was bedeutet das für uns?

Fachärzte sagen, dass es keinen Anlass zur Panik gibt, was die vermeintliche und unmittelbare Gemeingefährlichkeit von Feinstaub angeht. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen im Straßenverkehr. Die räumliche Entfernung von den Verkehrsknotenpunkten scheint eine drastische Wirkung auf das Gesundheitsrisiko zu haben. Bereits 50 – 100 Meter weiter weg liegen die Partikelmengen deutlich unter den Grenzwerten. Es bleibt abzuwarten, welche Stoffe in welcher Form und Größe zu welchen Schäden führen. Die Fachärzte – allen voran die Lungenärzte – sehen eine mögliche Verbindung zu Lungenschädigungen bis hin zu Lungenkrebs. Und selbstverständlich plädieren sie für jegliche Maßnahmen, die den Ausstoß von Feinstaub mindern.
Das Gleiche empfehlen übrigens die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie die EU-Behörden. Die Gesundheitsbehörden gehen von einem linearen Zusammenhang aus. Je mehr Feinstaub in der Luft liegt, umso größer ist die Gesundheitsschädigung. Auf lange Sicht gesehen könnte es weitaus mehr Tote durch Feinstaub als durch Unfälle im Straßenverkehr geben. Nur, es gilt nicht als gesichert! Daher die zahlreichen Studien, die ein bisschen mehr Licht ins Dunkel bringen sollen. Wir können davon ausgehen, dass hier nicht getrödelt wird, denn erfahrungsgemäß reagieren Behörden äußerst empfindlich und deutlich auf neue Erkenntnisse der Wissenschaft. So wie es sich bisher anhört, könnten zunächst die Feinstaub-Hotspots neutralisiert werden, bevor man unnötigerweise riesige Stadtflächen mit Fahrverboten malträtiert.
Zigarette

Die Zigarette verursacht mehr Feinstaub als ein Auto.

Es erinnert an Zigaretten

Damals haben die Forscher lange gebraucht, bis wir auf den Packungen all die Sprüche und Bildchen betrachten müssen. Ich erwähne Zigaretten nicht zufällig. Die Lungentorpedos stoßen ein Vielfaches an Feinstaub ab, so dass jeder Dieselauspuff eine echte Wohltat dagegen ist. Bei den Glimmstängeln dauerte es sehr lange bis bekannt wurde, welche Krankheiten sie hervorrufen. Wie sollen dann die Forscher bei den weitaus niedrigeren Feinstaubmengen im Straßenverkehr Grenzwerte bestimmen, die als unbedenklich oder relativ unbedenklich gelten? Wir halten fest: Es ist ein schwieriges Unterfangen.

Die guten Elektroautos

Obgleich Elektroautos keinen Auspuff haben, stoßen sie Feinstaub aus. Wie bei jedem Auto werden über den Reifen- und Bremsabrieb Partikel erzeugt. Ein Experiment der ARD zeigte, dass ein Auto im Straßenverkehr auf 12.000 km (was der durchschnittlichen Fahrleistung eines PKWs in Deutschland entspricht) über 1 kg Gummiabrieb erzeugt! Nun die Gretchenfrage: Ist das Zeug schädlich oder nicht? Die Reifenindustrie schreit „Nein“. Die Forscher sagen „Lasst es uns messen“. Ebenso gilt das für Feinstaubemissionen der Bremsanlagen und Autokupplungen.

Büro und Haushalt

Weitaus höhere Konzentrationen an Feinstaub finden sich oftmals in Bürogebäuden (z.B. Laserdrucker). An Industriestandorten mit Materialverarbeitung ist der Feinstaubanteil noch höher. In privaten Haushalten wiederum weitaus weniger vorhanden. Verkehr ist demnach nicht die einzige und nicht einmal die größte Feinstaubquelle. Allerdings kommt das weniger dramatisch herüber. Autos sind zwar ein Schadstoffverursacher, jedoch nicht unbedingt die größten Gesundheitskiller. Es bietet sich lediglich als eine gute Projektionsfläche an. Wenn wir schon über Feinstaub sprechen, dann bitte über sämtliche relevanten Quellen. Und schauen uns dann an, wo wir am schnellsten und deutlichsten vorankommen, um unseren Lebensraum weniger gesundheitsgefährdend zu gestalten!
Am Ende der Studien kommt noch heraus, dass wir eigentlich nur neuartige, bezahlbare Staubsaugerfilter brauchen. Nicht lachen, tatsächlich wurden die ersten Kehrmaschinen zugelassen, die im Straßenverkehr Partikelgrößen von um die 10 Mikrometer aufsaugen können. Doch wollen wir stets einen Partikelsauger vor uns hertragen?

Schützen Fahrverbote unsere Gesundheit?

Ja, absolut. Je weniger Feinstaub ausgestossen wird, umso weniger wird unsere Gesundheit belastet. Kommt es zu einem temporären Fahrverbot, reduziert sich der Feinstaub in den betroffenen Gebieten. Doch ist es ganzheitlich gesehen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Grundproblematik bleibt bestehen. Die strengeren EU-Abgasnormen ab 2018 sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die Studien der Wissenschaftler geben hoffentlich Hinweise darauf, wie sich der Feinstaub in sämtlichen Bereichen des Lebens reduzieren lassen – unserer Gesundheit zuliebe.
Cornelia Diedrichs

von

Das Thema Gesundheit beschäftigt mich seit meiner Kindheit. Sie wird schmerzlich vermisst, wenn sie abhanden kommt. Ich beschäftige mich intensiv mit ihrer Bewahrung.