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Cochlea Implantat – sogar Telefonieren ist möglich

Ein Cochlea Implantat hilft gehörlosen Kindern, die Sprache zu lernen und eine ganz normale Schule zu besuchen. Sogar das Telefonieren mit dem heiß geliebten Smartphone ist möglich.

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Frau mit Hörgerät

Hörprothese statt Hörgerät: Gehörlose lernen dank Cochlea Implantat hören und sprechen!

Manche Kinder kommen schon taub auf die Welt. Ein Cochlea Implantat (CI) hilft ihnen, trotz Gehörlosigkeit eine Sprache zu erlernen und sich zu verständigen – ohne den Einsatz von Gebärdensprache. Das Cochlea Implantat ist eine elektronische Hörprothese, die aus zwei Teilen besteht: Ärzte implantieren eine Empfängerspule und Elektroden ins Innenohr, die sich bis zur Gehörschnecke (Cochlea) erstrecken. Diese Innenohrprothese übernimmt die Funktion des ausgefallenen Hörsinns, genauer gesagt der Haarzellen im Innenohr. Sie wandeln normalerweise Schallwellen in elektrische Signalcodes um. Äußerlich tragen die Gehörlosen einen batteriebetriebenen Sprachprozessor mit einem Mikrofon, der am Kopf in der Nähe der Ohrmuschel befestigt ist. Beide Bauteile kommunizieren drahtlos miteinander.

Galerie: Passender Gehörschutz für jede Situation

Chochlea Implantat – für wen eignet es sich?

Die wichtigste Voraussetzung für ein Cochlea Implantat ist ein gesunder Hörnerv und ein intaktes Hörzentrum im Gehirn. In einer Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten testen Ärzte immer vorab, ob der Hörnerv ausreichend funktioniert. Das Cochlea Implantat eignet sich besonders für gehörlose Kinder. Es gilt aber, die Taubheit möglichst früh zu diagnostizieren und zu behandeln. Denn zwei von drei Kindern, die innerhalb der ersten zwei Lebensjahre ein CI erhalten, können später eine normale Schule besuchen. Implantieren Ärzte das Cochlea Implantat erst bis zum vierten Lebensjahr, gelingt dies nur noch jedem dritten Sprössling. Mit Hilfe der Innenohrprothese sind sie nicht nur in der Lage, die Sprache zu lernen und zu verstehen, sondern sogar ganz normal zu telefonieren.
Auch für manche Erwachsene eignet sich die elektronische Hörprothese. Am besten ist es, wenn die hochgradige Schwerhörigkeit beziehungsweise Taubheit bei ihnen erst eingesetzt hat, nachdem sie die Sprache erworben haben. Manchmal profitieren auch von Geburt an gehörlose Erwachsene noch von einem Cochlea Implantat. Die Ergebnisse sind allerdings weniger gut als bei tauben Kindern oder Erwachsenen, die noch sprechen gelernt haben.

Wie funktioniert ein Cochlea Implantat?

Ein wesentlicher Unterschied zum Hörgerät ist, dass das Cochlea Implantat den Hörnerv direkt stimuliert. Ein Hörgerät, das Patienten im Ohr oder hinter dem Ohr tragen, verstärkt den Schall nur und leitet diesen ins Mittel- und Innenohr weiter. Beim Cochlea Implantat empfängt zunächst das externe Mikrofon am Ohr die Schallwellen, etwa in Form von Musik, Sprache oder Geräuschen aus der Umgebung, und verwandelt den Schall in elektrische Signale. Der Sprachprozessor bearbeitet diese und fischt jene Signale heraus, die für das Hör- und Sprachverständnis wichtig sind. In Form von Radiowellen gelangen sie durch die Haut hindurch ins Innenohr, wo die Empfängerspule sitzt. Dieses kleine Gerät übersetzt die Radiowellen wiederum in elektrische Signale, die über Elektroden den Hörnerv stimulieren. Der Hörnerv schickt die Signale dann ins Gehirn – erst dort entsteht nämlich der Höreindruck. Das Hörempfinden mit einem Cochlea Implantat ist vergleichbar mit dem, was ein Mensch ohne Taubheit oder schwere Hörstörung wahrnimmt.

Wer pflanzt Cochlea Implantate ein und warum ist eine Reha wichtig?

In Deutschland gibt es rund 85 Kliniken, die Cochlea Implantate einsetzen. Ärzte behandeln nicht automatisch beide Ohren mit einem CI. Aus Studien ist aber bekannt, dass zwei Implantate das Sprachverständnis eindeutig verbessern. Die Operation gilt heute als Routineeingriff, für den Sie etwa eine Woche einplanen. Sechs bis acht Wochen später passt ein Ingenieur oder Audiologe (ein Spezialist fürs Hören) den Sprachprozessor erstmals an.
Nach der Operation ist eine Reha für Kinder und Erwachsenen sehr wichtig. Dort trainieren Patienten mit CI die Sprache und das Hören. Die Reha ist ambulant oder stationär in einer Klinik möglich. Einige Rehakliniken haben sich auf Träger von Cochlea Implantaten spezialisiert. Adressen von CI-Kliniken in Ihrer Nähe bietet die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e.V (DCIG).
Auch eine langjährige Nachsorge ist entscheidend, bei der Spezialisten den Sprachprozessor neu anpassen, technische Beratung bieten oder Hör- und Sprachprüfungen durchführen. Mittlerweile lässt sich das CI auch per Telemedizin einstellen und anpassen. Über die Fernleitung spielen Experten zudem neue Updates auf, damit das Cochlea Implantat wieder einwandfrei funktioniert.

Cochlea Implantat-Bücher

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.