Medikamente aus dem Internet

Aspirin & Co. zum Spottpreis? Online-Apotheken im Test

Online-Apotheken versprechen günstige Medizin per Mausklick nach Hause. Doch der Test zeigt: Ganz so simpel ist es nicht immer.

Datum:
Online-Apotheken Test

Braucht man eigentlich noch richtige Apotheken wenn es Online-Apotheken gibt?

Apotheken im Internet stehen wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit: Im Oktober hat der Europäische Gerichtshof die Preisbindung bei rezeptpflichtigen Medikamenten für unzulässig erklärt. Ist das Urteil der Startschuss für einen Preisverfall bei Medizin auf Rezept? Oder bedeutet es das Ende des Online-Versands von rezeptpflichtigen Medikamenten? Alles ist möglich, entschieden ist aber noch nichts. Ob es sich trotzdem lohnt, ein Kundenkonto bei einer der rund 150 Versandapotheken im Internet anzulegen, zeigt der Test der fünf umsatzstärksten Pillen-Versender Deutschlands.

Online-Apotheken sind keine Online-Shops

Internet-Shopper wollen vor allem klare Antworten auf zwei Fragen: Wo gibt es das gewünschte Produkt zum niedrigsten Preis? Und: Ist der günstigste Shop seriös, sicher und zuverlässig? Antworten auf die Preisfrage liefern meist Preissuchmaschinen; wenn es um die Zuverlässigkeit geht, sollen Kundenrezensionen oder Gütesiegel für Klarheit sorgen. Über den Bestellablauf macht sich kaum noch jemand Gedanken, der schon mal im Netz eingekauft hat, denn der ist bei den Shops fast immer gleich. Bei Online-Apotheken sieht das aber etwas anders aus:
  • Günstigster Preis: Rezeptpflichtige Medikamente kosten überall das Gleiche – zumindest bislang. Spannender ist die Suche nach dem besten Preis für rezeptfreie Medikamente wie Aspirin oder Bepanthen. Die Tester überprüften bei allen Kandidaten einen Testwarenkorb mit 20 rezeptfreien Produkten und stellten zum Teil erhebliche Preisunterschiede fest: Durchschnittlich am günstigsten war Medikamente-per-Klick, am teuersten Sanicare.
  • Seriosität: Im Gegensatz zu anderen Online- Shops sind Apotheken mit einer Versandhandelslizenz verpflichtet, ihren legalen Status anhand von eindeutigen Merkmalen, etwa einem bestimmten Siegel, kenntlich zu machen. Punkte auf die Sie achten sollten sind Angaben zu einer zuständigen Aufsichtsbehörde im Impressum sowie ein gültiges Siegel, das Sie bei einem Klick zu einem Eintrag der Apotheke in einer offiziellen Liste des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information führt.
  • Bedienung: Alle Kandidaten im Test haben ein Shop-System, wie Sie es von ganz normalen Online-Shops kennen. Das funktioniert aber nur so lange gut, bis es zur Bestellung von Medikamenten auf Rezept kommt. Der Grund: Die Apotheke braucht das Originalrezept per Post. Immerhin gibt es bei allen Online-Apotheken Freiumschläge zum Versand auf Anfrage oder Freiumschlag-Etiketten zum Ausdrucken. Bei ausschließlicher Bestellung rezeptpflichtiger Medikamente muss man also nur das Rezept eintüten und wegschicken – die Medizin kam bei allen Testkandidaten sehr zuverlässig etwa ein bis drei Werktage nach Bestellaufgabe an.

Galerie: Online-Apotheken im Test – die Ergebnisse

Rezeptfreie und rezeptpflichtige Artikel mischen

Wer aber zusätzlich noch rezeptfreie Artikel einkaufen möchte, etwa um den bei allen Shops angebotenen Gratisversand von Rezeptbestellungen auszunutzen, hat es schwer: Dann nämlich muss der Kunde auch noch ein Bestellformular ausdrucken und sämtliche Bestelldaten von Hand eintragen. Nur beim Testsieger DocMorris war es zum Testzeitpunkt möglich, sowohl rezeptpflichtige als auch rezeptfreie Medikamente in den Online-Warenkorb zu legen und daraus später automatisch einen komplett ausgefüllten Bestellschein zu generieren. Für alle Testkandidaten gilt aber dennoch: Wer keinen Drucker zu Hause hat, kann solche Bestellungen gar nicht spontan aufgeben, sondern muss Bestellschein und Freiumschlag erst mal per Post anfordern. Das ist aufwendig und zeitraubend.

Wie zuverlässig ist die Lieferung?

Von allen Pillen-Versendern kam innerhalb von fünf Minuten eine Bestellbestätigung per E-Mail und innerhalb von 23 Stunden eine Versandbestätigung. DocMorris und Medikamente-per-Klick lieferten in weniger als 24 Stunden, bei den anderen dauerte es keine zwei Tage, bis die Medizin da war. Lediglich bei Apotal dauerte es länger, weil das bestellte Medikament nicht auf Lager war. Das war insofern enttäuschend, weil es sich bei der Testbestellung um eine weit verbreitete Wund- und Heilsalbe handelte, von der Kunden erwarten können, dass sie jede Apotheke ständig auf Lager hat. Immerhin: Eine entsprechende Info dazu kam bereits kurz nach Aufgabe der Bestellung.
Rezeptbestellungen brauchen naturgemäß länger; schließlich muss erst mal das Originalrezept bei der Apotheke ankommen, damit die Bestellung weiterverarbeitet werden kann. Trotzdem dauerte es bei keinem Versender länger als dreieinhalb Tage. Am schnellsten lieferten DocMorris und Sanicare.

