Falscher Alarm?

Zika-Virus: Die Zweifel wachsen von Tag zu Tag

Nach Ausbruch des Zika-Virus’ in Brasilien und weiteren Ländern Mittel- und Südamerikas wurden hektisch Maßnahmen eingeleitet. Insbesondere nachdem die These populär wurde, der Virus würde zu Schädelfehlbildungen bei Babys führen. Doch die Zweifel an diesem Zusammenhang wachsen stetig.

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Ein kleines Mädchen malt einen Moskito

Ein Mädchen malt ein Wandgemälde, das Menschen über ein Moskito-Kontroll-Projekt in dem Dorf San Diego in El Salvador informiert. Die Mücke Aedes aegypti soll Überträger des Zika-Virus’ sein, das zu Mikrozephalie bei Neugeborenen führen kann.

Wir hatten selbst erst jüngst Zweifel über die voreiligen Schlüsse rund um den Zika-Virus aufgeworfen, wie man sich ob der Zusammenhänge so sicher kein kann. Kann ein Infekt bei einer Schwangeren dazu führen, dass das Kind im Mutterleib geschädigt wird? Wo doch die Forscher bisher so gut wie nichts über den Virus wissen. Gibt es andere Zusammenhänge? Wie kann man sich die exorbitant gestiegene Zahl von Schädelfehlbildungen in Brasilien (über 4.000 in wenigen Monaten gegenüber den üblichen 200 Fällen pro Jahr), Kolumbien und anderen Ländern erklären?
Und in der Tat, es tauchen immer mehr Zweifel auf, die durchaus berechtigt zu sein scheinen:
  1. In der neuesten Meldung des brasilianischen Gesundheitsministeriums werden doch sehr wackelige Zahlen genannt. Von 4.783 Verdachtsfällen mit Mikrozephalie sind 3.670 noch ungeklärt! Bei den mittlerweile geklärten Verdachtsfällen wurden 404 bestätigt. In 709 Fällen handelte es sich um Fehldiagnosen. Es geht aber noch weiter. Was ist mit den Schwangeren bzw. dem Zusammenhang zwischen dem Infekt und Schädelfehlbildungen? Bei lediglich 17 Müttern, deren Neugeborene eine Schädelfehlbildung aufwiesen, war eine Zika-Infektion nachweisbar. Bei 76 Fehlgeburten mit Verdacht auf Mikrozephalie wurden 15 Obduktionen vorgenommen, bei fünf wurde ein Befall mit Zika-Viren festgestellt.

    Ergo? Man ist im Moment dabei, die Testverfahren flächendeckend einzuführen, um endlich validere Zahlen zu bekommen. Was den akuten Infekt angeht. Ein weiteres Problem ist leider, dass der Zika-Virus nach Abklingen des Infekts Wochen und Monate später aus diagnostischer Sicht so gut wie nicht mehr nachzuweisen ist.
  2. Laut der „New York Times“ gab das Gesundheitsministerium in Brasilien im Herbst 2015 Anweisungen heraus, Neugeborene mit einem Schädelumfang unter 32 Zentimetern als Verdachtsfall zu melden. Wie man sich vorstellen kann, ergibt sich daraus umgehend ein Problem: Kinder unter der Wachstumsnorm – die völlig gesund sind –, werden damit auch gemeldet. Forscher haben historische Geburtsdatenbanken auf Basis der „Schädelnormgröße“ untersucht und festgestellt, dass die Schädelfehlbildungen damit auch vor 2015 gehäuft aufgetreten seien. Das Dumme dabei? Zu dem Zeitpunkt war der Zika-Virus in Brasilien noch nicht am Wirken. Denn die Theorie lautet, er sei zur Fußball-WM importiert worden.
Danke an die FAZ für die Sammlung der Fakten, um damit einen Schuss Nüchternheit in die Diskussion zu bringen. Skepsis und Zweifel sind ebenso wichtig wie Klarheit statt Kopflosigkeit beim Vorgehen. Natürlich winken weder die Forscher noch die Ämter, am wenigsten die Politiker ab. Solange nicht klar ist, ob der Zika-Virus ein Problemverursacher ist und was es mit dem mysteriösen Anstieg der Fehlbildungen nicht nur in Brasilien auf sich hat. Die WHO, die Behörden und Ärzte wie auch Forscher in Mittel- und Südamerika werden noch einiges an Detektivarbeit leisten müssen.
Die deutsche Gesellschaft für Virologie fast daher nüchtern die Problemzonen zusammen.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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