Erschreckende Studie

Jedes Jahr sterben Tausende an Krankenhausinfektionen

Viele Menschen haben Angst vor Krankenhäusern. Und das nicht ohne Grund, wie eine Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC zeigt.

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Jährlich über 90.000 Tote durch Infektionen in Krankenhäusern

Durch Krankenhausinfektionen sterben allein in Deutschland jährlich 15.000 Menschen.

Eigentlich geht man in ein Krankenhaus, um wieder gesund zu werden. Bei zigtausenden Patienten erweist sich diese Hoffnung allerdings als tödlicher Irrglaube. Forscher des ECDC haben herausgefunden, dass Krankenhaus-Infektionen die häufigste Todesursache aller Infektionskrankheiten in Europa sind. Unter diese fallen Lungenentzündungen, Blutvergiftungen, Harnwegsentzündungen, Wundentzündungen, Infektionen durch den multiresistenten Keim Claustridium difficile und Blutvergiftungen bei Neugeborenen. Zusammen fordern diese Krankheiten mehr Todesopfer als Tuberkolose, Grippe und AIDS. Die tragische wie gute Nachricht ist: Viele Todesfälle lassen sich vermeiden.

Die Studie im Detail

Für die Erhebung wertete das Forscher-Team um den Italiener Alessandro Cassini Daten des ECDC aus, welche dieses in den Jahren 2011/12 aus 30 europäischen Ländern gesammelt hatte. Demnach infizieren sich jährlich über 2,5 Millionen Menschen in europäischen Krankenhäusern. Bei über 90.000 von ihnen enden diese Infektionen tödlich. Besonders gefährdet sind Neugeborene und Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren. 90 Prozent aller in Krankenhäusern vorkommenden Infektionen wurden erfasst.
Auch Deutschland beteiligte sich an der Erhebung. 274.000 Daten aus 1.150 Krankenhäusern wurden dafür untersucht. Bestimmte Einrichtungen wie Reha-Kliniken wurden allerdings aus der Studie genommen. Durch Hochrechnungen ergaben sich daraus folgende Zahlen: Von 500.000 infizierten Patienten sterben schätzungsweise 15.000. 1.000 bis 4.000 Patienten sterben an multiresistenten Keimen. 3,5 Prozent aller Patienten stecken sich auf Allgemeinstationen an, 15 Prozent auf Intensivstationen.
Jährlich über 90.000 Tote durch Infektionen in Krankenhäusern

Ist OP-Besteck nicht richtig gereinigt, kann es zu Infektionen kommen.

Größtes Problem: Mangelnde Hygiene

So erschreckend die Studie ist, sie offenbarte ein weitaus größeres Problem. Die mangelnde Hygiene in europäischen Krankenhäusern. Rund ein Drittel der 90.000 Infektionstoten lassen sich auf Verunreinigungen zurückführen. Sei es der Arzt, der vergisst sich die Hände zu desinfizieren oder der unreine Katheder. Auch OP-Besteck ist häufig Auslöser für anschließende Infektionen.
Diese Zahlen bieten allerdings nicht nur negative Aussichten. Immerhin können Krankenhausleitung und Personal aktiv etwas dagegen tun. Hier gilt es, die helfenden Kräfte – ob Pfleger oder Ärzte – fachgerecht und ausreichend zu schulen. So könnten zahlreiche Infektionen verhindert werden. Ein weiterer Lichtblick: Durch die so genannte Schlüsselloch-Chirurgie (bei dieser Technik wird auf eine große Öffnung des Körpers verzichtet. Stattdessen arbeitet der Chirurg mit kleinen Instrumenten), welche immer öfter angewendet wird, lassen sich Infektionen minimieren.
Jährlich über 90.000 Tote durch Infektionen in Krankenhäusern

Durch minimalinvasive Chirurgie lassen sich Infektionskrankheiten minimieren.

Die Krux mit Studien

Die Forscher des ECDC unterschieden nicht zwischen Infektionen welche durch selbst mitgebrachte Erreger ausgelöst wurden und Erregern aus dem Krankenhaus. Ist ein Patient am dritten Tag des Aufenthalts mit Keimen infiziert, gilt in der Studie das Krankenhaus als Überträger. Ob der Patient vielleicht schon belastet ins Krankenhaus kam, wird nicht berücksichtigt.
Außerdem trägt jeder Mensch Billionen von Keimen auf seiner Haut. Wird einem Patienten nun beispielsweise ein Katheder gelegt, können diese Keime darüber Zugang in den Körper finden. Der Katheder kann in solch einem Fall völlig steril sein und trotzdem kommt es zur Infektion. Krankenhäuser stehen solchen Problemen machtlos gegenüber, müssen anschließend aber mit der Infektion kämpfen.
Die Studie des ECDC ist auf der Internetseite des Fach-Journals PLOS Medicine einsehbar.
Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.

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