Rucola, Radicchio, Chicoree

Wie Bitterstoffe uns vor Krankheit schützen

Bitterstoffe wirken antioxidant und sollen sogar Tumoren vorbeugen können. Allerdings: Aus unseren Salaten und Gemüsen sind Bitterstoffe weggezüchtet worden. Warum es gesund ist, bitter schmeckende Pflanzenkost zu essen.

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Salate mit Bitterstoffen.jpg

Salate wie Radicchio, Rucola oder Chicoree schmecken heute weniger bitter als noch vor ein paar Jahren.

Süß, sauer, salzig, bitter und umami: Diese Geschmacksqualitäten gelten derzeit als allgemein anerkannt. Für diese fünf Richtungen gibt es jeweils Rezeptoren auf der Zunge. Süß ist der Geschmack, den die meisten Menschen bevorzugen. Das ist von Geburt an so, denn die Muttermilch, das erste Nahrungsmittel, ist süßlich. Versucht ein kleines Kind dann das erste Mal etwas Salziges oder Bitteres, verzieht es angeekelt den Mund. Die Reaktion ist evolutionär bedingt, denn eine saure Note kann bedeuten, dass beispielsweise Obst noch unreif ist, was möglicherweise Magenschmerzen und Durchfall verursacht. Ein bitterer Geschmack wiederum weist oft darauf hin, dass ein Nahrungsmittel giftig ist. 25 Bitterrezeptoren auf der Zunge zeigen an, dass wir etwas Ungenießbares verspeist haben. Sie melden den Bittergeschmack ans Gehirn, das einen Würgereiz auslöst, durch den wir den Stoff direkt wieder ausscheiden.
Es gibt übrigens viele Frauen und Männer, die haben ein Leben lang Heißhunger auf Süßes.

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Bitterstoffe aus Pflanzenkost herausgezüchtet

Früher lernten die Menschen, mit bitterem und saurem Geschmack umzugehen. Es gab noch kein Überangebot an Nahrungsmitteln und die Pflanzenkost, die es gab, hatte naturgemäß oft einen kräftigen Beigeschmack. Gurken und Karotten beispielsweise schmeckten früher viel bitterer, Rettiche viel schärfer. In den letzten Jahrzehnten gingen diese starken Aromen verloren. Sie wurden einerseits aus Nahrungspflanzen ganz bewusst herausgezüchtet. Andererseits trägt der konventionelle Anbau dazu bei, durch dessen intensive Düngung und Wässerung viele Inhaltstoffe verloren gehen. Die Bitterstoffe verschwinden und damit Vitamine und Spurenelemente. Das gilt für alle Gemüsesorten, aber auch für alle traditionell herb schmeckenden Pflanzen wie Artischocken, Salate, Radicchio, Rucola oder Chicoree.

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Positive Wirkung auf die Verdauung

Das ist ein Verlust, nicht nur geschmacklich, sondern auch für die Gesundheit, denn Bitterstoffe haben einige positive Wirkungen:
  • Bitterstoffe unterstützen den Magen: Sie regen den Magen an, mehr Verdauungssäfte zu produzieren, um Nahrung zu verkleinern. Dadurch arbeiten Leber und Bauchspeicheldrüse besser. Es kommt seltener oder gar nicht mehr zu Sodbrennen und Völlegefühl.
  • Bitterstoffe fördern die Gallenproduktion: Bitterstoffe unterstützen die Gallenblase mit der Produktion des Gallensaftes. Fehlen sie, kann es zur Bildung von Gallensteinen kommen.
  • Bitterstoffe helfen Tumoren vorzubeugen: Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die bitteren Glucosinolate, mit denen sich Brokkoli und andere Kohlarten gegen Schädlinge schützen, antioxidant wirken und bösartigen Tumoren vorbeugen können: Beispielsweise untersuchten Wissenschaftler der US-Universität Yale die Geschmacksvorlieben von 250 Senioren. Ergebnis: Je weniger die Männer Bitterstoffe mochten, desto mehr Darmpolypen hatten sie. Das sind mögliche Vorboten für Krebs.
  • Bitterstoffe regulieren den Blutzuckerspiegel: Untersuchungen habe gezeigt, dass Bitterstoffe den Blutzuckerspiegel günstig beeinflussen können.
Wer sich also nicht wegen der geschmacklichen Abwechslung dazu durchringt, auch mal zu einem bitteren Salat oder zu einer Artischocke zu greifen, der entscheidet vielleicht dann doch aus gesundheitlichen Gründen, ab und zu etwas Bitteres aus der Natur zu essen.

Magentropfen

Katrin Hoerner

von

Wissen hilft, gesund zu bleiben.