Was wir wissen sollten

Zika-Virus: Müssen wir uns Sorgen machen?

Der Zika-Virus ist in aller Munde und bereitet der Öffentlichkeit Sorgen. Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erst jüngst den „öffentlichen Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes“ erklärt. Zika sei daran schuld, dass Säuglinge mit Fehlbildungen zur Welt kommen. Was aber wissen wir tatsächlich?

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Mitarbeiter des mexikanischen Gesundheitsamtes beim Besprühen gegen den Zika-Virus

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in Acapulco (Mexiko) beim Ausräuchern der Gelbfiebermücke, die ein Träger des Zika-Virus sein soll. Die Maßnahme dient dazu, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Aedes aegypti“ heißt die kleine Mücke, eher bekannt unter dem Namen „Gelbfiebermücke“. Sie soll neben anderen Mücken einer der Hauptträger des Zika-Virus sein, der auch auf Menschen übertragbar ist, jedoch lange Zeit für keine allzu großen Bedenken sorgte. Die Mücke war ehemals im tropischen Afrika verbreitet und wurde durch Menschen in andere tropische und subtropische Regionen in Südamerika, Mittelamerika und Asien verschleppt. Was zugleich zu der jetzt bekannten Problematik geführt haben soll: Säuglinge leiden vermehrt unter Schädelfehlbildungen, was auf den Zika-Virus zurückgeführt wird. Warum?

Bisheriger Infektionsverlauf war unbedenklich

Forscher vermuten, dass die Menschen im ursprünglichen Populationsraum der Mücke eine Immunität gegen den Zika-Virus entwickelt haben, der sie vor größeren Folgen bewahrt. Bis dato traten und treten nämlich in dieser Region nur leichte Symptome bei einem von fünf Infizierten auf. Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen sind die typischen Merkmale, seltener ging der Infekt mit Muskelschmerzen sowie Erbrechen einher. Nach nicht einmal einer Woche ist der Spuk vorbei.
Mit der Ausbreitung der Mücke und damit des Virus’ in andere Populationsräume traf es Menschen, deren Immunabwehr auf diese Virenart noch nicht eingestellt war. So die reine Theorie der Wissenschaft. Die sich nun aktuell mit dem Zika-Virus intensiver beschäftigen muss, den sie jahrelang mehr oder minder ignorieren konnte. Ebenso wenig musste sie einen Impfstoff entwickeln. Sie steht demnach am Beginn der Forschung. Alles, was wir noch darüber lesen und erfahren, sollten wir daher mit Vorsicht behandeln.

Der Zika-Virus in Lateinamerika

Man vermutet anlässlich der WM 2014 in Brasilien – einer globalen Großveranstaltung – tatsächlich, diesen Wirkzusammenhang beobachten zu können: Der Virus traf auf unvorbereitete Immunsystempopulationen. Der Zika-Virus habe sich mit den verstärkten Reisebewegungen zur WM entsprechend ausgebreitet. Woran man dies festmacht? In Brasilien wurden in den letzten Monaten eine sprunghaft gestiegene Zahl an Verdachtsfällen von Mikrozephalie bei Neugeborenen registriert. Früher waren es lediglich 200 Fälle im gesamten Jahr. Darunter versteht man Schädelfehlbildungen, wobei der Kopfumfang kleiner als üblich ist. Was geistige Behinderungen zur Folge haben kann.
Von diesem teils schweren Krankheitsbild seien in den letzten Monaten 4.700 Säuglinge betroffen und registriert worden. Die sprunghaft gewachsene Zahl der Verdachtsfälle wird in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Virus gebracht. Bisher weiß man nicht, ob alle betroffenen Mütter mit dem Zika-Virus infiziert waren. Wir wissen zudem nicht, ob man aufgrund der Medienwelle lediglich genauer hinschaut, wenn das Baby „komisch“ aussieht (und die Zahlen daher stark hochgehen), wir wissen damit auch nicht, ob es nicht viel mehr Fälle schon früher gab, bevor der Zika-Virus populär wurde.
Der gemeldete Anstieg der Fehlbildungen ist auch in anderen Ländern Südamerikas zu beobachten. Ende Januar 2016 haben die Gesundheitsbehörden in Kolumbien, Ecuador, El Salvador und Jamaica gar empfohlen, von einer Schwangerschaft abzusehen. Obgleich der direkte Wirkzusammenhang zwischen dem Zika-Virus und der Mikrozephalie als Infektionsfolge noch nicht nachgewiesen ist. Die Maßnahme der Behörden ist wohl mehr als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme zu verstehen, da beispielsweise auch in Kolumbien die Zahl der gemeldeten Mikrozephalie-Verdachtsfälle sprunghaft anstieg, nachdem der Zika-Virus medial auch dort bekannt wurde. Politisch wäre es wohl nicht zu vertreten, nichts zu tun.

