Hygiene im Alltag

Desinfektion: Sinn und Unsinn der Keimfreiheit

Mit der Desinfektion reduzierst du Infektionsgefahren durch das Abtöten von Krankheitserregern. Doch wie desinfiziert du richtig? Und hat zu viel Desinfektion Nachteile?

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Desinfektion

Zwischen durch mal die Hände desinfizieren? Mit dem vermeintlichen Schutz vor Krankheiten kann man es auch übertreiben.

Desinfektion ist im Trend: Während man früher die Spender mit der blauen Flüssigkeit vor allem aus dem Krankenhaus kannte, hängen diese heute auch auf vielen öffentlichen Toiletten. Zudem haben viele Menschen keine Fläschchen mit Desinfektions-Gel ständig dabei und nutzen es nach Busfahrt, Toilettenbesuch oder Kontakt mit fremden Menschen. Auch Wäsche-Desinfektion ist längst nicht mehr nur bei Babysachen gang und gäbe. Doch wie desinfiziert man eigentlich richtig und sinnvoll? Und wann wird es zu viel des Guten?

Begriffsdefinition: Desinfektion

Das Deutsche Arzneibuch (DAB) 6 definiert: „Desinfektion bedeutet, einen Gegenstand in einen Zustand zu versetzen, in dem er nicht mehr infizieren kann.“ Das gilt sowohl für totes als auch lebendes Material – von Gegenständen und Flächen über Wäsche bis zu den empfindlichen menschlichen Schleimhäuten kann alles desinfiziert werden.
Dabei unterscheidet man thermische und chemische Verfahren. Thermische Verfahren desinfizieren durch Kochen, Dampf oder Verbrennung – üblicherweise maschinell. So werden beispielsweise chirurgische Instrumente nach Operationen gereinigt.
Die chemische Desinfektion wird auf Flächen, in Räumen, auf der Haut oder auch bei der Wäschedesinfektion eingesetzt. Hier wirkt eine chemische Substanz, die nach einer bestimmten Einwirkzeit Mikroorganismen zerstört oder inaktiv macht.

Wie desinfiziere ich richtig?

Viele kennen aus ihrer Kindheit noch das fies brennende Jod auf den Wunden. Dieser Wirkstoff funktioniert zwar effektiv, wirkt eingeatmet aber auch hochtoxisch. Bei Schilddrüsenproblemen kann das beispielsweise zu ersthaften Problemen führen. Daher werden heute meist andere Stoffe als Desinfektionsmittel genutzt. Bei der Händedesinfektion sind das Mittel auf Alkoholbasis, beispielsweise Ethanol. Dabei ist es entscheidend, dass du die Hände in trockenem Zustand komplett mit dem Desinfektionsmittel benetzt und dieses dann bis zur kompletten Trocknung einreibst, da sonst die Einwirkzeit nicht eingehalten wird und das Mittel nicht wirkt.
Bei der Wäschedesinfektion gibt es inzwischen zahlreiche Hygienespüler, die versprechen, 99,9% der Bakterien und Viren zu entfernen. Gerade bei akuten Erkrankungen, einem Pilz oder ähnlichem, sind diese Hygienespüler zeitweise sinnvoll.
Desinfektion

Im Fitnessstudio gehört die Desinfektion der Cardio-Geräte zur Hausordnung.

Oberflächen und Böden können beispielsweise mit Sagrotan-Reinigern gewischt werden. Diese wurden früher nur in Krankenhäusern genutzt, werden heute aber in vielen Haushalten eingesetzt.
Stark verschmutzte Wunden sollten ebenfalls desinfiziert werden. Hier ist das Mittel Octenidin – beispielsweise im Produkt Octenisept – der Goldstandard. Es brennt nicht, ist gut verträglich und wird somit sogar von Kindern ohne großes Geschrei akzeptiert. Übrigens: Kleine, aber stark blutende Wunden wie beispielsweise glatte Schnittverletzungen desinfizieren sich durch die Blutung quasi selbst.

