Mit Strom gegen schwere Depressionen

Elektrokonvulsionstherapie – letzte Chance bei Depressionen?

Lies hier, wie eine Elektrokonvulsionstherapie gegen Depressionen abläuft, was zu beachten ist und wie hoch die Erfolgsaussichten auf Heilung mit diesem Ansatz sind.

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Lassen Sie sich nicht hängen

Lassen Sie sich von neuen Möglichkeiten aus den Depressionen führen.

Elektrokonvulsionstherapie, kurz EKT, klingt zunächst etwas beängstigend nach Elektroschocks und Stromschlägen. Doch die Elektrokonvulsionstherapie wurde über Jahrzehnte hinweg immer weiter entwickelt und sicherer gemacht. Darüber hinaus gilt sie auch heute als Ultima Ratio, also als allerletzter Ausweg, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten bei einer Depressionserkrankung versagt haben.
Die Elektrokonvulsionstherapie, auch Elektrokrampftherapie genannt, wird nur bei der therapieresistenten Depression (TRD) verwendet sowie bei einigen anderen schweren Krankheitsbildern wie Schizophrenie oder dem bipolaren Syndrom. In Deutschland werden jährlich etwa 4.000 Patienten mit einer Elektrokonvulsionstherapie gegen Depressionen behandelt.

Wann wird eine Elektrokonvulsionstherapie empfohlen?

Als therapieresistente Depression gilt eine depressive Erkrankung, bei der mindestens zwei medikamentöse Antidepressiva wirkungslos blieben. Zuvor werden noch erhöhte Dosen und/oder Kombinationen aus Medikamenten ausprobiert. Die Entscheidung für eine Elektrokonvulsionstherapie wird dabei nicht leichtfertig gefällt. Vorab erfolgt eine gründliche Aufklärung des Patienten und ggf. der nächsten Angehörigen.
Zudem wird der Patient umfassend untersucht. So wird auch überprüft, ob die mehrfach erforderliche Kurznarkose für den Patienten aus gesundheitlichen Gründen überhaupt infrage kommt. Bestimmte Herzkrankheiten oder ein kürzlich überstandener Schlaganfall schließen eine EKT beispielsweise aus. Ein Herzschrittmacher oder auch eine Schwangerschaft sind dagegen keine Gründe, um eine solche Therapie nicht durchzuführen.

Was geschieht bei der EKT?

Bei einer Elektrokonvulsionstherapie wird eine Behandlungsserie von acht bis zwölf Sitzungen in einem Zeitraum von zwei bis drei Tagen geplant. In jeder Behandlung wird der Patient zunächst narkotisiert und erhält ein muskelentspannendes Mittel. Anschließend wird mithilfe elektrischer Stimulation ein 20- bis 30-sekündiger therapeutischer Krampfanfall im Kopf (vergleichbar mit einem epileptischen Anfall) ausgelöst. Bereits kurze Zeit später erwacht der Patient und kann in sein Krankenzimmer zurückkehren.
Durch die künstlich herbeigeführten Krampfanfälle werden Neurohormone und Neurotransmitter ausgeschüttet. Dadurch kann sich die für die Depression verantwortliche gestörte Signalübertragung zwischen den Neurotransmittern Serotonin, Dopamin und Noradrenalin wieder normalisieren.

Wie sicher ist die Elektrokonvulsionstherapie?

1938 setzten die italienischen Psychiater Lucio Bini und Ugo Cerletti erstmals Elektroschocks zur Behandlung psychischer Probleme ein und erzielten damit so große Erfolge, dass sich die Methode schnell verbreitete. Gab es anfangs noch Probleme mit schweren Nebenwirkungen, wurde die Elektrokonvulsionstherapie in den folgenden Jahrzehnten immer weiter verfeinert und von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. An den Zahlen ist leicht abzulesen, dass sie nicht leichtfertig angewendet wird: In Deutschland erhalten nur 4 von 1.000 an einer ernsthaften Depression erkrankten Menschen eine EKT. Selbst bei stationär behandelten Menschen macht dies nur ein Prozent aus.
Da alle Patienten vorher sorgfältig untersucht werden, ist das Risiko für Nebenwirkungen sehr gering. Es kann zu Gedächtnisstörungen kommen, die jedoch nach einigen Tagen von alleine wieder verschwinden. Das Risiko schwerer Komplikationen aufgrund der Narkose wird mit 1:50.000 bis 1:100.000 angegeben und entspricht damit dem allgemeinen Risiko einer Narkose.

Wie erfolgreich ist die Elektrokonvulsionstherapie gegen Depressionen?

Spielst du mit dem Gedanken an eine Elektrokonvulsionstherapie für dich selbst oder einen nahestehenden Menschen, wünschst du dir verständlicherweise eine Prognose über die Erfolgsaussichten. Die Erfolgsquote für die Behandlung einer monopolaren wiederkehrenden Depression oder einer bipolaren Störung wird mit 70 bis 90 Prozent angegeben. Bei einem depressiven Stupor, Wahnvorstellungen und Halluzinationen liegt die Erfolgsquote bei 82 Prozent.
Es lohnt sich bei einer schweren Depression, bei der Medikamente bereits versagt haben, eine Elektrokonvulsionstherapie in Erwägung zu ziehen und somit eine Heilung in einem ansonsten aussichtslosen Fall zu ermöglichen.

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