Keine validen Daten

Valide Zahlen zu den mit dem Zika-Virus Infizierten im südamerikanischen Raum existieren nicht, die Schätzungen gehen sehr weit auseinander. Mal ist in der Presse von 1,5 Millionen Infizierten in Brasilien die Rede, dann werden vier Millionen aufgerufen. Hier sollte man stets Obacht walten lassen. Wie oben festgestellt, treten lediglich bei 20 Prozent der Infizierten leichte Symptome auf. Nach wenigen Tagen ist der Infekt abgeklungen.
Ebenso wenig können die Forscher erklären, warum es nicht bereits früher zu Problemen mit dem Zika-Virus gekommen war. Immerhin reisen wir Menschen nicht erst seit der WM in Brasilien rund um den Globus. Zudem muss man abwarten, ob es sich nicht nur statt einer mit Reisebewegungen verbundenen Ausbreitung auch um mutierte Zika-Virenstämme handeln könnte. Würde man der reinen Ausbreitungslogik folgen, hätten wir auch in Deutschland vermehrt Fälle von Schädelfehlbildungen feststellen müssen. Schwangere, die zuvor in Afrika in den entsprechenden Ausbreitungsgebieten der Gelbfiebermücke waren und sich mit Zika infizierten. Gab es solche Infektionen nie und auch keine anschließenden Fehlbildungen? Haben wir den Zusammenhang schlichtweg nie festgestellt?

Der Zika-Virus im deutschen Raum

Es ist noch völlig unklar, ob Menschen den Zika-Virus untereinander übertragen können. Es sind extrem wenige Fälle bekannt, bei denen es angeblich über sexuelle Kontaktwege zu Infektionen kam. Auch hier werden die Forscher noch genauer analysieren müssen, was die möglichen Ausbreitungswege angeht. Auszuschließen ist, dass sich die Gelbfiebermücke in nördlichen Gefilden niederlässt, denn hierfür ist das Klima viel zu kühl.

Was Reisende beachten sollten

Angesichts der mageren Faktenlage, kaum erforschter Ausbreitungs- und Übertragungswege sowie möglichen Infektionsauswirkungen wären konkrete Reisehinweise unseriös. Niemand kann sagen, ob die medial ausgeschlachtete Ausräucheraktion in Rio de Janeiro und anderen Landesteilen Brasiliens – wo 220.000 Soldaten mit Räuchermaschinen der Mücke auf den Zahn fühlen sollen, während die TV-Teams fleißig filmen – überhaupt etwas bewirkt. Natürlich ist das Ziel der brasilianischen Regierung, einer Weltöffentlichkeit Vertrauen zu vermitteln, damit die Olympischen Spiele im Sommer dieses Jahres nicht vor leeren Rängen stattfinden.
Natürlich könnten Schwangere oder aber Frauen mit Kinderwunsch Regionen meiden, wo der Zika-Virus eine stärkere Verbreitung findet. Generell gilt seit jeher, sich vor jeder Reise zu erkundigen, welche Infektionsgefahren vor Ort herrschen, welche vorbeugenden Möglichkeiten existieren, welche Symptome auftreten, um einen Infekt zu erkennen, und wie die passenden Behandlungsmethodiken aussehen. Wem das persönliche Risiko zu hoch erscheint, der muss dem Zielgebiet fernbleiben. Dieses Prinzip gilt seit jeher. Es gibt weder einen Grund zur Panik, noch muss man die Risiken abtun. Solange jedoch die Sachlage so mager ist und so medial befeuert wird, sollte man gesunde Skepsis wahren.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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