Magen als Übeltäter

Symptome: Parkinson beginnt im Bauch

Parkinson lässt im Gehirn Nervenzellen sterben, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Forscher haben nun den Verdacht, dass die Schüttelähmung gar nicht im Gehirn, sondern im Magen entsteht.

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Frau hält sich den Bauch

Liegt der Ursprung von Parkinson im Magen? Es gibt Hinweise!

Parkinson ist eigentlich eine Erkrankung, die dem Gehirn zusetzt. In einem bestimmten Hirnbereich – der schwarzen Substanz - gehen jene Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Und dieser ist unter anderem für den reibungslosen Ablauf von Bewegungen wichtig. Typisch für Parkinson ist, dass die Betroffenen zittern, steife Muskeln haben und sich sehr langsam und sparsam bewegen. Das Zittern bescherte der Erkrankung auch den Namen Schüttellähmung. Seit einigen Jahren wissen Forscher, dass es sehr frühe Warnzeichen für Parkinson gibt. Sie zeigen sich lange, bevor die Krankheit tatsächlich ausbricht: Albträume, Schlafstörungen, Verlust des Geruchsempfindens oder Magen-Darm-Probleme, etwa Verstopfung. Schon lange hegen Forscher deshalb den Verdacht, dass die Schüttellähmung im Magen-Darm-Trakt beginnt. Eine Studie schwedischer Forscher erhärtet diese Annahme jetzt, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

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Keine Symptome: Parkinson-Risiko sinkt bei gekappter Nervenverbindung

Für die Untersuchung suchten die Skandinavier in einer nationalen Gesundheitsdatenbank alle Patienten, die sich einer sogenannten Vagotomie unterzogen hatten. Bei diesem Eingriff durchtrennt ein Chirurg den Vagusnerv, der das Gehirn mit dem Bauchraum verbindet. Ärzte hatten diesen Eingriff früher häufig bei Patienten mit Magengeschwüren durchgeführt, um die Produktion der aggressiven Magensäure zu drosseln. Dann verglichen die Forscher, wie häufig Patienten mit einem ganz oder teilweise durchtrennten Nerv im Vergleich zur Bevölkerung an Parkinson erkrankten.
Bei 9430 Patienten hatten die Ärzte den Verbindungsnerv teilweise gekappt, es waren also nur einzelne Äste inaktiviert. Von diesen erkrankten 101 Menschen an der Schüttellähmung (1,07 Prozent). Die Erkrankungsarte in der Allgemeinbevölkerung lag dagegen bei 1,28 Prozent. Noch deutlicher wurde der Zusammenhang zwischen Parkinson und dem Vagusnerv, als die Forscher jene Patienten mit vollständig lahmgelegtem Magen-Gehirn-Nerv beleuchteten. Ihr Risiko für Parkinson war um stolze 22 Prozent niedriger als bei der Allgemeinbevölkerung. War die Durchtrennung schon mindestens fünf Jahre her, sank es sogar um 41 Prozent. Die Ergebnisse erhärten den Verdacht, dass Parkinson im Magen entsteht und sich von dort über die Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet.

Symptome: Parkinson steigt aus dem Magen auf

Parkinson-Spezialisten gehen heute davon aus, dass die Schüttellähmung zumindest teilweise im Verdauungstrakt ihren Anfang nimmt. Eine Schlüsselrolle schreiben sie einem falsch gefalteten Eiweiß zu, dem Alpha-Synuclein. Es lagert sich im Gehirn von Parkinson-Patienten ab, aber auch im Nervensystem des Magen-Darm-Traktes, dem sogenannten „Bauchhirn“. Wissenschaftler nehmen an, dass diese Eiweißablagerungen den Vagusnerv mit seinen feinen Verästelungen als eine Art Steigleiter benutzen, um nach oben ins Gehirn zu klettern. Neue Therapien versuchen, den Aufstieg der schädlichen Eiweiße zu verhindern. Für Parkinsonpatienten sind diese Behandlungen aber nur im Rahmen von Studien möglich.

Parkinson trifft Menschen in der Lebensmitte

Parkinson betrifft weltweit rund vier Millionen Menschen. In Deutschland leben etwa 280.000 Parkinson-Patienten, etwa genauso viele Männer wie Frauen. Am häufigsten bricht die Schüttellähmung nach dem 55. Lebensjahr aus. Etwa zehn Prozent aller Parkinsonpatienten erkranken sehr jung: Bei der Diagnose sind sie noch keine 40 Jahre alt. Bekannt ist, dass Parkinson bis heute nicht heilbar ist, aber die Krankheit lässt sich bremsen. Dafür setzen Ärzte verschiedene Therapien ein, zum Beispiel Medikamente, Ergotherapie, Physiotherapie oder die Tiefe Hirnstimulation. Mit diesem "Hirnschrittmacher" gelingt es Parkinson-Patienten, sich wieder besser zu bewegen.

Infos und Hilfe bei Parkinson

Mehr Informationen und Tipps zu Parkinson bietet die Deutsche Parkinsonvereinigung e.V. Der Parkinson Club U40 sowie die Jung & Parkinson - Die Selbsthilfe e.V. (jup) richten sich an junge Menschen mit Parkinson. Die neue App iPROGNOSIS will Parkinson schon im Frühstadium erkennen und lädt deshalb alle gesunden Menschen ab 40 Jahren zu einem Parkinson-Test ein!

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Ingrid Müller

von

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