Lohnt sich der ganze Aufwand?

Wer online seine Hausapotheke mit rezeptfreien Medikamenten auffüllt, kann eine ganze Menge sparen – im Einzelfall sogar über 75 Prozent gegenüber dem Apotheken-Preis. Allerdings handelt es sich hierbei häufig um Medikamente, die ohnehin nicht mehr als ein paar Euro kosten. Beispiel: Die 20er-Packung Ibuprofen kostete in stationären Apotheken im Schnitt 6,88 Euro. Bei Medikamente-per-Klick, dem günstigsten Kandidaten im Test, gab es die gleiche Packung für 1,48 Euro, also über 78 Prozent günstiger. Bei den Online-Shops kommt allerdings noch eine Versandkosten-Pauschale hinzu, solange der gesamte Bestellwert unter einem bestimmten Schwellenwert liegt, meist zwischen 10 und 20 Euro. Sie müssen also eine ganze Menge Kopfschmerztabletten online einkaufen, damit die prozentuale Ersparnis auch ankommt.

Galerie: Preisvergleich: Apotheke vs. Online-Apotheke vs. Amazon

Keine Ersparnis bei verschreibungspflichtigen Medikamenten

Online-Apotheken Test

Bei allen Kandidaten prüfte man auch die Begleitschreiben, die Warnhinweise, die Beschaffenheit und die Neutralität der Medizin-Pakete.

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es wegen der Preisbindung keine Ersparnis. Einige Anbieter gewähren Rezeptbestellern mit Tricks wie einem separaten „Treuebonus“ zwar dennoch manchmal ein paar Euro Nachlass – den Aufwand ist das aber meist nicht wert, da sich in den meisten Fällen damit höchstens die Zuzahlung reduzieren lässt. Hinzu kommt: Dringend benötigte Medikamente sind in der Apotheke um die Ecke immer noch schneller verfügbar.

Das Ende der Preisbindung?

Die Preisgestaltung bei Rezeptbestellungen könnte sich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs möglicherweise ändern. Allerdings ist der Widerstand dagegen hierzulande hoch, denn momentan streiten sich Gegner und Befürworter der Preisbindung vor allem darüber, welchen Einfluss der Wegfall einer Preisbindung wirklich auf die Preise hat.
Zu den Befürwortern der Preisbindung gehört offenbar auch Gesundheitsminister Gröhe, der in einem ersten Vorstoß ankündigte, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten komplett verbieten zu wollen. Seine Begründung lautete Ende Oktober: „Für die Menschen in unserem Land sind Qualität und Sicherheit in der Arzneimittelversorgung unabdingbar mit einem flächendeckenden Netz wohnortnaher Apotheken verbunden. Der Versandhandel kann die wohnortnahe Versorgung durch Präsenzapotheken nicht ersetzen.“
Die meisten Patienten dürften das Ende der Preisbindung ohnehin kaum bemerken, denn in der Regel bezahlen sie das Medikament gar nicht selbst, sondern leisten höchstens eine Zuzahlung zwischen 5 und 10 Euro. Lediglich Patienten, die Privatrezepte für Medizin einlösen, die von den Krankenkassen nicht erstattet werden, könnte ein Wegfall der Preisbindung direkt treffen – allerdings weiß noch niemand genau, ob negativ oder positiv.

Fazit Online-Apotheken: Sie können viel sparen!

Hustensaft, Kopfschmerztabletten, Wundsalbe: Alle Medikamente, die rezeptfrei in Apotheken zu haben sind, gibt es bei den Online-Filialen auch – teilweise zu einem Bruchteil des Ladenpreises. Der Haken daran: Wenn Sie das in vielen Fällen enorme Sparpotenzial tatsächlich nutzen wollen, müssen Sie so viel bestellen, dass Sie die Versandkosten-Grenze überschreiten – die liegt zwischen 10 und 20 Euro, je nach Anbieter. Nur für eine Packung Aspirin lohnt sich der Online- Einkauf also nicht. Wenn Sie dagegen Ihre Hausapotheke auffüllen möchten, können Sie viel sparen. Beim Ordern rezeptpflichtiger Medikamente wird es kompliziert: Zwar sind solche Bestellungen grundsätzlich versandkostenfrei, dafür steht der Aufwand meist in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag – denn damit Online-Apotheken etwa ein Antibiotikum ausliefern dürfen, brauchen sie das Rezept im Original. Dafür bieten sie zwar Freiumschläge zum Ausdrucken an, aber die meisten Internet-Apotheken haben den Bestellvorgang nicht in den Online-Shop integriert.
Einzig beim Testsieger DocMorris war es im Test möglich, aus einem gemischten Online-Warenkorb mit rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten den fertig ausgefüllten Bestellschein zu erstellen. Wer nur auf Rezept ordert, muss dieses zwar nur eintüten und wegschicken, kann aber kaum sparen: Medizin auf Rezept kostet überall das Gleiche – und wird in der Regel sowieso von der Kasse bezahlt.
Ob sich das in Zukunft ändert, ist noch unklar. Kurzum: Wenn Sie ein Rezept von Ihrem Arzt haben, gehen Sie einstweilen besser zur nächsten Apotheke.