TK-Studie „Beweg dich Deutschland“

Couchsurfing: Bewegungsmuffeligkeit ist beliebtes Hobby der Deutschen

Wie holst du deine Brötchen? Mit dem Auto oder zu Fuß? Und wo verbringst du deinen Feierabend? Aktiv oder auf der Couch? Wie unbewegt viele Deutsche leben, geht aus einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse hervor.

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Ausliegen: Die Deutschen sind Bewegungsmuffel.

Liegt für viele Deutsche irgendwie näher als der Gedanke an nachhaltige Gesundheit: die Couch.

In Fitness-Studios ist der rote Bikini mehr als ein Stofffetzen zum Schwimmen: Er ist das Motivationssymbol schlechthin, um wieder in Form zu kommen. Trainer können ihre weiblichen Kunden so motivieren, weiter zu machen, wenn sie sich im kommenden Sommer wieder schön unverpackt zeigen wollen. Er ist das, was du dir vor dein inneres Auge halten kannst, wenn du mal wieder viele Gründe findest, auf der Couch zu bleiben, anstatt beispielsweise etwas für deine Gesundheit zu tun. Die Motivation – ob roter Bikini oder Karotte – ist für jeden eine andere. Und wenn du keine hast, solltest dir dir eine zulegen.

Zunehmend inaktiv – schleichend krank?

Bewegungsmuffelig- bis Antisportlichkeit bringt mit den Jahren nicht nur schlechte Laune, sondern auch Krankheiten mit sich – offensichtliche wie Rückenprobleme und Depressionen, aber eben auch schleichende wie die chronische Diabetes-Typ-II-Erkrankung. Und die Deutschen werden zusehends öfter krank. In den Gesundheitsreporten der größten Krankenkassen sieht das so aus: In den ermittelten Kennzahlen der Techniker Krankenkasse (TK) liegt der Krankenstand 2015 bei 4,23 Prozent – nach Unternehmensangaben der höchste seit Gesundheitsberichterstattung; nach Informationen der DAK ist der Krankenstand mit 4,1 Prozent der höchste seit 16 Jahren. Zahlen der Barmer liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor. Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Krankenstand der deutschen Arbeitnehmer im Jahr 2014 bei 3,8 Prozent. Im Vergleich dazu sind die Kennzahlen von TK und DAK ein ganz schöner Batzen gelber Scheine.

Die Tücken der Bequemlichkeit

Wie sich das bequeme Leben der Deutschen mit ihren gut ausgebauten Verkehrswegen, digitalen Medien und Bildschirm-Büroarbeitsplätzen in der Freizeit fortsetzt, wollte die TK mit Blick auf zunehmende Krankenstände einmal genauer untersuchen. Dazu hat die Krankenkasse das Meinungsforschungsinstitut Forsa Anfang des Jahres beauftragt, 1.210 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren zu ihrem Bewegungsverhalten zu befragen.
Sportmuffel

30 Prozent der Bundesbürger treiben wenig Sport (Sportmuffel), 18 Prozent sogar gar nicht (Antisportler). Nur knapp 30 Prozent der Bevölkerung sind Gelegenheitssportler.

Alltag: Jeder dritte Deutsche bewegt sich weniger als 30 Minuten

Demnach verhalte sich die eine Hälfte der Deutschen in unterschiedlichen Ausprägungen sportlich aktiv. Die andere Hälfte bezeichne sich als Sportmuffel oder Antisportler. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dank der Digitalisierung können wir uns viele Wege sparen. Dies führt aber auch dazu, dass der Aktionsradius vieler Menschen immer kleiner wird. Mehr als jeder Dritte bewegt sich im Alltag weniger als eine halbe Stunde. Ein weiteres Drittel bleibt unter einer Stunde. Das ist definitiv zu wenig.“ Und da, wo Zeit auf der Couch verbracht wird, wird sie nicht bewegt gelebt. Laut Studienergebnissen sagten 40 Prozent der Befragten (484 Personen), dass sie den Feierabend jedoch am liebsten auf der Couch ausklingen ließen; bei den befragten jungen Erwachsenen seien das sogar 55 Prozent (rund 666 Personen).
Laufen statt Fahren

Es könnte so einfach sein. Im Prinzip müsste die bequeme Infrastruktur zurückgesetzt werden: Langsamere Fahrstühle könnten helfen. Des Weiteren: Bürostühle ohne Rollen. In England gibt es sogar eine Bewegung, bei der sich Kinder an einem Sammelpunkt treffen, um gemeinsam zur Schule zu gehen, statt mit dem Bus zu fahren.

Den Sinn für Bewegung muss jeder für sich selbst entdecken

Der Sportpsychologe Jan Mayer von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement hat der Studie ein Vorwort gewidmet. Er bewertet die Studien-Ergebnisse so: „Den Allermeisten ist schon klar, dass ihnen Sport gut täte. Laut den Befragungsergebnissen fehlt es aber jedem Zweiten an Motivation. Der Anreiz, ein langes gesundes Leben zu führen, scheint abstrakter als der Feierabend, der gerade direkt vor einem liegt und gern auf der Couch verbracht werden möchte.“
Wenn du zu den Bewegungsmuffeln oder Antisportlern zählst, die auch nach Feierabend noch auf der Couch und im Internet surfen, solltest du dir deinen eigenen roten Bikini erschaffen. Welche Formen so ein inneres Bild sonst noch haben kann, erfährst du in der Fotostrecke. Und wenn da nichts für dich dabei ist, erschaffe dir deine eigene Sinnhaftigkeit, um in Bewegung zu kommen. Das müssen 15 Prozent der Befragten auch tun: Nichts aus der Auswahl war für sie Grund genug, um sportlich aktiv zu werden.

Galerie: Was überzeugt dich, mit dem Sport anzufangen?

Bewegungsmangel führte in Europa übrigens bei 9,2 Millionen Todesfällen insgesamt doppelt so häufig zum Tod wie Übergewicht (337.000 Tote). Die Zahl, die auf Studienhochrechnungen der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) zurückzuführen ist, wurde 2015 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht. Einen Artikel, wie viel Sport gesund ist, findest du hier.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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