Die drei Grundregeln

Allgemein gelten beim Desinfizieren drei Grundregeln:
  1. Du solltest die zu desinfizierenden Flächen vollständig benetzen – wird beim Wischen um eine Toilette beispielsweise eine kleine Fläche ausgespart, verbreiten sich Krankheitserreger schnell wieder. Auch bei der Händedesinfektion solltest du die Handgelenke und Zwischenräume zwischen den Fingern nicht vergessen werden.
  2. Du musst die Einwirkzeit beachten. Die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels ist auf dem Produkt angegeben. Wenn du beispielsweise die Hände desinfizierst und zu schnell wieder mit Wasser abspülst, ist das Mittel unwirksam.
  3. Achte auf die Konzentration des Desinfektionsmittels. Manche Produkte müssen verdünnt werden, manche nicht – wer diese Angaben missachtet oder beispielsweise Mittel zu stark verdünnt, beeinträchtigt die Wirksamkeit.

Wann Desinfektion schadet

Zu viel Hygiene muss im Alltag nicht sein und kann sich sogar kontraproduktiv auswirken. Nach dem Toilettengang, der U-Bahn Fahrt oder vor dem Essen reicht es normalerweise völlig aus, sich die Hände gründlich zu waschen. Wer zu häufig Desinfektionsmittel benutzt, zerstört die Hautflora – und damit den natürlichen Schutz des Körpers, der Bakterien und Viren abwehrt.
Bagatellwunden, die im Haushalt entstehen, müssen in der Regel nicht desinfiziert werden. Hier reicht es, die Wunde mit klarem Wasser auszuspülen und mit einem Pflaster zu verschließen. Ausnahmen stellen stark verschmutze oder größere Platzwunden dar. Wenn Wunden sehr tief oder schmutzig sind oder nicht mehr aufhören zu bluten, solltest du aber sowieso zu Arzt gehen.
Auch die regelmäßige Wäschedesinfektion ist im Haushalt meist völlig unnötig. Die Waschmaschinen und Waschmitteln haben sich in den letzten Jahren in ihrer Wirksamkeit immens weiterentwickelt. Es liegt Jahrzehnte zurück, dass Erkrankungen durch unhygienische Wäsche ausgelöst wurden. Wer seine Wäsche dann auch noch im Trockner trocknet und/oder bügelt, ist auf der sicheren Seite und muss keinerlei Infektionsgefahr fürchten.
Tatsächlich kann Desinfektion sogar krank machen: Immer mehr Studien weisen nach, dass ein „zu viel“ an Hygiene Allergien auslösen kann, da die chemischen Stoffe als Allergieauslöser wirken können. Desinfektionsmittel zerstören nicht nur schädliche, sondern auch hilfreiche Bakterien. Ohne diese Bakterien wird das Immunsystem nicht ausreichend stimuliert – „hygienisch rein“ wird somit zu „krankheitsanfällig“. Sogar Resistenzen gegen Antibiotika können sich entwickeln.
Zudem gelangen durch den hohen Verbrauch von desinfizierenden Mitteln im Haushalt diese immer stärker ins Abwasser. Hier zerstören sie bakterielle Verbindungen, die sonst ganz natürlich für den Abbau von Krankheitserregern sorgen. Chemische Stoffe belasten die Umwelt – und können durch die Nahrungskette sogar in unser Essen gelangen.

Tipps für den hygienischen Alltag

Wer nicht mit kranken Menschen zusammenarbeitet, braucht nur selten Desinfektionsmittel. Normalerweise reicht es, sich gründlich die Hände zu waschen, die Wäsche mit normalem Vollwaschmittel zu reinigen und den Boden mit Haushaltsreiniger zu wischen. Das ist gesünder und hält das Immunsystem stabil. Auch Kinder müssen nicht vor jeder Verschmutzung und Unreinheit beschützt werden, um gesund zu bleiben – denn nur so entwickeln sich Abwehrkräfte und Allergien haben keine Chance. Ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel in der Handtasche ist nur für den Notfall praktisch, wenn beispielsweise auf einer Toilette keine Möglichkeit zum Händewaschen besteht.
Anna Brüning

von

Mit guter Musik auf den Ohren am Wasser entlang joggen – der perfekte Ausgleich zum Alltag. Ich liebe es, aktiv zu sein, gesund zu leben und, na klar, darüber zu schreiben.

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