Warnung vor der Wunderpflanze

Der Aloe-Vera-Hype: nutzlos bis gefährlich

Aloe Vera ist mittlerweile überall: in Seifen, Shampoos, Cremes ... Sogar Getränken mischt man die Pflanze bei. Dieser Trend ist potenziell gefährlich, behauptet Alexander Scherb.

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Warum der Aloe-Vera-Hype gefährlich ist

Man findet Aloe Vera heute in allen möglichen Produkten. Wenige hinterfragen, ob es überhaupt nutzt.

Der Aloe-Vera-Trend ist alt. Uralt um genau zu sein. Schon Kleopatra soll Aloe Vera zur Pflege ihrer Haut genutzt haben. Doch heute ist der Hype um die Pflanze größer als jemals zuvor. Man findet sie in Cremes, Seifen, Shampoos und sogar Getränken. Wenn Aloe Vera als Inhaltsstoff enthalten ist, prangt sie sicherlich auch auf der Verpackung. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen. Allerdings entstand um Aloe Vera in den letzten Jahren ein Kult, der mittlerweile gefährliche Formen annimmt. Denn hier bekommt ein Stoff Fähigkeiten attestiert, die nicht zutreffen und im schlimmsten Fall sogar Beschwerden auslösen. Es ist deshalb Zeit, mit dem Mythos Aloe Vera aufzuräumen.

Die positiven Möglichkeiten von Aloe Vera

Bevor wir zum gefährlichen Hype rund um Aloe Vera kommen, schauen wir uns die positive Wirkung des Grasbaumgewächses an. Denn Aloe Vera hat durchaus auch gute Eigenschaften. Beispielsweise hilft sie in Cremes bei trockener Haut, da sie viel Feuchtigkeit spendet. Zudem kühlt sie unsere Haut bei einem Sonnenbrand. Das Gel lässt sich direkt aus der Pflanze entnehmen und nutzen: Einfach eine Blattspreite – also den flächigen Teil des Blattes – abschneiden und das innenliegende Fruchtfleisch herausdrücken. Und das ist noch nicht alles: Aloe Vera lässt sich außerdem beispielsweise gegen Dermatitis (entzündliche Hautreaktion), Herpes genitalis (Geschlechtserkrankung) und Psoriasis (Schuppenflechte) nutzen – dies haben Studien gezeigt. Betroffene Stellen heilen teilweise sogar doppelt so schnell ab wie bei einer Behandlung mit regulärer Feuchtigkeitscreme. Auch einen leichten Sonnenschutz bietet Aloe Vera, da ihre Inhaltsstoffe schwach UV-Strahlen abweisen. Wichtig ist stets, dass das Gel richtig einzieht, damit es seine Wirkung entfaltet.

Galerie: Fünf Pflegeprodukte mit Aloe Vera

Aloe Vera in Körperpflegeprodukten: nutzlos

Das Gel muss einziehen, um seine Wirkung zu entfalten – damit geht es schon zum ersten Kritikpunkt: In Shampoos beispielsweise ist Aloe Vera nutzlos, da die Wirkstoffe nicht genügend Zeit zum Einwirken haben. Wenn Sie sich also ein Aloe-Vera-Shampoo gekauft haben, in der Hoffnung, Ihrer Kopfhaut etwas Gutes zu tun, müssen wir Sie leider enttäuschen. In Haarprodukten ist die Pflanze höchstens ein wirksamer Marketing-Gag. Unser Ratgeber „Richtig Duschen: So beugst du Hautproblemen vor“ gibt da nützlichere Tipps, um effektiv zu duschen. Nehmen Sie ruhig reines Aloe-Vera-Gel und reiben Sie es sich in die Haare – es schadet nicht. Ob es hilft, ist allerdings fraglich. Genauso verhält es sich mit Duschgel, Seife oder ähnlichen Körperpflegeprodukten. Hier helfen die anderen enthaltenen Ingredienzien sicherlich mehr als das allseits beliebte Gel. Sparen Sie sich deshalb das Geld und machen Sie Ihr Shampoo selbst, beispielsweise aus Kastanien. Wie das geht, erfahren Sie in unserem Artikel.
Warum der Aloe Vera-Hype gefährlich ist

Also Shampoo oder Seife ist Aloe Vera wirkungslos. Das Gel hat keine Zeit zum Einwirken.

Aloe Vera bei Wunden und zum Trinken: irrsinnig

Eine richtige Gefahr stellt Aloe Vera potenziell bei offenen Wunden dar. Hier haben Studien Besorgniserregendes belegt: Aloe Vera ist bei Schürf- und Schnittwunden nicht nur nutzlos, es verlangsamt überdies eventuell sogar den Heilungsprozess – teils um das Dreifache. Dass Hersteller hier mit Aloe Vera werben, ist folglich nicht nur sinnlos, sondern grob fahrlässig. Schauen Sie sich lieber unseren Ratgeber mit wertvollen Tipps zum Behandeln von kleineren Wunden an. Hier erfahren Sie, was wirklich hilft. Ebenso verhält es sich mit Aloe-Vera-Drinks. Aloe Vera wirkt abführend und Apotheken bieten es als Abführmittel an. Damit der vermeintlich gesunde Drink diese abführende Wirkung nicht hat, bedient sich die Industrie eines Tricks: Sie entfernt einfach die abführenden Inhaltsstoffe. Gefahr droht dann, wenn ahnungslose Konsumenten denken, sie könnten solche Getränke zu Hause mit einem gekauften Aloe-Vera-Gel nachmachen. Dann drohen Durchfall und bei längerer Einnahme im schlimmsten Fall sogar Erbgutschäden.

Galerie: Beauty-Mythen: Stimmt oder stimmt nicht?

Pflegeprodukte mit Aloe Vera

Alexander Scherb

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Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.