Strafzahlungen auf Zucker?

Dick und krank! Politiker fordert Zuckersteuer für Deutschland

Wenn die Vernunft zu schwach ist, hilft manchmal nur Druck von Außen. Ein deutscher Politiker macht sich nun für eine Gesetzgebung stark, die das Volk an zuviel Zuckerkonsum hindern soll, indem Zucker besteuert wird.

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Supermarkt

In England wird 2018 die Zuckersteuer eingeführt. Es ist eine Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks und nicht auf alle Lebensmittel. Das so erwirtschaftete Geld – die Rede ist von knapp 700.000.000 Euro – soll in die Staatskasse für Sportförderung in Grundschulen fließen.

Es gibt immer noch Menschen und Institutionen, die leugnen, dass Zucker und die Entstehung von Diabetes Typ II etwas miteinander zu tun haben. In einem Beitrag von frontal21 verweisen die Journalisten Jörg Göbel und Julian Prahl auf entsprechende Stellungnahmen des Spitzenverbandes der Lebensmittelindustrie BLL, der wirtschaftlichen Vereinigung Zucker und des Süßwarenverbandes. Gleichermaßen stellen sie einen Patienten dagegen, der nach Angaben der behandelnden Ärzte durch zuviel Zuckerkonsum und der damit verbundenen Krankheit Diabetes Typ II nun zwei mindestens daumendicke Löcher in der Haut an der Schulter hat – eine Art Mahnmal, das wie die Krankheit selbst bleiben wird. Und er ist einer von vielen.

Diabetes Typ II: Zuckerkrankheit

Diabetes mellitus ist nach Angaben des Diabetesinformationsdienstes München die häufigste Stoffwechselerkrankung in den westlichen Industrienationen. Der Dienst verweist auf die Internationale Diabetes-Föderation, wonach 387 Millionen Menschen 2014 an Diabetes erkrankt waren, Tendenz steigend: auch in Deutschland. Die Zahlen hierzulande schwanken zwischen sieben und acht Millionen.
Die Dunkelziffer, also jene Menschen, die nicht behandelt mit einer solchen Erkrankung leben, ist groß: Sie liegt laut KORA-Survey, bei eins zu eins: auf jeden Behandelten käme ein Noch-Nicht-Diagnostizierter. Der Zusammenhang zwischen Zucker und Diabetes, die Zuckerkrankheit, den Forscher längst bezeugen, und den Ärzte tagtäglich im Behandlungszimmer erleben, ist Fakt.
Anti-Zucker-Aktivistin Jacqui Kelly

Jacqui Kelly schüttet im Dezember 2015 Zucker auf eine Skulptur: Sie demonstriert für eine Zuckersteuer, damit Kinder unter andrem vor Diabetes geschützt werden. Ihre Aktion vor den Houses of Parliament in London hat sich für sie gelohnt: 2018 kommt die Steuer.

Zu viel Zucker in Softdrinks: in England

Oft beginnt dieser Zusammenhang mit Adipositas. Auch in England werden die Menschen und vor allem die Kinder immer dicker und kranker. Zuckerkonsum kann man nur verringern, wenn man weiß, wieviel man davon zu sich nimmt. Das gilt auch für zuckerhaltige Getränke.
Laut einer Studie, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde, sind bei fast der Hälfte der dort untersuchten Erfrischungsgetränke bereits bei einer Trink-Portion die Zucker-Grenze erreicht. Übrigens waren diese Getränke speziell für Kinder entwickelt. In England wird 2018 die Zuckersteuer eingeführt. Ab fünf Gramm Zucker sollen Softdrink-Produzenten dann eine Steuer zahlen.
Zucker ist gibt es nicht nur in seiner offensichtlichen Form

Zucker gibt es nicht nur in Softdrinks, sondern auch in vielen Fertiggerichten sowie in Lebensmitteln, mit denen du nicht unbedingt rechnest: in Brot, in Müsli oder in Milchprodukten.

Zu viel Zucker in Softdrinks: in Deutschland

In Deutschland hatte jüngst die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch mit einer Studie auf zuviel Zucker in Limonaden aufmerksam gemacht. Foodwatch hat den deutschen Markt der sogenannten Erfrischungsgetränke analysiert und herausgefunden, dass die zuckergesüßten Getränke im Schnitt mehr als sechs Stück Würfelzucker je 250 Milliliter enthielten. Demnach war jedes zweite untersuchte Getränk überzuckert. Stellen Sie sich mal sechs Stück Würfelzucker in ihrem Kaffee vor.

Galerie: Foodwatch-Studie: Viel zu viel Zucker in Getränken

Gesetzgebung, wenn Selbstkontrolle nicht funktioniert?

Der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt ist Mitglied des Bundestages und Berichterstatter für die beiden großen „Volkskrankheiten“ Diabetes und Adipositas der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Monstadt setzt sich für eine Zuckersteuer in Deutschland ein, und zwar im Gegensatz zu Christian Schmidt (CSU), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Monstadt ist selbst insulinpflichtiger Typ-II-Diabetiker. Auf eVivam-Nachfrage ergänzt er: „Für Deutschland wünsche ich mir allerdings, dass eine Zuckersteuer nicht nur auf Softdrinks angesetzt wird." Wenn es nicht gelänge, dass sich die Lebensmittelindustrie freiwillig selbst verpflichte, den Zuckergehalt neben Softdrinks zum Beispiel auch in Fertigprodukten zu minimieren, müsse man an die Gesetzgebung heran.

Über die Zuckersteuer

  • Übrigens hat es in Deutschland schon einmal eine Zuckersteuer gegeben. Sie hatte allerdings kein gesundheitspolitische Ziel. Laut Foodwatch habe es sich um eine Bagatellsteuer gehandelt, die weniger als einen Pfennig pro Liter Coca-Cola Classic betragen habe – zu wenig, um eine Verhaltensänderung zu bewirken.
  • Kritische Stimmen sagen übrigens, dass es sich bei der Zuckersteuer, wie jetzt in England, um eine Armensteuer handele: Schließlich würden Menschen mit größerer Bildung schon jetzt auf Cola und andere zuckerhaltige Softdrinks verzichten. Die, die getroffen würden, sei die bildungsarme und sozialschwache Bevölkerung. Es gibt Prognosen, dass sie sich Zucker dann etwa in Form von süßen Riegeln holen würden
  • Die Soft-Drink-Hersteller in England sind „not amused" über die Zuckersteuer, die, so wie sie geplant ist, ja nur für Soft-Drinks gelten wird. Sie fordern, dass auch andere Bereiche, wie die Keks- und Kuchenidnustrie, auch besteuert wird.
  • Wissenschaftler der englischen Studie begrüßen es nicht, dass Fruchtsäfte von der Zuckersteuer ausgenommen sind.
  • Andere Länder verfügen übrigens schon über Erfahrungen mit der Zuckersteuer: So hat sich der Konsum besonders zuckerreicher Getränke in Mexiko, Frankreich oder in der US-amerikanischen Stadt Berkeley nach Einführung einer Sondersteuer oder -Abgabe verringert.
  • Die WHO hält es für wisschenschaftlich evident, dass eine Sonderabgabe in Höhe von 20 Prozent des Verkaufspreises dazu führt, dass 20 Prozent der besteuerten Produkte weniger konsumiert werden.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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